Maggy Woodley – Das Bastelbuch für Kleine – Aus alten Sachen Neues machen (Buch)

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Maggy Woodley - Das Bastelbuch für Kleine - Aus alten Sachen Neues machen (Cover © Naturkind Verlag/Loewe Verlag)Seit einigen Jahren betreibt die mit Mann und Sohn in London lebende Halbösterreicherin und Halbspanierin das beliebte Bastelblog Red Ted Art, das allein auf Facebook 125000 Fans vorweisen kann – der Erfolg ist recht einfach zu erklären, denn während zahlreiche Bastelbücher und -blogs zu komplizierte, zu abgehobene oder schlichtweg nicht besonders gut reproduzierbare Ideen und Anleitungen enthalten oder die Materialliste erst einen Einkaufszettel für eine anschließende Odyssee durch Schreibwaren- und Bastelläden nach sich zieht, sind die in diesem Buch enthaltenen Basteleien ohne allzu großen Aufwand anzufertigen. Das Material, das für die in diesem Buch zusammengetragenen Bastelanleitungen erforderlich ist, ist oftmals solches, das normalerweise entsorgt oder in Kartons für den Keller landen würde: Leere Küchenrollenpapprohre oder Toilettenpapierrollen, alte Zeitungen, Kerzenreste, Pappreste, Eierkartons, ausrangierte Sofakissen, alte oder nicht mehr passende Kleidung, Luftpolsterfolie, Wolle, Walnussschalen, Stoff-, Filz-, Kordel- und Bandreste. Anderes wie Steine, Kastanien, Stöcke, Tannenzapfen, Eicheln und dergleichen findet man beim Spaziergang, und im Haushalt finden sich ebenfalls zahlreiche Materialien wie etwa Frischhaltefolie, Schaschlikspieße, Alufolie, ältere Kartoffeln und Äpfel, die nicht mehr so schön sind, Reis, Stricknadeln, Stecknadeln, Zahnstocher… und selbst im Kinderzimmer kann das ein oder andere Verwertbare zum Vorschein kommen.

Sicherlich werden für einige Basteleien auch Dinge wie Fineliner, Wackelaugen, diverse Farben, Pfeifenreiniger, Perlen, Tonpapier, Fotokarton, Knöpfe oder Schnur benötigt, doch jede halbwegs bastelbegeisterte Familie sollte einen Großteil dessen, was gebraucht wird, ohnehin in der Bastelschublade oder -ecke vorrätig haben. Mal ehrlich: Welche gerne bastelnde Familie hat denn bitteschön keine Wackelaugen in irgend einem Kästchen oder Döschen zu Hause? Und wenn man dennoch mal etwas einkaufen muss, so ist es nicht zuletzt aufgrund des Miteinbeziehens des Kindes doch auch für den Nachwuchs eine spannende Sache, bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit gemeinsam den Einkauf zu planen und ein Geschäft aufzusuchen, um das fehlende Material zu besorgen – und vorher bastelt man dann eben etwas anderes aus dem Buch, da sich ein Großteil der Anleitungen relativ spontan umsetzen lässt, sodass der Fokus letztendlich auf das gerichtet ist, was der Buchtitel verspricht.

Nach einem zweiseitigen, gut sortierten Inhaltsverzeichnis (Kategorisiert in Nüsse, Recycling-Ideen, Handschuhe & Socken, Drucken, Steine, Selbstgenähtes & Bastelideen aus Stoff, Salzteig und Modelliermasse, Papierbasteleien, Leckereien, Eier auspusten, Naturmaterialien sowie Halloween und Weihnachten) bringt Maggy Woodley durch ein ausführliches Vorwort den Lesern und Bastlern ihre Welt, ihre Erfahrungen und ihre Auffassung der Bastelei näher – sie selbst stammt aus einer Bastelfamilie und ist mit ihrem Kind selbst eifrig dabei, sich gegenseitig mit Kreativität zu befeuern – etwas, was auch zwischen ihnen und den Lesern des Blogs geschieht.

Im Vorwort merkt Woodley auch an, dass das Gebastelte nicht unbedingt perfekt sein muss – und dass keine bestimmte Altersklasse angesprochen ist. Es gibt Dinge, die auch Kindergartenkinder ohne größere Probleme hinbekommen, und dann gibt es wiederum Bastelanleitungen, die eher für Grundschüler oder Fünftklässler geeignet sind. Doch viele der Anleitungen sind von vornherein so konzipiert, dass sich selbstverständlich auch die Eltern oder großen Geschwister dazusetzen und helfend zur Seite stehen, damit man beim gemeinsamen Basteln Spaß hat.

Der Aufbau jeder einzelnen Anleitung bleibt weitestgehend gleich. Jede Anleitung weist mindestens ein Foto des Endergebnisses auf, und gelegentlich findet man auch Fotos von etwas schwieriger zu beschreibenden Arbeitsschritten. Einem kurzen Einführungstext folgt eine Auflistung der benötigten Materialien, und dann geht es bereits mit den durchnummerierten Schritten schon ans Basteln. Diese Schritte sind durchaus einfach formuliert, doch gerade bei Kindern, die noch Leseanfänger sind, sind deutlich ältere Geschwister oder Erwachsene als helfender Partner unentbehrlich. Eine tolle Idee bei alledem: Einige der Arbeitsschritte sind mit einem kleinen Warnsymbol gekennzeichnet, das signalisieren soll, dass diese Schritte entweder sehr knifflig oder gar gefährlich werden könnten oder gar sind und die Anwesenheit und Mithilfe eines Großen gar unabdingbar ist – so beispielsweise bei Kerzenwachs oder beim Arbeiten mit scharfen oder spitzen Gegenständen. „Das Bastelbuch für Kleine – Aus alten Sachen Neues machen“ ist kein Buch der Sorte »Kind, hier hast’n Buch, bastel mal was!«, das man seinem Nachwuchs zur Beschäftigung auf dem Tisch vor die Nase schiebt, sondern eines, das das gemeinschaftliche Kreativsein und die gemeinsame Beschäftigung zu fördern in der Lage ist.

Im Anhang werden noch einmal ein paar präzisere, meist wiederkehrende Schritte skizziert, so beispielsweise die Anordnung der Schnüre bei den Giraffen, die Knotensetzung bei Wollhaaren, die Schritte beim Falten des Stoffes oder Papiers – und diverse Sticharten für das Vernähen von Stoff.

Die Ergebnisse sind, wenn man ein Mindestmaß an Mühe und Leidenschaft mitbringt, schlichtweg lustig, drollig, cool und eignen sich nicht nur zum Hinstellen oder -legen, sondern auch zur Benutzung in vielerlei Hinsicht, denn abgesehen von den originellen Leckereien (Regenbogenpopcorn, Ampelkekse), die nicht mehr allzu viel mit dem eigentlichen Inhalt des Buches, nämlich dem Basteln, zu tun haben, sind auch zahlreiche der gebastelten Gegenstände durchaus mehr als Staubfänger und Steh-im-Wegs, sondern erfüllen ihre ganz eigenen Zwecke. So kann man mit den Walnussmäusen doch wunderbar Rennen veranstalten, Eierkerzen an Ostern abbrennen, mit den Giraffenmarionetten lustige Theaterstücke spielen, das selbst bedruckte Geschenkpapier auch für den nächsten Geburtstag eines Klassenkameraden verwenden,  die wilden Hühnchen zum Jonglieren benutzen oder andererseits spielerisch für die Schulung der Motorik einsetzen.

Schön bei diesem Druckwerk ist, dass neben vielen modernen und fürwahr originellen Ideen auch Klassiker stattfinden – so beispielsweise der Kartoffeldruck, das Flechten von Löwenzahnkränzen und das Modellieren mit Salzteig. Somit ist dieses qualitativ hochwertig verarbeitete Buch (robustes Hardcover mit Spotlack, dicke und hochglänzende Seiten) ein langfristiger Spaß für die bastelbegeisterte Familie und weiß von der ersten bis zur letzten Seite zu begeistern. Umsetzbar und nachvollziehbar sind sämtliche Anleitungen ebenso, wie auch die folgenden Fotos beweisen. Daher: Smartphones, Tablets, Fernseher und Computer ausschalten, das Bastelbuch aufschlagen, Tisch freiräumen, in den Schubladen kramen, Material sammeln, loslegen!

Cover (oben) © Naturkind Verlag/Loewe Verlag
Bastelabbildungen (unten) © privat

 

Wertung: 12/15 dpt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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Maggy Woodley – Das Bastelbuch für Kleine…

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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