Heinrich Steinfest – Der Allesforscher (Hörbuch, gelesen von Markus Boysen)

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Heinrich Steinfest - Der Allesforscher (Hörbuch, Cover © Osterwold Audio)Ein Manager in Taiwan und die komplette Umstülpung seines Lebens. Als Sixten Braun auf der westpazifischen Insel unterwegs ist, scheint er vom Pech verfolgt. Zuerst explodiert ein Wal und Braun wird von irgend einem Teil des Innenlebens des Wals ausgeknockt. Er überlebt. Und lernt im Krankenhaus offenbar die Liebe seines Lebens kennen. Als er dann aus dem Krankenhaus entlassen wird und in den Flieger nach Hause steigt, ahnt er noch nicht, dass der Kerosinvogel abstürzt. Doch auch dieses Unglück überlebt er.

Sein Job als Manager ist der deutlich entspannenderen Arbeit als Bademeister gewichen, und die letzten Jahre hat es Sixten deutlich ruhiger angehen lassen. Eines Tages trifft er unverhofft auf einen Waisenjungen namens Simon, der eine selbst erfundene Phantasiesprache spricht und außerordentlich talentiert ist. Kaum hat er es sich versehen, ist Simon für ihn wie ein Sohn. Ein Sohn, der eigentlich doch gar nicht sein Sohn sein kann. Oder etwa doch? Aber nicht nur Simon ist für ihn eine Herausforderung, sondern auch die Dinge, die fortan wie ein Meteoritenhagel auf ihn einprasseln.

‚Never judge an audiobook by its first hour.‘ möchte man bei „Der Allesforscher“ sagen, denn am Anfang ist das totale Chaos und man fragt sich, was das alles soll, denn die Abfolge all der Ereignisse ist doch recht krude, und gerade die Erlebnisse, die Sixten Braun mit der Krankenschwester hat, werden in oftmals beinahe pornös detaillierter Form beschrieben. Doch mit zunehmender Spielzeit zeigt sich, dass diese Odyssee und Verkettung sonderbarer Situationen immer vielschichtiger wird – die anfangs sehr ichgerichtete Erzählung öffnet sich wie eine Blüte, der tragende Stängel dreht sich jeweils dorthin, woher das erzählerische Licht entspringt, und zu alledem gesellt sich eine eigenwillige Mischung aus Selbstfindung, Philosophie, Rohheit, Spiritualität, dem Warum und dem Wohin – und all das in äußerst ausdrucksstarke Worte gefasst.

Der ausstralischstämmige österreichische Autor, der vor allem für seine Kriminalromane, unter anderem die Markus Cheng-Reihe, bekannt ist, weiß den Leser respektive Hörer sehr geschickt aufs Eis zu führen und lässt ihn erst einmal unbeholfen auf dem glatten Untergrund umherstraucheln, bis er die Hand von ihm in Form von aufzugreifenden Fäden gereicht bekommt. Wo anfangs noch ein Fluchtreflex aufkommt, fühlt man sich recht bald wohl und möchte wissen, was Sixten und Simon miteinander verbindet – und wohin die Reise (die zuweilen auch weit in die Vergangenheit reicht) noch führen mag.

Mit Markus Boysen wurde ein sehr angenehmer Sprecher ausgewählt, denn seine ruhige, dunkle Stimme passt superb kontrastierend zu der doch ereignisreichen Geschichte und bricht nur in den erfordernden Momenten aus dieser Ruhe aus – somit ist er eine hervorragende Wahl als Brücke zwischen Autor und Hörer, zumal Boysen offenbar sehr empathisiert in die ihm vorliegenden Storys eintaucht. Und den Zuhörer sanft mit sich zieht.

Cover © Osterwold Audio/Hörbuch Hamburg

Wertung: 12/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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