Christofer Emgård, Mattias Häggström & Robert Sammelin – Mirror’s Edge: Exordium (Buch)

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Mirror's Edge - Exprdium Cover (c) Cross CultEin neu entwickelter Impfstoff könnte (1) in den Verantwortungsbereich einer offiziellen Forschungseinrichtung (für Wohlhabende) zurückgeführt werden, (2) das Schicksal der an Krebs erkrankten Schwester einer Konkurrentin positiv beeinflussen oder (3) in die Hände eines skrupellosen Konzerns gelangen und als Gegenleistung ein lang ersehntes Andenken an die eigene Mutter herbeibringen – je nachdem welchen Weg Faith, “Runner” und Protagonistin des Science-Fiction-Comics “Mirror’s Edge: Exordium”, wählen wird. Sie entscheidet sich für einen und bietet damit den Auftakt für das Action-Adventure Game “Mirror’s Edge: Catalyst”, welches im Sommer 2016 erschienen ist.

“Runner” zu sein, bedeutet: Freiheit, Wagemut, Überleben auf den Dächern einer Metropole, oberhalb von Glasfassaden und mächtigen Stahlkonstruktionen. Runner arbeiten als Industriespione, als Schmuggler, klettern an Wolkenkratzern empor und springen über Häuserschluchten, ungesehen von den “Employs”, die sich, abgestumpft von Konsum und Medienüberfluss, in Lohnarbeit versklavt haben.

Christofer Emgård, Mattias Häggström & Robert Sammelin – Mirror’s Edge: Exordium (Cover © Cross Cult Verlag)Die Erschaffer von “Mirror’s Edge” legen den Finger in die Wunde und zeichnen eine Welt, die futuristisch anmutet, deren Ansätze allerdings bereits Realität geworden sind. Von den Menschen, deren Tun durch Angst zu versagen, Leistungsdenken und dem Streben nach Wohlstand und vorgetäuschter Sicherheit bestimmt ist, haben sich die Runner abgespalten – und sind dennoch den Employs ähnlicher, als sie denken. Vermeintlich stehen sie außerhalb – auf einem Vorsprung – der gesellschaftlichen Fassade aus Eitelkeit und Gier – und spiegeln sich doch in ihr wieder, als könnten sie nicht aus ihrer eigenen Haut: So haben sich innerhalb der Runner konkurrierende Gruppen gebildet, deren Mitglieder zwar aufeinander achten, in denen man sich aber auch die Anerkennung der anderen erarbeiten muss. Faiths Anderssein und ihre trotzige Art haben sie zum Außenseiter gemacht, denn auch Runner haben eine soziale Norm.
Diese Kämpfe scheinen ebenfalls in der Protagonistin selbst ausgetragen zu werden. Ihr Inneres wirkt zerrissen, sie ist auf sich allein gestellt, von einer schmerzvollen Vergangenheit geprägt und muss sich entscheiden: zwischen dem eigenen Vorteil oder der Aufopferung für andere, ohne jeglichen persönlichen Nutzen.

“Mirror’s Edge: Exordium” ist der Prequel-Comic zum Computerspiel “Mirror’s Edge: Catalyst”, eine Verknüpfung von Game und Novelle, die schon beim ersten Teil von “Mirror’s Edge” Anklang gefunden hat. Der Grund, warum Faith im Gegensatz zum 2008 erschienenen Spiel weniger asiatisch, stattdessen “europäischer” wirkt, lässt sich nur vermuten und wird in Fankreisen sicherlich eingehend diskutiert.

Christofer Emgård, Mattias Häggström & Robert Sammelin – Mirror’s Edge: Exordium (Cover © Cross Cult Verlag)Ähnlich dem ersten Comicband schaffen Colorierung und Linienführung bei “Mirror’s Edge: Exordium” die besondere Atmosphäre über den Dächern der Stadt umzusetzen, die das “Mirror’s Edge-Universum” auszeichnet. Stilistisch bewegt sich “Exordium” auf hohem Niveau, vereinzelt finden sich Szenen, bei denen Faiths Abenteuer durch einen intensiveren sprachlichen Ausdruck stärker hätte untermauert werden können – ein minimaler qualitativer Abstrich, der in Bezug auf die Spannungsentwicklung jedoch nicht nachträglich zu werten ist.

Insgesamt schafft es “Mirror’s Edge: Exordium”, an den Kult-Klassiker anzuknüpfen und lässt den Leser nachdenklich zurück: über die Freiheit, sich selbst zu knechten.

Cover © Cross Cult Verlag


Über den Autor

Juliane Vogler


Julianes Nerd-Schreibtisch

Wer bist Du und was machst Du hier überhaupt?

Das frage ich mich in der Tat auch oft: Was mache ich hier eigentlich? – Und dabei lief doch alles so ausgezeichnet: der Uniabschluss, der erste Job … Irgendwann verließ ich den sicheren Weg, um mich dem unsteten Leben eines freiberuflichen Autors zuzuwenden. Nun arbeite ich mal wissenschaftlich, mal belletristisch.

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von Juliane Vogler Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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