The Mandalorian (Staffel 1-2) The Mandalorian - Poster - © Disney

Um diese Serie zu besprechen, müssen vorher noch ein paar persönliche Worte erfolgen, um den Kontext zu setzen, wie diese Serie vom Autor der Besprechung rezipiert wurde. Die Urtrilogie, also die Episoden IV bis VI, waren immer eine Art Märchen, welches eine Magie ausstrahlte, die man kaum begreifen konnte. Egal wie oft diese Filme im Fernsehen liefen, man war sofort verzaubert von den Geschichten und Abenteuern rund um Luke Skywalker, seiner Schwester Lea, von den Sprüchen Han Solos, dem tollpatschigen C3PO und vielem mehr. Die Faszination wuchs bis ins Unendliche, so dass vor mehr als 20 Jahren auch die Vorfreude auf Episode I bis aufs äußerste anwuchs, nur um dann aufs Bitterste enttäuscht zu werden. Seitdem hatte dieser Zauber einen Knacks weg und konnte auch nicht mehr repariert werden. Andere magische Welten liefen den weit entfernten Galaxien den Rang ab. Als es hieß, dass George Lucas, der Schöpfer dieses ganzen Universums, sein Baby an Disney verkaufte, sandte das positive Signale aus, verbindet man doch mit dem Konzern genau diese kindliche Freude an magischen Erzählungen. Doch es folgte vielmehr eine Übersättigung aus denen eine Star Wars – Müdigkeit erwuchs. Bis heute! Denn der Mandalorianer hat es geschafft, was alles seit Episode I gelaufen ist (vielleicht noch mit Ausnahme von Episode III) nicht geschafft hat. Diese Serie hat die kindliche Freude im Erwachsenen wiedererweckt und genau den Ton getroffen, welcher „Eine neue Hoffnung“ bis „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ ausmachte. Woran das lag soll in der nachfolgenden Besprechung ergründet werden. Denn: Das ist der Weg!

Vorwarnung vor Spoilern! Aus Gründen der Nachvollziehbarkeit müssen hier auch inhaltliche Punkte angesprochen werden, inklusive dem Ende der vor ein paar Tagen abgeschlossenen zweiten Staffel. Wer die Serie also noch nicht begonnen beziehungsweise noch nicht beendet hat, der liest am besten ab hier noch nicht weiter. Ein weiterer Besuch, wenn das Ende bekannt ist, ist natürlich gern gesehen.

Das ist der Weg

Der Mandalorianer auf Tatooine - © Disney
Der Mandalorianer auf Tatooine – © Disney

Der Beginn führt auf einen Eisplaneten, wo wir einen Kopfgeldjäger auf eine Bar zustapfen sehen. Das Aussehen erinnert frappierend an Bobba Fett. Er führt einen Auftrag aus, in dem er jemanden in der Bar sucht, auf den dieser Kopfgeldjäger angesetzt ist. Allein schon diese ersten Minuten atmen den Geist einer Fortführung (?), Parallelerzählung (?) zu der ganz alten Trilogie. Nach dem Auftrag ist vor dem Auftrag und der wird das Leben des Mandalorianers für immer verändern, denn das ist der Weg.

Ohne groß etwas zu verraten und eine Besprechung zu dieser Serie zu schreiben, die aktuell zwei Staffeln umfasst, ist schier unmöglich. Zum einen ist sie gespickt mit Anspielungen auf das gesamte Star Wars Universum und zum anderen hat sie am Ende etwas in petto, was man so nach dem gesamten Verlauf der bisher 16 Folgen und auch hinsichtlich der Sequeltrilogie nicht unbedingt erwartet hätte. Doch fangen wir von vorn an.

Die Story

Die ist, wenn man es genau nimmt, relativ schnell erzählt. Mando (so wird er meistens gerufen) erhält einen höchst lukrativen Auftrag, führt ihn aus, liefert ab, bekommt Gewissensbisse, haut das abgelieferte Paket aus den Fängen eines imperialen Trupps wieder raus, flieht, wird gejagt und muss sich immer wieder aufs Neue ein sicheres Plätzchen für sich und seinen neuen Freund suchen. Bis es zur endgültigen Konfrontation mit dem Widersacher kommt, der Mandos neuen Freund unbedingt in seinem Besitz sehen möchte. Bei den Reisen von Mando und dem kleinen, süßen Fratz namens Grogu, der ein Verwandter von Meister Yoda ist, sammelt der Mandelorianer allerhand Informationen, die ihn schlussendlich zu den Jedi führen wird, die den kleinen Grogu unter ihre Fittiche nehmen. Wer das letztendlich sein wird, soll an dieser Stelle nicht verraten werden, aber wenn man die Hedi erwähnt, bleiben nicht viele übrig, die das sein könnten.

The Mandalorian mit Blaster - © Disney
The Mandalorian mit Blaster – © Disney

Das ist im groben der Handlungsverlauf der zwei bisher veröffentlichten Staffeln und es reicht eigentlich ein DIN A4- Blatt, um diesen zusammenzufassen. Doch darum geht es in dieser Form gar nicht. Der große Bogen soll hier gar nicht geformt werden. Vielmehr sind es die kleinen Geschichten, die sich pro Folge ereignen und die immer wieder Anspielungen auf das große Ganze geben. Zuerst muss der Zuschauer sich darauf einstellen, in welcher Zeit er sich eigentlich befindet, was relativ schnell geklärt ist. Doch dann geht es an die Feinheiten und da ist wirklich für jeden etwas geboten. Sowohl der „ab und zu“- Star War-Seher, wie es der Rezensent einer ist, werden ebenso an die Hand genommen, wie die Hardcorefans. Da sind so viele Anspielungen untergebracht, offensichtliche und versteckte, dass allen ganz schnell warm ums Herz wird. Das alles formt sich organisch in die gesamte Star Wars – Zeitlinie, was auch durch die Optik gelingt (dazu gleich mehr). Schlussendlich lässt sich sagen, dass die Schöpfer dieser Serie viele Seiten zufrieden stellen, dabei ihrem Stil gerecht bleiben und vor allem nichts übers Knie brechen. Alles scheint wohlüberlegt, selbst die Schlussszenen der zweiten Staffel, auch wenn das für manche wohl ein Tick zu früh war. Es war meisterhaft hingeführt und durchexerziert. Ohne Kompromisse, aber mit zwei Schwachstellen. Zum einen erscheinen die Storm Trooper hier wie Kanonenfutter. Die werden ganz schön oft und ohne Rücksicht verheizt, so dass es irgendwann sogar recht lahm wirkte, wenn die Helden der Serie gegen diese kämpfen mussten. Da war fast jedes Mal von vornherein klar, wer den Kürzeren zieht. Eines muss man aber den Machern zugutehalten: Sie entwickeln die „Treffsicherheit“ der Weißen zu einer Art Running Gag. Die zweite Schwachstelle sind die Nebenplots, die meist gar nicht existieren oder wenn, dann nur zu Beiwerk verkommen. Bis auf wenige Ausnahmen ist da nix dabei, was bleibenden Eindruck hinterlässt. Allerdings ist das Jammern auf hohem Niveau, wenn man sieht, wie forsch der Hauptplot innerhalb von 16 Folgen vorangetrieben wurde.

Die Optik

Hier kann man nur vor Staunen, den Mund offen halten und ein erstauntes „wow” nicht unterdrücken. Wer die Trilogie rund um Luke Skywalker kennt, der wird sich hier sofort heimisch fühlen. Es sieht genauso aus wie damals, nur tricktechnisch etwas ausgefeilter. Sofort ist man wieder in dieser weit entfernten Galaxis, noch besser am Outer Rim, zu Hause. Doch die Optik betrifft nicht nur die Welten selber, sondern auch das komplette Set-Design, die Kostüme, die Aliens und vieles andere mehr. Während zum Beispiel bei Episode I bis III irgendwie zu sehr damit gespielt wurde, die verrücktesten Viecher zu kreieren (vor allem Episode I ist da in keiner guter Erinnerung) und es dadurch nicht harmonisch wirkte, ist es beim Mandalorianer genau das Gegenteil. Die jeweiligen Aliens und Welten sind so gemacht, dass sie sich sofort ins Bild fügen und man sie sofort annimmt. Egal wo der Mandalorianer auftaucht, es passt optisch einfach alles zusammen. Es könnte nun der Einwand kommen, dass sich das irgendwann abnutzt, aber das macht es erstaunlicherweise nicht. Es wird im Gegenteil immer besser. Wer die Folgen 9 und 10 anschaut (Anm.: die Folgen werden komplett durchnummeriert, 9 = Folge 1 der 2.Staffel usw), der wird vor Staunen nur noch die Kinnlade runterklappen, was dort auf den Bildschirm gezaubert wurde und dabei immer in Erinnerung behalten, dass es sich um eine Serie handelt.

The Mandalorian auf einem Speederbike - © Disney
The Mandalorian auf einem Speederbike – © Disney

Auch die Action kommt nicht zu kurz. Fühlt es sich zu Beginn der Serie noch ein wenig seltsam an, so ganz ohne Imperium oder Jedi, werden diese Elemente nach und nach eingeführt und auch die entsprechenden Kampfszenen, wie Laserschlacht im All und Kampfgefechte auf den jeweiligen Planeten, werden immer mehr integriert. Und so fühlt sich das alles optisch von Beginn an nach Star Wars an und mit jedem Element, welches hinzukommt, möchte man ein inneres High Five anzetteln. Und spätestens, wenn der erste glänzende T-Fighter oder Kreuzflügler in ramponiertem Look auftaucht, kommt der geneigte Fan aus dem Jauchzen nicht mehr heraus.

Der Sound

Zu Beginn fühlt sich die Musik erst etwas fremd an. Kein großer Vorspann mit großer orchestraler Musik, keine große Einleitung, nichts. Man wird sofort ins Geschehen geworfen mit für Star Wars – Verhältnisse eher ungewöhnlichen Klängen. Doch passt diese Musik perfekt zu einem „Lone Ranger“ und passt perfekt zu einem Western, wie es der Mandalorian an vielen Stellen auch ist. Genau diese Musik zieht sich wie ein roter Faden durch die kompletten zwei Staffeln und wird dort, wo es notwendig ist, durch orchestrale Klänge unterstützt. Ludwig Göransson (Tenet, Creed, Venom) hat hier einen wunderbaren Job gemacht. Er hat sich vollends von der Vorlage gelöst, die John Williams mit seinen opulenten Entwürfen vorgegeben hat. Es wäre ein leichtes gewesen, das einfach zu kopieren. Göransson jedoch hat das nicht getan und der Serie neben der Optik einen eigenen musikalischen Stempel aufgedrückt, bei der nur ab und zu ein paar vertrautere Klänge zu vernehmen sind. Diese meist kurz, mehr eine Ahnung.

Fazit

Diese Serie bietet eigentlich alles, was das Herz von Star Wars – Fans begehrt. Viele gut choreographierte Kämpfe, verschiedene Welten, die den Geist der alten Trilogie atmen, unterschiedlichste Arten von Lebensformen, die perfekt in das jeweils gewählte Setting passen (am gruseligsten waren dabei die Spinnen in Staffel 2) und ein Score, der das alles akustisch perfekt untermalt. Von einigen Seiten wird bemängelt, dass die Serie ein zu viel an Fanservice bietet und dabei die Nebenplots außer Acht lässt. Doch das macht die Serie aus, dass sie sich auf die wichtigen Teile konzentriert, immer mal wieder Informationen einstreut, die viele aufhorchen lassen und mehr muss es auch nicht sein. Wenn diese Serie weiter ausgebaut wird, dann kommen die ganzen Nebenhandlungen irgendwann automatisch, wobei die Macher der Serie aufpassen sollten, sich nicht zu verzetteln und so den Kern der Serie zu verraten. Nach dem mehr als epischen Finale und dem Wow –Moment zum Schluss darf gespannt auf die dritte Staffel gewartet werden und wie die Geschichte fortgeführt wird. Der Hauptplot der ersten zwei Staffeln scheint abgeschlossen, neue Pfade sind eröffnet und viele lose Enden warten darauf, dass an ihnen angeknüpft werden kann.

P.S.: Ein Wort zu den vielen Nebendarstellern! Da sind einige namenhafte aufgetreten, die einen kurzen Auftritt hatten, meist nur in einer Folge und trotzdem bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Da wären zum Beispiel zu nennen:

– Michael Bien: der eine Rolle innehat, die leicht an Aliens erinnert (allerdings mit umgekehrten Intentionen) und die ihm sehr gut zu Gesicht steht. Er liefert in den paar Minuten der betreffenden Folge eine sehr gute Performance und man hätte sofort wieder Lust Terminator oder Aliens anzuschauen

– Rosario Dawson: gibt dem Mandalorianer einen entscheidenden Tipp, welchen Weg er einschlagen muss, was zur finalen Konfrontation in der zweiten Staffel führt und alte Bekannte zurückbringt. Insgesamt hat sie in der einen Folge eine sehr gute Präsenz. Hoffentlich hat sie bald noch mehr Spielzeit

– Timothy Olyphant: Als Beschützer der Stadt Mos Pelgor auf Tatooine hat er eine Rüstung die Kennern sehr bekannt vorkommen dürfte. Er spielt seine Rolle richtig gut und liefert sich lustige Wortgefechte mit dem Mandalorianer. Er darf auch gerne wieder mitmischen

– Nick Nolte: Leider nur in Staffel 1 zu sehen, dafür aber mit einer unglaublichen Präsenz. Ich habe gesprochen.

– Carl Weathers: Wer Predator kennt und liebt, erkennt dieses Gesicht drei Meilen gegen den Wind. Leider wird diese Figur nur in Staffel 1 zentral eingesetzt. In der zweiten Staffel nur noch ein kurzer, aber prägnanter Auftritt. Schade, von ihm würde man gerne mehr sehen. Einzig seine Synchronstimme passte überhaupt nicht zu ihm, sie erinnerte zu sehr an Benjamin Blümchen 😉

  • Titel: The Mandalorian
  • Originaltitel: The Mandalorian
  • Produktionsland und -jahr: USA, seit 2019
  • Genre: Science-Fiction, Drama
  • Erschienen: 24.03.2020
  • Label: Disney+, Lucasfilm
  • Spielzeit: zwischen 31 und 55 Minuten
  • Darsteller:
    Pedro Pascal
    Gina Carano
    Giancarlo Esposito
  • Regie: Dave Filoni, Taika Waititi, John Favreau, Robert Rodriguez und weitere
  • Drehbuch: John Favreau, Dave Filoni
  • Musik: Ludwig Göransson
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    The Mandalorian auf Disney+

Wertung: 14/15 dpt


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