Oyinkan Braithwaite – Das Baby ist meins

Der Mann als Babysitter 

Das Baby ist meins
© Wunderbar

Einen bestimmten WhatsApp-Chat hätte Bambi besser mal gelöscht, denn so fliegt er hochkantig aus der Wohnung seiner neuen Freundin Mide und dies, obwohl es wegen der grassierenden Pandemie eine totale Ausgangssperre gibt. Notgedrungen fährt er zu seiner Tante Bidemi, die seit kurzer Zeit glückliche Mutter des jungen Remilekun ist. Zu seiner großen Überraschung stellt Bambi fest, dass im Haus des verstorbenen Onkels Folu nicht nur Bidemi lebt, sondern auch Esohe, die ehemalige Geliebte von Folu. Schnell scheint die Situation zu eskalieren, denn sowohl Bidemi wie auch Esohe behaupten, dass das Baby ihres sei. Die Lösung scheint naheliegend: Ein Mutterschaftstest mit DNA-Prüfung soll die Lage klären, doch die Labore sind durch den grassierenden Virus hoffnungslos überlastet. So heißt es zunächst, im Lockdown zusammenzusitzen und abzuwarten. Dabei kommt es allerdings immer wieder zu teils körperlichen Übergriffen zwischen den beiden Frauen und auch sonst geschehen kuriose Dinge. Für Bambi ist klar, er muss sich selbst um das Baby kümmern…

Wem kann man trauen?

„Meine Schwester, die Serienmörderin“ schlug letztes Jahr in Deutschland ein und sorgte für vielschichtige Unterhaltung. Thriller, Gesellschaftskritik, Emanzipationswerk, Anklage gegen das in Nigeria herrschende Patriarchat; alles passte. Irgendwie. So ergeht es auch dem neuen Werk von Oyinkan Braithwaite, welches trotz seiner nur 125 Seiten zu überzeugen weiß. Ausgerechnet der Macho Bambi gerät bei seiner Tante und der früheren Geliebten des Onkels zwischen die Fronten, wobei er selbst durchaus ebenfalls aufpassen muss, um sich nicht in Teufels Küche zu bringen.

„Sie ist diejenige mit dem toten Baby!“, zischte Esohe.

„Nennst du meine Aunty eine Lügnerin?“

„Dann soll ich also die Lügnerin sein?“

„Geh gar nicht darauf ein, Bambi, gib mir einfach nur das Baby.“ Aunty Bidemi wirkte nervös.

„Nein! Nein!, schrie Esohe. „Es ist mein Baby!“

Verunreinigtes Essen, Blut an den Wänden und handgreifliche Auseinandersetzungen fordern Bambi einiges ab. Doch wessen Baby ist es? Beide Frauen waren schwanger, eine erlitt eine Totgeburt, aber wer? So gibt es durchaus einige Thrill-Effekte, die gekonnt für Spannung sorgen. Dass Bambi zum Held oder besser gesagt Babysitter wider Willen wird, kann man durchaus als mehr oder weniger deutliche Kritik an der nigerianischen Kultur werten, in denen stets die Männer das Sagen haben.

„Das geschieht dir recht“, hätte sie gesagt. „Vielleicht lehrt dich das, dein Ding in der Hose zu lassen.“

Obwohl ich ihr immer und immer wieder erklärt hatte, dass ein Mann nicht dafür geschaffen war, sich an eine einzige Frau zu binden. Das verstieß gegen die Naturgesetze. Und wer war ich, der Natur zu widersprechen?

Die Geschichte wird aus der Sicht des Protagonisten und Ich-Erzählers Bambi erzählt, in der vor allem der Humor nicht zu kurz kommt. Einziger Kritikpunkt: Nach rund zwei sehr unterhaltsamen Stunden ist das Lesevergnügen schon vorbei.

  • Autor: Oyinkan Braithwaite
  • Titel: Das Baby ist meins
  • Originaltitel: The Baby Is Mine. Aus dem Englischen von Yasemin Dinçer
  • Verlag: Blumenbar
  • Umfang: 125 Seiten
  • Einband: Hardcover
  • Erschienen: Januar 2020
  • ISBN: 978-3-351-05089-4
  • Sonstige Informationen:
  • Produktseite 

 

Wertung:  11/15 dpt 


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