Richard Laymon – Das Ende (Buch)

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Richard Laymon - Das Ende (Cover © Heyne Hardcore)«Bass und Faye blieben stehen, unschlüssig, wie sie sich verhalten sollten. Da bewegte der Mann einen Arm. Er drehte sich auf den Rücken und gab den Blick auf die Frau frei. Sie hatte keinen Kopf mehr.»

Als der Mann, den Bass und Faye fassungslos beobachten, die beiden entdeckt, springt er auf und flieht – in der Hand den Kopf der toten Frau. Das junge Paar ruft die Polizei, die sofort Jagd auf den mutmaßlichen Mörder macht. Wer war die Frau und warum musste sie sterben? Wen hat der Mörder als nächstes im Visier? Je weiter die Ermittlungen voranschreiten, desto deutlicher wird: Niemand ist mehr sicher.

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Richard Laymon ist ein recht spezieller Autor. Seine Zutaten sind fast immer die gleichen: Gemetzel, Sex und ein schonungsloser Stil. Entscheidet man sich für ein Buch von ihm, muss man wissen, worauf man sich einlässt und sollte nicht zart besaitet sein. Von Hochliteratur könnte er wohl kaum weiter entfernt sein – seine Werke eignen sich eher, wenn man mal eben leichte Kost mit überschaubarem Inhalt lesen möchte, Bücher, bei denen man nicht nachdenken muss.

In diese Riege fällt zweifellos auch „Das Ende“, aber dieses Mal fehlen leider der laymontypische Biss und schwarze Humor, ebenso wie Spannung und Nervenkitzel. Hinzu kommt, dass der Klappentext etwas vollkommen anderes erwarten lässt, als das Buch schließlich bietet. Alles in allem ist der in Deutschland neu erschienene, aber bereits 1999 erstveröffentlichte Roman demnach recht enttäuschend.

Die Handlung ist schnell erzählt – viel mehr als in der obigen Zusammenfassung gibt es dazu tatsächlich nicht zu sagen. Ein junges Paar will einen romantischen Tag verbringen, allerdings kommt ihm eine Leiche dazwischen. Die Polizei, bestehend aus dem Sheriff und seiner Schwiegertochter, die gerne Anzüglichkeiten austauschen, geht auf die Jagd nach dem Mörder. Zugleich befinden sich Bass und Faye – das junge Paar – in großer Gefahr, denn sie haben das Gesicht des Gesuchten gesehen. Als Faye spurlos verschwindet, spitzt sich die Lage zu. Gleichzeitig bleibt das Erzählte erstaunlich emotionslos und schafft es nicht, den Leser zu packen.

Nach einem recht zügigen Start, der zunächst Hoffnungen auf eine spannende Geschichte weckt – wir erleben den Mord mit – zieht sich die eigentliche Handlung danach wie Kaugummi. Der gesamte Plot ergibt sich zu großen Teilen aus Dialogen, er ist eine einzige Aneinanderreihung wörtlicher Rede. Die sexuellen Anspielungen, die dabei ebenso unermüdlich aneinandergereiht werden, sind selbst für Laymons Verhältnisse oftmals unpassend, völlig deplatziert und flach. Flach ist auch das Stichwort für die Charaktere: Sie sind durchweg eindimensional und austauschbar. Am interessantesten wirken noch die toughe Polizistin Pac und der Sheriff, aber auch sie bleiben oberflächlich und ohne jegliche Tiefe. Es lässt sich zu keiner der Figuren eine Beziehung aufbauen. Sicherlich ist Laymon nicht gerade für seine ausgefeilte Charakterzeichnung bekannt, aber in diesem Buch ist sie auffällig kurz gekommen.

Gleiches gilt für die Brutalität, die sonst so typisch für den Autor ist. Nicht, dass fehlende Gewalt etwas Negatives wäre – im Gegenteil, sinnloses Gemetzel ist grundsätzlich fragwürdig – aber unter anderem aus ebendiesem Grund ist „Das Ende“ kein gewohnter Horror, sondern eher ein seichter Thriller. Allerdings ist dies nicht Laymons Genre und das ist der Story deutlich anzumerken.

Ein Pluspunkt kann bei aller Kritik aber durchaus gefunden werden: Das Ende vom Ende weiß zu überraschen und wartet mit einem unerwarteten Twist auf, der zudem die eine oder andere Logiklücke schließt. Ein weiteres Pünktchen gibt es daneben für die Perspektivwechsel, die das Lesen zumindest ein wenig kurzweiliger gestalten.

Fazit: „Das Ende“ ist ein schwacher Laymon, der eher dem Thriller- als Horror-Genre zuzuordnen ist. Spannungsmomente gibt es kaum und insgesamt bleiben sowohl die Charaktere als auch der gesamte Plot zu flach, um Lesevergnügen zu bereiten.

Cover © Heyne Hardcore

  • Autor: Richard Laymon
  • Titel: Das Ende
  • Originaltitel: Among the Missing
  • Übersetzer: Marcel Häußler
  • Verlag: Heyne Hardcore
  • Erschienen: 03/2018 (Erstveröffentlichung 1999)
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 320
  • ISBN: 978-3-453-67714-2
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite 
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 2/15 kopflose Frauen


Über den Autor

Jasmina Driller


Ich halte es wie Herbert Grönemeyer: Bochum, ich komm‘ aus dir! Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, habe ich nicht nur Germanistik studiert und die Liebe zum Schreiben entdeckt, sondern lebe, lese und lache ich mit Mann, Kind und zwei Katzen. Dabei immer im Ohr: Rock(’n’Roll), von den 50er-Jahren bis heute. Jede freie Minute stecke ich meine Nase in Bücher oder auch in meinen Kindle, meist sogar parallel.
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Richard Laymon – Das Ende (Buch)

von Jasmina Driller Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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