© Penguin Random House Verlagsgruppe

Steve Jobs war die Ikone einer ganzen Generation und gleichzeitig ein immens emotionaler Mensch. Sein Leben bestand aus Höhen und Tiefen, und seine Launen brachten manchen Manager und Angehörige zum Verzweifeln. Kurz nach Jobs’ Tod im Jahr 2011 erschien die Biografie, welche Walter Isaacson in den Jahren zuvor schrieb. In über 40 Interviews mit Jobs selbst und vielen weiteren Gesprächen mit Freunden, Kollegen, Gegnern und Familienmitgliedern entstand somit ein unverfälschtes Bild eines Visionärs, mit all seinen Stärken und Schwächen.

Jobs betonte immer wieder, dieses Buch sei primär für seine Kinder gedacht, da er für sie zu wenig Zeit gehabt hätte. Daher ist es nicht verwunderlich, dass zahlreiche, private Details erwähnt werden. Angefangen von seiner Kindheit mit seinen Adoptiveltern und der Suche nach seinen leiblichen Eltern, bis hin zu den Problemen mit Jobs’ eigenen Kindern. Allen voran die Beziehung zu seiner ersten Tochter Lisa, die er mit seiner langjährigen Partnerin, der Malerin Chrisann Brennan, zeugte.

Zu Beginn des Buches berichtet Isaacson über die ersten Begegnungen mit Jobs und dann über dessen Jugend und seinen Anfängen bei Atari. Nach einem Selbstfindungstrip nach Indien gründete er mit seinem Freund Steve Wozniak “Apple”. Schon hier erkennt der Leser, dass Jobs bei weitem nicht der Messias der Computerwelt war, sondern durchaus skrupellos sein konnte. So zahlte er Wozniak nur einen geringen Teil seines Honorars von Atari aus.

Nach einer anfangs chronologischen Erzählweise springt Isaacson im weiteren Verlauf immer mehr zwischen den Jahrzehnten und Ereignissen. Dies ist vor allem aufgrund der Fülle an Personen und Querverweisen oftmals sehr verwirrend und stört den Lesefluss. Zu den genannten Ereignissen gehören natürlich Meilensteine in der Apple-Geschichte wie die Einführung des Apple II, die Gründung von NeXT, der Fast-Ruin von Apple, die Übernahme von Pixar und der Höhenflug nach der Einführung des iPod.

Immer wieder lässt Isaacson erkennen, dass Jobs eine Mischung aus Genie und Wahnsinn war. Einerseits ein absoluter Perfektionist, für den Design alles zählte und mittels seinem “Reality Disortion Field” von den Mitarbeitern Unmögliches möglich machen konnte. Auf der anderen Seite wird ein zerbrechlicher Mann dargestellt, geplagt von Selbstzweifeln und geprägt von seiner Vergangenheit. Nicht wenige Male liest man von Tränenausbrüchen oder wüsten Schreiattacken. Wer für Jobs arbeitete, genoss das Privileg von einer Sekunde auf die nächste, Held oder Vollidiot zu sein.

Auf jeden Fall war Jobs ein exzellenter Geschäftsmann. Manchmal pokerte er vielleicht zu hoch, doch so gut wie alles, was er nach seiner zweiten “Amtszeit” bei Apple begann, wurde zum Erfolg. Schlussendlich wurde Jobs durch einen raffinierten Deal zum größten Einzelaktionär bei Walt Disney.

Als sich dann im Oktober 2003 der Gesundheitszustand von Jobs verschlechterte, entschloss er sich einerseits für die vorliegende Biografie und andererseits gegen medizinische Behandlungen, vorerst. Die letzten Jahre und Monate seines Lebens widmete sich Jobs hauptsächlich seiner Familie, während Tim Cook das Tagesgeschäft bei Apple übernahm.

Nachdem die Biografie kurz nach dem Tod des Apple-Gründers erschien, blieb für das Lektorat zu wenig Zeit. Besitzer der ersten Auflage können daher einige Stilblüten ihr eigen nennen: So findet man laut Übersetzer im “Silicon Valley” Silikon, was definitiv nicht der Fall ist. Aus eher harmlosen Knallkörper in der Schulzeit wird gar Sprengstoff. Daneben merkt man dem Buch eindeutig an, dass mehrere Übersetzer gleichzeitig am Werk waren. Dies ist sicherlich dem Zeitdruck geschuldet. In den folgenden Auflagen wurden diese Fehler dann korrigiert.

Fazit: “Steve Jobs – Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers” zeigt ein glaubwürdiges Bild eines Visionärs mit all seinen Facetten. Einzig die zahlreichen Übersetzungsfehler trüben den Lesespaß.

  • Autor: Walter Isaacson
  • Titel: Steve Jobs – Die autorisierte Biografie des Apple-Gründers
  • Originaltitel: Steve Jobs
  • Übersetzer:
    Antoinette Gittinger
    Oliver Grasmück
    Dagmar Mallett
    Elfi Martin
    Andrea Stumpf
    Gabriele Werbeck
  • Verlag: C. Bertelsmann
  • Erschienen: 25.10.2011
  • Einband: eBook, Taschenbuch
  • Seiten: 704
  • ISBN: 978-3570101247
  • Sonstige Informationen:


Wertung: 12/15 dpt


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