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“Ein bisschen bleiben wir noch”, denken sich die beiden Kinder Oskar und Lilli, welche nach sechsjährigem Aufenthalt in Österreich wieder nach Tschetschenien abgeschoben werden soll. Obwohl beide Kinder gut integriert sind und ihr Geburtsland gar nicht kennen, zeigen die Abschiebepolizisten zwar Verständnis aber auch kein Erbarmen. Zu Viel für die Mutter der beiden: sie begeht im Badezimmer einen Selbstmordversuch, konnte aber noch gerettet werden. Das Jugendamt beschließt nun, die beiden Kinder erstmals zu trennen und bei Pflegefamilien unterzubringen.

Diese könnten nicht unterschiedlicher sein. Oskar kommt bei einem alternativen Lehrer-Ehepaar unter, wo gerne mal nachmittags die Ziehharmonika ausgepackt wird um das vegetarische Essen gut zu verdauen. Neben einem gemeinsamen Sohn, wohnt auch noch die parkinsonkranke Großmutter dort. Lilli kommt hingegen bei Ruth unter, welche zwar alleine lebt aber im Begriff ist, eine neue Beziehung einzugehen. Während die Dame natürlich Lillis Wohlergehen im Sinn hat, versucht sie selbst auch ihr Glück positiv zu beeinflussen. Vielleicht erkennt Ruth daher nicht, dass Lilli und Oskar über Umwege doch Kontakt halten können, um sich einerseits gegenseitig Mut zuzusprechen und andererseits einen Plan zu schmieden, wie sie beide wieder vereint bei ihrer leiblichen Mutter sein können.

“Tanzt die immer so ohne Musik?”
“Sie hat Parkinson.”

Dieser Plan beinhaltet auch das Vorhaben von den neuen Pflegefamilien wegzukommen. So zeigen sich die beiden Kinder daraufhin nicht von ihrer besten Seite, Oskar teilweise mit beinahe dramatischen Folgen für Oma Erika.

Oskar sieht die Welt verträumter als seine Schwester. © Filmladen

Generell ist Oskars Sicht der Dinge, wohl ob seines jüngeren Alters, wesentlich verspielter und verträumter, während Lilli als ältere Schwester teils viel abgebrühter daherkommt. Beispielsweise reinigt sie in der alten Wohnung das blutverschmierte Bad.

Gesichter mit lachendem Mund findet man öfters im Film. © Filmladen

Dem Regisseur, respektive Drehbuchautor, Arash T. Riahi ist ein beklemmendes und gleichzeitig verträumtes Werk gelungen. Ohne mit erhobenem Zeigefinger die Flüchtlings- und Abschiebepolitik zu kritisieren, werden persönliche Schicksale gezeigt: eine Mutter welche psychisch am Ende ist und keinen Ausweg mehr sieht, zwei Kinder welche um jeden Preis zusammen bleiben wollen und diverse andere Nebenschauplätze. Gar schon fast zu viele, möchte man meinen.

Lilli hat neben ihren Bruder und ihrer Mutter noch andere Sorgen. © Filmladen

Als Basis für diesen Film, diente das Buch “Oskar und Lilli” von Monika Helfer, welche sich auch mit der kritischen Frage auseinandersetzte, was mit Geschwistern passiert, wenn man sie trennt.

Besonders hervorzuheben sind hier die beiden Kinderdarsteller, nämlich Leopold Pallua und Rosa Zant, welche mit viel Emotion aber auch Konsequenz die angedachten Rollen umsetzen: mal ruhiger und besonnener und dann doch wieder sehr pulsiv.

Fazit: “Ein bisschen bleiben wir noch” von Arash T. Riahi ist viel mehr als eine reines Flüchtlingsdrama. Die unbändige Geschwisterliebe und alles was dafür zu tun ist, steht im Vordergrund und tut dem Film letztlich auch gut.

  • Titel: Ein bisschen bleiben wir noch
  • Produktionsland und -jahr: AT 2020
  • Genre: Drama
  • Erschienen: 09/2021 (DE)
  • Label: Wega Film
  • Spielzeit: 102 Minuten
  • Darsteller:
    Leopold Pallua
    Rosa Zant
    Christine Ostermayer
  • Regie: Arash T. Riahi
  • Drehbuch: Arash T. Riahi
  • Kamera: Enzo Brandner
  • Schnitt: Julia Drack
    Stepan Bechinger
  • Musik: Karwan Marouf
  • FSK: 6
  • Sonstige Informationen:
    Offizielle Webseite
    Erwerbsmöglichkeiten


Wertung: 12/15 dpt


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