Intensive Geschichtsstunde

Cover: Habichtland (c) Pendragon Verlag

Deutschland, 1940/41. Landwirt Hannes versucht alles, um seine kleine Familie unbeschadet durch die Wirren der Zeit zu bringen.
Aber wie soll man sich raushalten, wenn die politischen Umstände jede Grenze der Zumutbarkeit überschreiten? Wie schwierig ist es sich ins Private zu fliehen?

Florian Knöppler hat mit seinem Roman „Habichtland“ einen intensiven Heimatroman geschrieben, in dem er am Beispiel seines Protagonisten Hannes und seiner Familie zeigt, wie Krieg und Diktatur ihre Spuren in einer Zivilgesellschaft hinterlassen, bis in die Familie hinein.

Hannes, der im Grunde völlig unpolitisch ist, übernimmt sogar ein offizielles Amt, nur um den Nazis im Ort keine Angriffsfläche zu bieten. Er möchte verhindern, dass seine Frau Lisa und seine Kinder Nachteile erleiden. Besonders als er dahinter kommt, dass Lisa sich heimlich mit Widerstandgruppierungen trifft, sieht er in dieser Entscheidung eine Schutzmaßnahme. Die unterschiedlichen Wege, die die Eheleute bestreiten, um mit dem Nationalsozialismus umzugehen, werden zur Zerreißprobe in ihrer Beziehung.

Der Autor lässt uns mit viel Empathie an der inneren Zerrissenheit seiner Figuren teilhaben. Die grundsätzliche Gewissensfrage, inwieweit man bereit ist, in einem totalitären System Widerstand zu leisten, wird authentisch beleuchtet.

Knöppler inszeniert seinen Roman „Habichtland“ als norddeutsche Familiengeschichte. Er setzt damit seinen 2021 erschienenen Roman „Kronsnest“ fort, in dem es um die Jugend von Hauptfigur Hannes Thormälen in den 1920-er Jahren geht. Anspielungen auf die vorangegangene Handlung finden sich regelmäßig, trotzdem kann „Habichtland“ auch als eigenständiges Werk gelesen werden. Der Fortsetzungscharakter ist jedoch sehr offensichtlich.

Mit sehr sinnlichen Bildern bezieht Knöppler die norddeutsche Landschaft in sein Erzählen mit ein. Das ländliche Leben, abseits vom glamourösen Großstadttrubel, verleiht seinem Roman einen gewissen bodenständigen Idealismus, den auch die Hauptfigur Hannes verkörpert.

„Habichtland“ ist dadurch, trotz des bedrückenden Grundthemas und der historisch korrekt abgebildeten Ereignisse, ein angenehm zu lesendes Buch, das einen sehr menschlichen Blick auf diese Zeit erlaubt.

  • Autor: Florian Knöppler
  • Titel: Habichtland
  • Verlag: Pendragon Verlag
  • Erschienen: Februar 2022
  • Einband: Gebundene Ausgabe
  • Seiten: 320 Seiten
  • ISBN: 978-3865327819


Wertung: 12/15 dpt


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