Mary Shelley – Was wurde aus den Geistern (Buch)


Mary Shelley – Was wurde aus den Geistern? 

© S. Marix Verlag

Lange wellige Haare, wohlproportionierte Gliedmaßen und schön gestaltete Züge. Diese Beschreibung, die im ersten Moment den Anschein erweckt, als würde man die erste Seite eines Nikolas Sparks Romans aufschlagen, entstammt in Wirklichkeit dem Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“, dem wohl bekanntesten Werk der Autorin Mary Shelley. Die Vertreterin der Schauerromantik sah diese Geschichte, welche sie mit 19 Jahren verfasste, jedoch nicht als die für sie bedeutendste an. Ihrem Werk, „Der letzte Mensch“ maß sie eine weit höhere Bedeutung zu. Im Jahr 1826 erstmalig erschienen gilt es heute als das grundlegende Werk für das Genre der Science-Fiction Literatur. Das sind nur zwei Beispiele, die aufzeigen mit welcher Vielfalt , die Literatur Mary Shelleys geprägt ist.

Ein Kompendium zu schaffen, das dem Werk einer Autorin gerecht wird, die mit immenser Neugier und so facettenreich auf ihre Zeit sowie ihr eigenes Leben blickt, ist in jedem Fall eine spannende Aufgabe. Dieser hat sich der S. Marix Verlag mit Bravour gestellt und mit „Was wurde aus den Geistern“ eine Ausgabe geschaffen, die sich dem Leben Mary Shelleys annähert und die wichtigsten Punkte in ihrem Leben gekonnt aufgreift und in den Kontext ihrer Werke stellt. Da Mary Shelley in ihren Geschichten gerne Zitate von anderen Werken aufgreift, helfen die Fußnoten ungemein, um die Auszüge im genannten Rahmen zu verstehen. Das ist nicht zuletzt den transparenten, sowie klar formulierten Übersetzungen von Rebekka Rohleder und Klaudia Ruschkowski zu verdanken.

Die Einteilung von „Was wurde aus den Geistern“ erfolgt in vier Abschnitten, in denen die Werke Shelleys mit ihren eigenen Stationen im Leben in Zusammenhang gebracht werden. Dies wird in einer jeweiligen Vorbemerkung erläutert. So geht es unter anderem im ersten Teil um Mary Shelley als Autorin des Frankenstein. Hier ist auch der Essay „Von den Geistern“ enthalten, das in der ersten, weitaus unbekannteren Version des Frankenstein zu finden ist.

Während sie in ihrem bekanntesten Roman weniger die Fragen nach dem Sein oder Nichtsein des Übernatürlichen stellt, sondern sich damit auseinander setzt welche Verantwortung die Erschaffung des Unvorstellbaren in sich birgt, betritt Shelley mit „Der letzte Mensch“ die Schwelle hin zur Dystopie. Hier ersinnt sie, wie die Welt im 21. Jahrhundert von einer totbringenden Seuche heimgesucht wird, die apokalyptische Ausmaße annimmt. Dieses Werk wird in dem Abschnitt „Grenzerfahrungen“ näher erläutert. Vor knapp 200 Jahren das erste Mal veröffentlicht, birgt „Der letzte Mensch“ eine erschreckende Aktualität und ist ein weiterer Beweis für die Viel- und Weitsichtigkeit Mary Shelleys.

Die Reiseberichte der Schriftstellerin bilden den letzten Abschnitt des vorliegenden Buches. Ihre Reisen führen sie durch Deutschland und Italien. Diese waren für die Schriftstellerin Seelenheil wie auch -unheil zugleich. So sehr sie Italien zugewandt war, verband sie mit dem Land auch immer den Verlust ihres Mannes und ihrer drei Kinder. Doch auch hier wusste Shelley ihre Erfahrungen produktiv umzusetzen und so verfasste sie mehrere Reiseberichte, die ihre Eindrücke anschaulich widerspiegeln. Dieses Interesse an anderen Kulturen, lässt sich gut in den Werken „Lodore“ oder „Frankenstein“ erkennen, da sie in diesen Werken auch längere Passagen in anderen Ländern ansiedelt.

Dem Verlagshaus Römerweg ist es in seinem Imprint, dem S. Marix Verlag, auf eindrucksvolle Weise gelungen die Vielfalt der Werke Mary Shelleys zu bündeln und anschaulich zu präsentieren. Mit der Klappenbroschur „Was wurde aus den Geistern“ setzt der Verlag dem Leben und vor allem den Werken Mary Shelleys passend zu ihrem 225. Jahrestag kunstvoll ein Denkmal und zeigt auf mit welch gesellschaftskritischem Blick die Autorin ihre Zeit wahrnahm. Ein Blick, den sie verstanden hat auf unvergleichliche Weise zu beschreiben und der auch im 21. Jahrhundert nicht an Aktualität verloren hat.

  • Autorinnen: Mary Shelley, Klaudia Ruschkowski, Rebekka Rohleder
  • Titel: Was wurde aus den Geistern
  • Übersetzerinnen: Klaudia Ruschkowski, Rebekka Rohleder
  • Verlag: S. Marix Verlag
  • Erschienen: 2022
  • Einband: Klappenbroschur
  • Seiten: 280
  • ISBN: 978-3-7374-1186-8
  • Produktseite 
  • Erwerbsmöglichkeiten


Wertung: 15/15 dpt

 


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