Booknerds Jahresrückblick 2025 von Eva

Welche Bücher begleiteten Eva durch das Jahr 2025?

Ich zähle die Bücher nicht genau nach, die ich im Jahr 2025 gelesen habe, weiß aber trotzdem, dass es weitaus weniger waren als in anderen Jahren. Am guten Willen oder einem Mangel an interessantem Lesestoff liegt es nicht. Bereits jetzt liegt mir für 2026 eine lange Leseliste vor, darauf komme ich später noch einmal zurück. Vielmehr ist es so, dass Leben Veränderung heißt und somit neue Interessen Zeit beanspruchen. Und das ist gut so.

Wenn schon die Quantität an Büchern nicht punktet, so überzeugt doch immerhin die Qualität. Deshalb möchte ich Euch sieben Bücher vorstellen, die mich nachhaltig im Jahr 2025 beschäftigt haben und zu denen es auch Besprechungen hier auf Booknerds.de gibt.

Alles überstanden? © Ullstein

Ein Sachbuch, das den Jahreswechsel 2024 zu 2025 begleitete, war „Alles überstanden?“ von  Christian Drosten und Georg Mascolo. Der bekannte Virologe der Berliner Charité Christian Drosten und der Journalist Georg Mascolo diskutierten die wichtige Frage: „Was lernen wir aus einer Zeit, in der ein Virus weltweit das Leben anhielt?“ Neben einer chronologischen Aufarbeitung der Corona-Pandemie  geht es nicht nur darum, was während der Corona-Pandemie richtig und falsch gemacht wurde. Vielmehr stehen die wissenschaftliche Erforschung des Virus und die Veränderungen in der Gesellschaft im Mittelpunkt der Gespräche. Und ein Ausblick darauf, was dringend notwendig wäre zu tun, um für kommende Pandemien gewappnet zu sein.

Vor der Leipziger Buchmesse las ich mit der „Dex und Helmling“ Dilogie („Ein Psalm für die wild Schweifenden“ und „Ein Gebet für die achtsam Schreitenden“) von Becky Chambers Hopepunk-Science-Fiction as it‘s best. Es sind Bücher für Lesende, die an eine bessere Welt glauben und einen positiven Blick in die Zukunft werfen möchten. Trotz der emotional anstrengenden geopolitischen Lage – oder vielleicht gerade deswegen?  Wir begleiten den Teemönch Dex, der seinen Mitmenschen Teezubereitungen und ein Ohr für Sorgen und Gespräche anbietet. Und den Roboter Helmling, ein Gesandter seiner Art, der herausfinden möchte, was der Mensch braucht. Die Gespräche zwischen Mönch und Roboter offenbaren visionäre Ideen und einen den klassischen Kapitalismus ablehnenden Lebensentwurf, der ungewöhnliche Perspektiven aufzeigt und den geistigen Horizont bereichert.

Dex & Helmling Dilogie, Buch, Carcosa Verlag
Becky Chambers – Dex & Helmling Dilogie (Buch) © Carcosa Verlag
Lyneham © Hobbit Presse

Nach der Leipziger Buchmesse las ich den Roman, den ich des Öfteren als den Besten von mir gelesenen Roman in 2025 bezeichnete: „Lyneham“ von Nils Westerboer. Während der Messe beim Eolian Club der Hobbit Presse durfte ich den sympathischen Autor persönlich kennenlernen. Der Roman erzählt vom Exodus der Menschheit ins All nach der Zerstörung der Lebensgrundlage auf der Erde. Der junge Henry und seiner Familie erleben hautnah die lebensbedrohlichen Geheimnisse ihrer neuen Heimat auf dem Mond Perm. Die Lektüre von „Lyneham“ wirkt nach und ich bin immer noch beeindruckt von der erzählerischen und visionären Kraft der Geschichte. Mit einem einzigartigen Schauplatz, einer faszinierenden Evolution und sich spannend entwickelnden Figuren, insbesondere dem Erzähler Henry und seiner Mutter Mildred.

Für immer © btb

Dem Gastland der Leipziger Buchmesse, Norwegen, hatte ich während meines Besuchs leider kaum Aufmerksamkeit gewidmet. Im Nachgang holte ich dies ein wenig nach und bekam Lust, das aktuelle Buch von Maja Lunde „Für immer“ zu lesen. In dem Roman friert an einem Tag im Juni das menschliche Leben und ihre Zeit ein. Niemand stirbt mehr, niemand wird krank. Niemand altert und reift und niemand wird geboren. Speculative Fiction nennt man diese Art von Literatur, die in unserer Realität spielt und diese mit etwas Unvorstellbarem konfrontiert. Maja Lunde wagte in „Für immer“ ein philosophisches Gedankenspiel und holte das Thema Sterblichkeit aus einer dunklen Tabuzone heraus ins Licht unserer Aufmerksamkeit. Für mich war der Roman in der Auseinandersetzung mit den Themen Altern und Tod eine Bereicherung, weil er einfach ganz neue Sichtweisen auf darauf bot.

Liebe ist gewaltig © dtv

Liebe ist gewaltig“ von Claudia Schumacher wurde im Juni 2025 zum Buch für die Stadt Köln ernannt. Für mich galt es zu entscheiden, ob ich zum dritten Mal Teil einer Projektgruppe sein wollte, die das Buch für die Stadt auf die Bühne bringt. Und so nahm ich den Roman mit in den Sommerurlaub nach Dänemark und Schweden. Die Geschichte erzählt aus drei Lebensphasen einer jungen Frau, die von ihrem Vater wiederholt körperlich und seelisch misshandelt wird. Außer den extremen Erfahrungen der Protagonistin in Kindheit und Jugend thematisiert sie die langfristigen Folgen der Gewalt und Julis Kampf um ein selbstbestimmtes Leben. Ich gebe zu, dass sich Julis Erzählung im Urlaub nicht immer leicht las, „Liebe ist gewaltig“  ist keine Wohlfühllektüre. Doch ihre von Mut, Widerstand und Zynismus geprägte Erzählstimme zog mich hinein in ihren persönlichen Kampf gegen das Patriachat und toxische Männlichkeit. In unserem Theaterstück durfte ich die Rolle der Juli spielen. Eine Erfahrung, die mir eine intensive und tiefe Nähe zu ihr als Persönlichkeit schenkte.

© J.C. Vogt created by saje-design.de

Die Realisierung des Buchs „Anarchie Déco 1930“ von Judith und Christian Vogt  verfolgte ich über ein Crowdfunding-Projekt, welches ich gern unterstützte. 2021 war der erste Teil der Dilogie „Anarchie Deco“ erschienen, der mich mit einem innovativen Mix aus Magie, queerem Leben und einer Alternativhistorie der Weimarer Republik im Jahr 1927 begeisterte. Leider wollte der Verlag das 1933 spielende Finale nicht herausbringen. Und so waren Crowdfunding und vier Jahre Arbeit für den Abschluss dieser einzigartigen Geschichte nötig. Wie Einflüsse unserer Zeit: gesellschaftlicher und politischer Rechtsruck, weltweiter Demokratieabbau, Erstarken totalitärer Strukturen, aber auch KI und Deepfake, sich in „Anarchie Déco 1930“ widerspiegeln, erzählen Judith und Christian im Interview zu unserer Kolumne „Büchermenschen gegen Rechts„. Für mich folgt dieser Roman ganz dicht auf „Lyneham“ im Ranking meiner Lieblingsbücher in 2025.

@ Memoranda/Carcosa

Die Story-Sammlung „Arborealität“ von der kanadischen Autorin Rebecca Campbell schickte mir der Verleger Hannes Riffel vom Carcosa Verlag zu. Ich nahm sie mit auf eine mehrtägige Fahrradtour durch das Münsterland und tauchte nach den Tagesetappen in ein zukünftiges Vancouver Island ein, zerstört vom menschengemachten Klimawandel. Jede Geschichte hat einen eigenen Plot, jedoch bauen sie inhaltlich aufeinander auf. Erzählt wird von Überlebenden der Klimakatastrophe, die sich mit Kreativität, Mut und  Lebenswillen der Hitze, dem Regen, der Erosion und dem Verfall entgegenstellen. Und etwas Neues erschaffen: ein Leben im Einklang mit der Natur. Nicht umsonst wurde der Anthologie der „Ursula K. Le Guin Preis“ verleihen. Ein Preis, der Literatur von Autor:innen würdigt, die „Alternativen zu unserer heutigen Lebensweise sehen, [..] und sogar echte Gründe für Hoffnung erkennen können.“ Platz 3 meiner persönlichen Bestenliste 2025 geht an zwei Werke aus dem Carcosa-Verlag, an die „Dex und Helmling“ Dilogie von Becky Chambers und an „Arborealität“ von Rebecca Campbell.

Ein Ausblick auf das Bücherjahr 2026

Es gibt zwei Bücher, auf die ich mich ganz besonders freue und die parallel zur Leipziger Buchmesse 2026 erscheinen. Wer meine Lesevorlieben etwas länger kennt, weiß vielleicht, dass ich Bücher von Oliver Plaschka besonders gern lese. Allerdings liegt die Veröffentlichung seines letzten eigenen Buchs „Der Wächter der Winde“ bereits über fünf Jahre zurück. Am 14. März 2026  erscheint mit „Die Geister von La Spezia“ bei der Hobbit Presse Oliver Plaschkas neuer Roman über Mary Shelley. Ich freue mich sehr auf diesen Mix aus Historienroman, Fantasy und Krimi in einer Geschichte um den mysteriösen Tod von Mary Shelleys Ehemann, dem Dichter Percy Bysshe Shelley.

Und endlich. Der britische Autor Philip Pullman beendet mit „Das Feld der Rosen“ die „His Dark Materials“ Buchreihe, eine meiner Lieblingsserien, die ich seit Anfang des Jahrtausends verfolge. Dabei galt die Reihe ursprünglich nach dem dritten Band „Das Bernsteinteleskop“ (ET deutschsprachige Ausgabe: 2000)  als beendet. Siebzehn Jahre später erschien in Deutschland Band 0, das Prequel zur Serie „Über den wilden Fluss“, und 2019 schließlich Band 4 „Ans andere Ende der Welt“. Obschon dieser vierte Band der Reihe erwachsener und atmosphärisch deutlich düsterer daherkam als die Bände 1-3, brachte er das ursprüngliche „His Dark Materials“- Flair zurück. Über fünf Jahre hinweg konnte ich kaum das Finale der „His Dark Materials“ Saga erwarten.

Ein paar Cons und Buchmessen habe ich für 2026 eingeplant, auf die ich mich schon sehr freue. Die Leipziger Buchmesse 2026 ist natürlich Vergnügen und Pflicht. Anfang Juli findet in Berlin die EuroCon (als Metropol Con gestartet) statt und Becky Chambers wurde angekündigt, die ich liebend gern einmal „live“ erleben möchte. Vielleicht schaue ich auf der KrähenFee-Con auf Burg Linn wieder vorbei und ganz bestimmt werde ich 2026 auf der BuCon in Dreieich zu finden sein, die ich 2025 ausließ.

Was auch geschehen mag im Jahr 2026, die Literatur und die wunderbaren Buchmenschen drumherum werden ein Wohlfühlort für mich sein.

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