Wiener Fenstersturz

Gerne würde Max Mitschek in aller Ruhe einen Refosco genießen, doch zumindest tagsüber muss der Rotwein warten, denn es gilt einen neuen Fall zu lösen. Im Kaufhaus Herzmansky, neben dem Gerngross das größte in Wien, stürzte Fritz Pospischil aus einem Fenster im zweiten Stock. Schnell gerät der neue Kaufhausdetektiv Ferdl Schimek in Verdacht, hierbei nachgeholfen zu haben, zumal dieser für den windigen Waffenhändler Bernulli arbeitet. Bernulli führt in Wien ein Sicherheitsunternehmen, gleichzeitig verschiebt er Waffen für den in Triest ansässigen Mafiosi Don Riccardo. Die Folgen des Ersten Weltkrieges und damit einhergehende Verbote lassen die illegalen Geschäfte blühen.
War der Sturz des Prospischil nun ein Mord oder ein Arbeitsunfall? Während Mitschek in Wien ermittelt, wird der Druck aus Triest größer. Und dann wäre da noch ein verhinderter Opernsänger, der sich mit schmalzigen Liedern seinen kargen Lebensunterhalt verdient und sich aus unterschiedlichen Gründen gleich in zwei Frauen verliebt. Ein letaler Fehler.
Dritter Fall für Max Mitschek
Nach „Mord im Lainzer Tiergarten“ und „Abgründe am Semmering“ ermittelt Max Mitschek bereits zum dritten Mal und dies in gewohnter Manier. Beppo Beyerl erzählt im Plauderton und bindet den Leser ein. „Wir folgen …“ ist so eine typische Formulierung, die nicht weiter tragisch wäre, würde nicht gelegentlich ein wenig zu viel vorweggenommen. Beispielsweise, wenn erwähnt wird, wen es als nächsten erwischt.
Gleich drei „Fälle“ werden miteinander verbunden. Der Fenstersturz des Pospischil, das Wirken des Bernulli und das tragisch endende Liebesleben des erfolglosen Sängers. Dabei verschwindet Mitschek gerne über viele Seiten gänzlich aus der Handlung, dessen kriminalistische Arbeit ohnehin zu wünschen übriglässt. Aber was soll er auch machen, wenn seine Vorgesetzten entscheiden, in einem Fall die Ermittlungen einfach einzustellen. Dies und der Umstand, dass es nur wenige nennenswerte Überraschungen für den Leser gibt, da er fast immer aktuell an den Ereignissen teilnimmt, sorgen dafür, dass weitgehend jenes Element fehlt, welches einen Krimi normalerweise auszeichnet: Spannung.
Der Erzählstil ist – man gewöhnt sich daran – unterhaltsam, vor allem, wenn Bürodiener Schimany in seinen Dialekt verfällt. Die politische Situation in Österreich, das Erstarken der Hakenkreuzler, die vor allem den jüdischen Händlern auf dem Naschmarkt zusetzen sowie die Beziehungen rechtsnationaler Kräfte zu den Nachbarländern, werden beleuchtet. Zudem gibt es einige historisch interessante Informationen zur Wiener Stadtgeschichte, teils in Fußnoten, denen man durchaus Beachtung schenken sollte. Für den gemütlichen Teil sorgen die „Eiserne Zeit“ auf dem Naschmarkt, einige Gläser Bier sowie der eingangs erwähnte Refosco. Zum Wohl.
- Autor: Beppo Beyerl
- Titel: Mord in der Mariahilfer Straße
- Verlag: Gmeiner
- Umfang: 288 Seiten
- Einband: Taschenbuch
- Erschienen: April 2026
- ISBN: 978-3-8392-8068-3
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Wertung: 9/15 dpt







