Kleine Verlage, große Bücher – Hannes Riffel stellt den Carcosa-Verlag vor

Ihr seid gelangweilt vom gefühlt immer gleichen Mainstream-Sortiment großer Publikumsverlage? Unsere neue Kolumne „Kleine Verlage – große Bücher“ bietet einen interessanten Blick in die Sortimente und die Arbeit unabhängiger Kleinverlage. Im ersten Artikel möchten wir euch einen Ein-Mann-Verlag vorstellen, den Carcosa-Verlag. Carcosa verschreibt sich gehaltvoller Literatur mit Anspruch, vornehmlich aber nicht ausschließlich aus dem Bereich der Phantastik. Der Carcosa-Verlag gehört als Imprint zum Memoranda-Verlag und wird von Hannes Riffel betrieben. Wie es zur Gründung dieses Verlags kam, welche Bücher und Autor:innen sie ins Programm aufnehmen und wie die Perspektiven für das Verlagsprojekt aussehen, erzählt Hannes Riffel im Interview.

Hannes Riffel Verleihung Deutscher Verlagspreis 2024 © Sünje Redies
Hannes Riffel, Verleihung Deutscher Verlagspreis 2024 © Sünje Redies

Booknerds: Hallo Hannes, schön, dass ich mit dir und dem Carcosa-Verlag die neue Booknerds-Kolumne „Kleine Verlage – große Bücher“ starten darf. Stelle dich zu Anfang bitte ein wenig vor. Du bist schon lange im Literaturbetrieb, unter anderem als Lektor, Übersetzer und im Verlagswesen tätig. Was waren deine prägendsten beruflichen Stationen? Und was machst Du derzeit?

Hannes Riffel: Ich bin gelernter Verlagsbuchhändler. Das Berufsbild gibt es heute nicht mehr, es entspricht den heutigen Medien-Kaufleuten. Ich bin in Freiburg aufgewachsen und habe dort beim Herder Verlag meine Ausbildung angefangen. Noch in Freiburg gründete ich eine Buchhandlung und wanderte mit einem Teil dieser Buchhandlung nach Berlin aus. Heute kennt man sie als das „Otherland“ in Berlin-Kreuzberg. Ich habe sie an die ehemalige Belegschaft verkauft. Ich finde unglaublich gut und bin stolz auf das, was die jetzigen Betreiber aus dem Laden gemacht haben.

Neben dem Studium begann ich für Verlage wie Bastei-Lübbe, den Argument-Verlag in Hamburg, sowie für Piper und Heyne zu übersetzen. Eine Weile betreute ich das Programm der Hobbit Presse bei Klett Cotta. Zwischendurch gründete ich gemeinsam mit Hardy Kettlitz ein kleines eigenes Verlagsprojekt namens Golkonda, und schließlich war ich bis vor ein paar Jahren Programmleiter für Phantastik bei Fischer in Berlin. Nachdem es bei Fischer nicht mehr so weiterging, wie ich mir das vorstellte, stand ich vor der Frage: Was machst Du jetzt?

Dass ich weiterhin als freier Übersetzer tätig sein würde, war immer klar. Übersetzen ist mir sehr wichtig, und ich brauche die Arbeit finanziell. Andererseits wollte ich es noch einmal mit einem kleinen Verlag versuchen, und es gab dafür bereits konkrete Projekte. „Always coming home“ von Ursula K. Le Guin versuchte ich schon länger irgendwo als deutschsprachige Ausgabe unterzubringen, doch dafür fand sich einfach kein Verlag. Ebenso wenig wie für „Jerusalem“ von Alan Moore. Diese beiden Großprojekte wurden das Fundament für den neuen Verlag und für weitere Werke, die dazu passten.

Ursula K. Le Guin - Immer nach Hause © Carcosa Verlag
Immer nach Hause © Carcosa Verlag

Booknerds: Nach deiner Zeit beim Golkonda Verlag hast Du bei Fischer, einem Publikumsverlag, gearbeitet und jetzt bist Du zum Kleinverlag zurückgekehrt. Liegen dir die „Kleinen“ eher? Inwiefern unterscheiden sich die Möglichkeiten und die Arbeit bei einem großen oder kleinen Verlag?

Hannes Riffel: Bei Fischer wollten sie damals ein Phantastik-Imprint aus der Taufe heben. Der damalige Verleger Jörg Bong machte mir das klassische Angebot, zu dem man nicht „Nein“ sagen konnte. Es hieß: eigenes Büro in Berlin (Fischer hat seinen Hauptsitz in Frankfurt), eigene Mitarbeiter:innen, die ich mir selbst aussuchen konnte, und relative Freiheit bei der Programmwahl. Wobei bei großen Publikumsverlagen berechtigterweise die Einschränkung gilt, dass das Programm sich rechnen muss. Die Bedingungen, unter denen man bei einem solchen Verlag arbeitet, sind ausgezeichnet. Das gilt für die Arbeitsplätze, das feste Gehalt und das gesamte Umfeld. Dem gegenüber müssen allerdings entsprechende Zahlen stehen. Es hat sich herausgestellt, dass Projekte, für die ich mich wirklich begeistere, nur bedingt für große Zahlen geeignet sind. Wobei ich Projekte betreute, die nicht unbedingt typisch für solche Verlage sind, wie zum Beispiel die große Lovecraft-Ausgabe in neuer Übersetzung und mit Kommentierung. Ein weiteres Beispiel ist die neu übersetzte und illustrierte „Erdsee“-Ausgaben von Le Guin. Insgesamt haben die Neuübersetzungen der Werke von Le Guin, die Fischer ins Programm nahm, gut funktioniert. Ich habe allerdings gemerkt, dass ich diese Erwartung in der Breite nicht leisten kann, und schließlich war auch die Unterstützung aus Frankfurt nicht mehr so, wie ich sie mir wünschte. Es geht mir nicht um Vorwürfe. Man muss nur für sich selbst überlegen, ob man weiterhin Bücher herausbringen möchte, für die man sich nur bedingt begeistert.

Carcosa ist kein Kleinverlag, sondern ein Ein-Mann Betrieb. Der besteht aus mir und dem Umfeld um Hardy Kettlitz in Berlin, mit dem ich früher auch schon bei Golkonda zusammengearbeitet habe. Hardy war immer für Produktion und Vertrieb zuständig. Den Vertrieb haben wir inzwischen an eine größere Auslieferung abgegeben, was uns sehr guttut, weil wir dadurch mehr Präsenz im Handel haben. Hardy ist mein Gesprächspartner bei der Auswahl des Programms. Er erzählt mir, was er bei Memoranda herausbringen möchte, und macht es so, wenn ich nichts dagegen sage. Umgekehrt ist es bei Carcosa genauso. Carcosa bringt die Werke internationaler Autoren und Autorinnen in Übersetzungen heraus und Memoranda Sachbücher und Bücher deutschsprachiger Autor:innen.

Booknerds: Was sind eure literarischen Schwerpunkte bei Carcosa? Wie wählt ihr Werke und Autor:innen aus?

Hannes Riffel: Ich komme jetzt einmal mit einem Wort daher, das man in der kommerziellen Verlagsszene nicht so gerne hört: Anspruch. Ich möchte mich einfach nicht langweilen. Wenn ich ein Buch herausbringe, heißt das: Ich lese es im Original, ich übersetze es selbst oder lektoriere die Übersetzung und lese die Fahnen noch einmal. Ich beschäftige mich also drei Mal intensiv mit dem Buch, und dann soll es schon etwas Besonderes sein, damit es nicht irgendwann nervt. Deswegen treffe ich die Auswahl so, dass ich bei mehrmaligem Lesen noch etwas Neues entdecke. Das Programm ist nicht auf bestimmte Themen festgelegt. Es können die Pulp-Abenteuer von Leigh Brackett sein, die erstaunlich gut gealtert sind. Vor allem sind es aber Autor:innen auf einem Niveau von Joanna Russ und Ursula K. Le Guin. Alan Moore ist bei mir gelandet, weil ich „Jerusalem“ herausgebracht habe, jetzt bleibt er mir treu. Dazu durfte ich schon drei Bücher mit Becky Chambers realisieren, was mich sehr freut. Sie gehört zweifellos zu den größeren Namen. Du wirst Deinen Leserinnen und Lesern bestimmt sagen, dass Becky Chambers zur MetropolCon im Juli 2026 nach Berlin kommt?

Samuel R. Delany - Babel-17 © Carcosa Verlag
Babel-17 © Carcosa Verlag

Booknerds: Aber natürlich habe ich Becky Chambers Besuch in Berlin auf dem Schirm und erzähle es gern. Becky Chambers ist für mich der wichtigste Grund, warum ich bei der MetropolCon dabei sein möchte.

Mir fällt auf, dass ihr zum Teil auch eher unbekannte Autoren und Autorinnen im Programm habt, die eine Reihe von Auszeichnungen für ihre Werke mitbringen. Zum Beispiel ist Rebecca Campbell mit dem Ursula K. Le Guin Preis ausgezeichnet worden und Nicola Griffith mit Lamda-, Nebula-Award und Word-Fantasy Award. Beide Autorinnen habe ich durch euer Programm kennengelernt. Ist es ein Anliegen des Carcosa-Verlags, die Werke guter und nicht so bekannter Phantastik Autor:innen in Deutschland vorzustellen?

Hannes Riffel: Grundsätzlich habe ich die Befürchtung, dass ein Programm von jemanden wie mir, der offensichtlich keine 30 mehr ist, von Nostalgie und einer entsprechenden Leseerfahrung geprägt ist. Eine solche Entwicklung möchte ich bewusst hintertreiben. Deswegen haben wir die kleine Hardcover-Reihe aus der Taufe gehoben. Einerseits geht es mir darum, kleine schöne Bücher zu machen, die wertig sind. Sie sind fadengeheftet und mit Lesebändchen ausgestattet. Man kann sie also überall mitnehmen, ohne dass sie kaputt gehen. Es sind junge, unkonventionelle Autorinnen in dieser Reihe, als nicht binäre Autorx ist Karen Tidbeck dabei. Chambers Bücher haben mir die Chance gegeben, sie zu verlegen. Bisher rechnet sich das Projekt nur für die Becky Chambers Bücher. Aber ich möchte, dass der Verlag auch neue Autor:innen entdeckt und zeigt. Nicola Griffith ist zum Beispiel eine meiner persönlichen Lieblingsautorinnen. Ich finde sie außergewöhnlich. Sie hat zwei große Science-Fiction-Romane geschrieben, die sich mit Le Guin messen lassen können. Sie hat auch zwei große historische Romane geschrieben, die ich leider nicht stemmen kann. Sonst würde ich die sehr gerne in Deutsch herausbringen. Was jetzt bei Carcosa von ihr herauskommt, ist „Speer“, ein feministischer Artos-Roman als erstes von drei Büchern, die ich eingekauft habe. Der zweite Roman wird ein Mainstream-Roman zu einem ganz besonderen Thema, das mir am Herzen liegt. Und der dritte Roman wird ihre preisgekrönte Autobiographie sein. Ich finde sie so toll, dass ich es mir einfach leisten möchte, sie zu präsentieren. In der Hoffnung, dass wir wirtschaftlich bei plus minus Null landen und sie ein paar neue Leser:innen gewinnt. 

Nicola Griffith - Speer © Carcosa Verlag
Speer © Carcosa Verlag

Booknerds: Ich möchte noch einmal auf „Immer nach Hause“ von Ursula K. Le Guin zu sprechen kommen. Ihr habt die deutschsprachige Übersetzung herausgebracht.  Wie ist es dazu gekommen? Um die Rechte für eines der letzten Werke von einer der wichtigsten Phantastik-Schriftstellerinnen überhaupt müssen sich die Verlage doch gerissen haben. Oder war das Interesse in der deutschen Verlagslandschaft nicht da?

Hannes Riffel: Die große Erfolgszeit von Le Guin in Deutschland waren die 80er und frühen 90er Jahre. Ihre Bücher wurden bei Heyne in für die Zeit ordentlichen Übersetzungen herausgebracht. Ich hatte das Glück, dass ich bei Fischer zeitgemäße Neuübersetzungen von ihren Hauptwerken auf den Weg bringen konnte. Irgendwann habe ich auf der Buchmesse Frankfurt ihren Sohn Theo kennengelernt, der die Erben vertritt und mit großer Liebe und viel Fingerspitzengefühl dafür sorgt, dass das Werk seiner Mutter international präsentiert wird. An „Always coming home“ hat sich schlicht niemand herangetraut. Eine lustige Anekdote ist, dass Helmut W. Pesch (Übersetzer und bekannter Tolkien-Experte-Anm. d. Redaktion) und Karen Nölle (sie übersetzte die Le Guin Neuauflagen bei Fischer- Anm. d. Redaktion) unabhängig voneinander bei den Verlagen Klinken geputzt und angefragt haben, ob sie „Always coming home“ übersetzen könnten. Aber die Verlage trauten sich nicht heran.

Es ist kein konventioneller Roman. Wir haben zwar Roman auf das Cover geschrieben, aber das ist ein Stück weit eine Mogelpackung. Man konnte ja nicht „hier ist alles drin“ darauf schreiben, obwohl es tatsächlich so ist. Das Buch ist nicht schwierig zu lesen. Aber es hält den gängigen Erwartungen des Marktes nicht stand. Man sollte sich einfach darauf einlassen, und jede und jeder findet Texte, die begeistern werden, andere vielleicht nicht. „Immer nach Hause“ ist eine Wunderkiste. Was Ursula K. Le Guin über die Welt aussagt und über unseren Umgang mit ihr, ist ein politisches Manifest. Aber diese Botschaft drängt sich nicht auf, vielmehr sind es unvergleichliche und einzigartige Texte. Diese Herangehensweise von Ursula K. Le Guin an die Realität verbreitet sich im Moment. Politische  Gruppierungen versuchen nach ihren Ideen zu leben oder diskutieren, was sie ausdrücken wollte. Helmut W. Pesch, Karen Nölle und Matthias Fersterer, der das Buch gern in seinem kleinen Verlag herausbringen wollte, haben für das Projekt zusammengefunden. Dank eines Übersetzerstipendiums hat dies finanziell funktioniert, und Denis Scheck hat das Buch in die Kamera gehalten. Es war großartig, hier hatten wir das Glück der Tüchtigen. Und nachdem wir gesehen haben, dass so etwas geht, nahmen wir uns gleich den nächsten Le Guin Band vor und brachten eine stark überarbeitete, neu übersetzte Ausgabe von „Die Geißel des Himmels“ heraus. Inzwischen habe ich drei weitere Bücher in Planung. Es sind nicht alles neue Sachen, aber zum Teil. Ich werde weiter an Le Guin dranbleiben.

Booknerds: Das Cover-Design für die Bücher des Carcosa-Verlags ist auffällig anders und schön und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Wie gestaltet ihr diese hochwertigen Cover?

Hannes Riffel: Hier hatte ich das Glück, dass Susanne Beneš, aka benSwerk sich bereit erklärte, mit uns zusammenzuarbeiten. Sie hat einen ganz eigenen Blick und Stil. Als kleiner Verlag mit wenig Budget braucht man einfach Cover mit Wiedererkennungswert. Mir schwebte so etwas wie die Phantastik bei Suhrkamp vor, die auch heute noch mit ihrem rosa/lila Design in jedem Antiquariat auffallen. Oder so etwas wie die roten Salto-Bände aus dem Wagenbach-Verlag. Solche Bücher werden manchmal in Buchhandlungen separat gestellt, und das erhoffte ich mir für meine Bücher.

Ben hat mir einen Entwurf vom Cover des ersten Joanna Russ Bands geschickt. Ich fand es auf Anhieb super. Uns war allerdings sofort klar, dass es schwer sein wird, etwas Bestimmtes zu finden, dass zu jedem Buch passt. Ideen mit Gebäuden, Landschaften und Bäumen waren schnell aufgebraucht. Mein Lieblingscover aus der Reihe ist übrigens das von „Babel 17“ von Samuel R. Delany. Das Cover mit der Satellitenschüssel und dem Vogel als Titelbild war eines der schwierigsten. Ben hat einfach Wahnsinnsideen. Wir werden bei dieser Wiedererkennbarkeit auch im Hinblick auf die Typografie und des Standes der Schrift bleiben. Sammler wollen die Bücher ins Regal stellen, und es soll hübsch aussehen. Wir spielen ein bisschen, wie man bereits an den kleinen Hardcover-Büchern mit Bildern in Mandala-Optik sieht. Auch der erste Alan Moore Band der „Long London“ Serie „Das Große Wenn“ ist etwas anders gestaltet, passt aber immer noch in die Serie. Wir nutzen den Spielraum auch bei der Gestaltung der „Grüne Erde“-Bücher von Kim Stanley Robinson. Die drei Bücher werden im Halbjahresrhythmus kommen, und es gibt bereits die Titelbilder. Die hat Ben einfach umwerfend gestaltet. Ich erläutere für das Coverdesign nur, was im Buch vorkommt. Gerade arbeitet sie am Cover zum zweiten „Long London“ Band von Alan Moore, und ich habe ihr dafür eine Textpassage aus dem ersten Band mit Beschreibungen geschickt. Was genau auf das Cover kommt, ist ihre Sache, und darüber bin ich glücklich und dankbar.

Booknerds: Wie schätzt du die Zukunft kleiner Phantastik-Verlage ein? Du sagtest zu Anfang des Gesprächs, dass du dein Leben mit Übersetzungen finanzierst. Trotzdem entstehen Dir zusätzliche Kosten. Wie finanzierst du deinen Verlag?

Kim Stanley Robinson - Die vierzig Sprachen des Regens (Grüne Erde 1) ©Carcosa Verlag
Die vierzig Sprachen des Regens © Carcosa Verlag

Hannes Riffel: Bevor ich mit Carcosa anfing, habe ich etwas Geld auf die Seite gelegt. Ich hatte ein Fundament und bin nicht mit vollem Risiko gestartet. Bevor wir die Auslieferung wechselten, habe ich unter die Bilanzen einmal einen Strich gezogen und geschaut, wie sich zweieinhalb Jahre und fünf Programme gerechnet haben. Hardy Kettlitz und ich haben festgestellt, dass das Geld, das in Autor:innen-Rechte, Übersetzungen, Cover-Design, Druckkosten (der höchste Posten) und Vertriebskosten investiert wurde, wieder hereingekommen ist. Zu dem Geld, das ich am Anfang hineingesteckt hatte, musste ich kein weiteres zuschießen. Das ist grundsätzlich noch möglich, wenn ich größere Projekte angehen möchte. Aber in dem Moment, wo ich komplett vom Verlag leben möchte, geht das Schiff unter.

Die Übersetzer:innenhonorare, die ich zahle, sind im Durchschnitt  auf der gleichen Höhe, wie von Verlagen wie Heyne. So gut wie Fischer oder Rowohlt kann ich nicht zahlen, aber das erwartet auch niemand. Außer dann, wenn die Übersetzungen gefördert werden, dann zahle ich natürlich mehr. Ich bin relativ entspannt und plane immer zwei Jahre in die Zukunft. Wir arbeiten gerade auf einem hohen Niveau mit fünf Titeln pro Halbjahr. Im nächsten Jahr werden wir mit einer Krimi-Reihe starten, einfach weil ich wieder Joe R. Lansdale anbieten möchte. Der wird Umsatz bringen, und ich habe einfach sehr viel Spaß an seinen Büchern. Wir werden schauen, was noch dazu passt. Insgesamt muss man aufpassen, dass das Arbeitspensum nicht zu viel wird. Viele Leute hören auf, weil einfach die Kraft nicht mehr reicht. Bei mir spielt vielleicht die Zeit bei Fischer eine Rolle. Nicht, dass ich dort weniger gearbeitet hätte. Aber es ist doch etwas anderes, wenn man geregelten Urlaub hat und auf ein festes Gehalt zählen kann.

Booknerds: Habt ihr nicht auch ein Crowd-Funding Programm?

Hannes Riffel: Genau. Uns kann man dauerhaft unterstützen. Auf unserer Homepage findet man den Zugang zu einer kleinen Crowdfunding-Plattform. Wir sind dankbar für 5 oder 15 Euro im Monat. Eine wichtige Rolle spielen auch private Unterstützer oder Förderprogramme, wie das für die Le Guin Übersetzung. Auch dafür bin ich sehr dankbar. Ohne Förderung wäre „Immer nach Hause“  nicht möglich gewesen.

Booknerds: Kannst Du mir einen kleinen Ausblick geben, welche Phantastik-Highlights bei Carcosa in den nächsten Jahren erscheinen werden? Vielleicht ein paar persönliche Empfehlungen von Büchern, auf die du dich besonders freust?

Hannes Riffel: Ich sitze gerade an der Übersetzung des zweiten Bands von Alan Moore. Gerade die Alan Moore Comic-Leser haben immer ein wenig Respekt vor dem Prosa-Schriftsteller Moore. Es muss nicht gleich „Jerusalem“ mit 2000 Manuskriptseiten sein. Diese „Long London“ Reihe ist einfach wahnsinnig klug und lustig, hat einen Cliffhanger nach dem anderen. Er zeigt, was er erzählerisch drauf hat, und das finde ich wirklich gut. Auf die Kim Stanley Robinson-Trilogie bin ich sehr stolz, die Übersetzung von Barbara Slawig ist wirklich ausgezeichnet. Auf unserer Webseite kann man jetzt schon unter dem Stichwort „Grüne Erde“ kostenlos in das Buch hineinlesen. Alle zwei Wochen stellen wir ein neues Kapitel ein. Und ich freue mich sehr darauf, dass ab Dezember Ray Bradbury bei uns erscheint. Es wird für „Löwenzahnwein“ eine Neuübersetzung geben. Und einen zweiten Band mit Texten, die zum gleichen Ortshintergrund gehören, die es aber bisher noch nicht auf Deutsch gibt. Des Weiteren schaue ich, ob ich noch neuere Autor:innen finde, und bekomme hin und wieder E-Mails mit Hinweisen. Dafür bin ich immer dankbar.

Booknerds: Du sagtest ja, dass du auf der Buchmesse in Leipzig nicht sein wirst. Sehe ich dich dafür im Juli in Berlin auf der MetropolCon?

Hannes Riffel: Wir haben auf jeden Fall einen Stand auf der MetropolCon, bin mit dem Verlag bei mehreren Veranstaltungen dabei und freue mich sehr darauf. Wir haben gleich zwei Ehrengäst:innen, neben Becky Chambers noch Aiki Mira. Von Aiki ist bei uns gerade der Sammelband „Deshalb kann ich nicht fort“ mit ihren Erzählungen aus dem Jahren 2021 bis 2024 erschienen. Alle preisgekrönten Texte sind hier ein einem Band vereint.

Booknerds: Danke, Hannes, für die spannenden Einblicke in deine Arbeit, in Perspektiven und Werke des Carcosa-Verlags. Ich freue mich sehr auf weitere schöne Bücher aus Eurem Programm, von denen wir bestimmt einige auf Booknerds.de vorstellen werden. 

Hannes Riffel: Liebe Leser:innen, schaut gern einmal auf die Webseite des Carcosa-Verlags.

Das Interview für Booknerds.de führte Eva Bergschneider am 6. März 2026 per Video-Call.

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