Keine Erholung im vornehmen Kurort

Major von Marun arbeitet inzwischen als Privatdetektiv und übernimmt einen Fall, der ihm von Staatsanwalt von Bucher angetragen wird. Dessen Freund, der Industrielle Georg von Besecke hat einen anonymen Brief erhalten, wonach dessen deutlich jüngere Gemahlin Suzanne ihm untreu und lediglich auf sein Vermögen aus sei. Fünf Jahre zuvor war Suzanne mit Herbert von Trebnitz verlobt, der sich nach einem Streit erschoss. Danach fehlten zehntausend Taler. Die schwangere Suzanne reist nach Karlsbad, um sich in dem mondänen Kurort zu erholen. Marun soll sie beobachten und herausfinden, was es mit den Anschuldigungen auf sich hat sowie womöglich noch Hinweise auf jenes Geschehen von vor fünf Jahren finden.
In Karlsbad angekommen stellt Marun fest, dass Suzanne von ihrem Onkel Ludger von Gierke und dessen Sohn Hatto massiv bedrängt wird, da beide chronisch Geldsorgen haben. Derweil halten sich drei Honduraner in Karlsbad auf, um Geld für eine Revolution in ihrer Heimat zu sammeln. Darunter Manolo Higuain, der nach einem äußerst erträglichen Kartenspielabend, an dem auch Hatto teilnahm und dabei viel Geld verlor, auf seinem Heimweg erstochen und beraubt wird. Unmittelbar darauf, stolpert Suzanne beinahe über dessen Leiche. Marun, der wiederum Suzanne folgte, eilt ihr zur Hilfe und hat fortan einen Grund, sie zu begleiten und ihr seinen Schutz anzubieten, denn womöglich glaubt der Mörder ja, dass sie ihn erkannt haben könnte.
Iny Lorentz lässt grüßen
Hellmuth Klöckner ist eines von mehreren Pseudonymen des Autorenduos Iny Lorentz („Die Wanderhure“), das nicht nur Fans historischer Romane bekannt sein dürfte. Unter dem Pseudonym Klöckner liegt nach „Verrat in höchsten Kreisen“ nunmehr der zweite Fall für Major Dirk von Marun vor, der – anders als auf dem Buchrücken angegeben (dort ist das Jahr 1866 genannt) – im Jahr 1867 spielt respektive spielen muss, denn wiederholt heißt es im Roman „ein Jahr nach Königgrätz“, womit die Entscheidungsschlacht im Deutschen Krieg gemeint ist, welche sich am 3. Juli 1866 ereignete. Sei’s drum.
Auf Königgrätz wird Marun wegen seiner Beinverletzung mehrfach angesprochen, allerdings zog er sich diese bei der Erstürmung der Düppeler Schanzen 1864 zu, worauf im ersten Band eingegangen wird. Der Kuralltag gestaltet sich erwartungsgemäß routiniert bis eintönig. Es wird gefrühstückt, zum Strudel gegangen, wo das heilende Wasser in Trinktassen gefüllt wird, ausgeruht und entlang des Tepl (Tepla) flaniert. Da sich dieses Ritual täglich wiederholt, ergeben sich leichte Längen in der Handlung.
„Ehrenhaft ist es, im Feld den Feind zu töten, nicht aber, einen Mann, mit dem man gerade noch Karten gespielt hat, zu überfallen und umzubringen. Im ersten Fall kriegt man einen Orden, im zweiten die Bekanntschaft mit einer Guillotine.“
Der Krimiplot ist unterhaltsam und durchaus reizvoll, denn unter den vermeintlichen Revolutionären aus Mittelamerika befindet sich Estrella de Nera, der schwarze Stern, die mit ihrem ebenso hübschen wie fremdländischen Aussehen versucht, einflussreiche Männer als Unterstützer zu gewinnen. Diese sind jedoch eher an den lieblichen Reizen Estrellas interessiert und wollen – Franzosen wie Engländer – es sich nicht mit den Vereinigten Staaten verderben. So erhält man kleine Einblicke nicht nur in die politische Lage in Europa – ein wenig mehr Hintergrund wäre schön gewesen –, wenngleich natürlich die Geschehnisse in Karlsbad im Fokus stehen. Hier wechseln die Ereignisse zwischen Marun, Suzanne, deren Onkel und Neffen, den vermeintlichen Revolutionären sowie der Frage, wie dies womöglich alles mit dem Tod von Herbert von Trebnitz zusammenhängen könnte.
Kurzweilige, eher seichte Unterhaltung, die die Leser nach Karlsbad entführt, einen Ort, der zu jener Zeit als Teil Böhmens zur Österreichisch-Ungarischen Monarchie gehörte. Dass hier der aus Berlin stammende Preuße von Marun, nicht zuletzt wegen Königgrätz, mitunter schräg angesehen wird, versteht sich fast von selber. Immerhin lernt er schnell, dass eine Droschke ein Fiaker ist und auch sonst genießt er, fernab der kriminellen Ereignisse, seinen Aufenthalt an der Seite der schönen Suzanne.
- Autor: Hellmuth Klöckner
- Titel: Sie ist schuldig
- Verlag: Knaur
- Umfang: 320 Seiten
- Einband: Taschenbuch
- Erschienen: Mai 2026
- ISBN: 978-3-426-53051-1
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Wertung: 11/15 dpt







