Auf Booknerds.de gibt es inzwischen drei Artikel von mir über die Leipziger Buchmesse aus den Jahren 2015, 2024 und 2025. Auf phantastisch-lesen.com kommen weitere Artikel zur Leipziger Buchmesse aus verschiedenen Jahren dazu. Sie erzählen die in jedem Jahr etwas anderen Erlebnisse und Begegnungen. Doch vieles von dem, was ich immer wieder gern auf der LBM mache, findet sich in jedem dieser Artikel. In diesem Jahr soll der Buchmesse-Artikel etwas anders ausfallen. Ich schreibe ihn etliche Wochen danach, denn die LBM26 fand vom 19. – 22. März statt. Und konzentriere mich auf zwei Events, die ich zum ersten Mal besuchte und die sich als etwas Besonderes entpuppten.
Über das, was ich auf der Buchmesse unternehmen könnte, machte ich mir auf der Zugfahrt von Köln nach Leipzig Gedanken, checkte das Programm und markierte interessante Panels und Lesungen. In Leipzig angekommen, schmiss ich diese Planung komplett über den Haufen und folgte spontanen Eingebungen. Die erste dieser spontanen Eingebungen war ein Instagram Posting der Bücherfrauen, die zu einem geführten Messebummel am Freitag-Vormittag einluden. Wir trafen uns am Stand der Bücherfrauen in Halle 5 und besuchten fünf ganz unterschiedliche Stände: einen Vertrieb und vier Verlage.
Messetour mit den Bücherfrauen
Wir starteten mit Jessica Reitz am Stand der Vertreterei. Sie organisiert den Vertrieb verschiedener Verlage mit Schwerpunkten wie Kunst, Architektur, Kultur und Philosophie. Als besonders empfehlenswertes Buch stellte sie uns „Obdachlosigkeit – Warum sie mit uns allen zu tun hat“ von Matthias Drilling, Nora Locher, Esther Mühletaler und Jörg Dittmann vor.
Unser zweiter Besuch führte zu Julia Kulewatz von kul-ja publishing, einem Verlag der sich auf moderne Lyrik spezialisiert und 2025 mit dem Deutschen Verlagspreis ausgezeichnet wurde. Julia erzählte uns, dass Lyrik derzeit wieder mehr gelesen würde und sie mehr Bücher verkauft, als sie selbst erwartet hatte. Ein besonderes Augenmerk legt sie auf kunstvoll gestaltete Cover und Illustrationen. Ein Blick in die Bände „O Nyx – Nachgedichte“ und „Nereiden reden nicht: Tiefseegedichte“ zeigte uns eindrucksvoll, wie kraft- und fantasievoll moderne Lyrik sein kann.
Nikola Richter stellte an der nächsten Station ihren Verlag mikrotext vor und erzählte von ihrer Suche nach neuen Formaten in der Literatur. Von dem syrischen Autor Aboud Saeed, der mit seinen in Buchform verarbeiteten Statusmeldungen „Der klügste Mensch im Facebook, Statusmeldungen aus Syrien“ bekannt wurde, veröffentlichte nun „Die ganze Geschichte“. Die zweisprachige Textsammlung in Deutsch und Arabisch stellt seine äußere und innere Übersiedlung nach Deutschland vor. Aus dem kommenden Programm für den Herbst 2026 stellte uns Nikola „Dann eben Plan B“ von Katia Tangian vor. Mit der aus Russland stammenden Autorin konnten wir persönlich am Stand sprechen. Ihr Buch erzählt aus ihrer Kindheit der 1980er Jahre in der Sowjetunion, von Spielen wie „Russen gegen Nazis“, vom Suchen und Finden von Abenteuern und unterlaufen der elterlichen und gesellschaftlichen Regeln.
Der Inuit-Verlag bringt Literatur aus Grönland in deutscher Sprache heraus und bringt uns somit die Historie und Kultur der nordatlantisch/arktischen Insel Grönland näher, die zuletzt unfreiwillig Schlagzeilen machte. US-Präsident Trump droht immer wieder damit, die autonome und zu Dänemark gehörende Insel zu annektieren. Die Grönländerin Laali Lyberth leitet den Verlag und lebt mit ihrer Familie in der Vulkaneifel. Sie stellte uns das Kinderbuch „Sila – Eine grönländische Fabel über die Liebe und das Schmelzen des Eises“ von Lana Hansen vor, mit Illustrationen von Georg Olsen. Das Buch verbindet grönländische Mythologie mit den sehr präsenten Auswirkungen des Klimawandels. Wir warfen außerdem einen Blick in „Bestiarium Groenlandicum – Die mythischen Wesen Grönlands“, herausgegeben von Maria Bach Kreutzmann. Es ist ein Buch über die mythologischen Wesen aus Überlieferungen der Inuit, illustriert von Künstlern aus Grönland. Das „Bestiarium Groenlandicum“ stelle ich auf Booknerds in einer kommenden Rezension vor.
Den Abschluss dieser Runde war der Stopp beim Non-Profit Comic Verlag Polly. Der saarländische Verlag fördert Nachwuchstalente und gibt ihnen die Chance zu einer Veröffentlichung. Ohne, dass sie an ihren Werken Geld verdienen. Wir sprachen mit Dorothee Schwingel und Autorin Manon Scharstein, die bei Polly „Alles Nix Neues“ veröffentlichte. Darin enthalten sind 18 Kurzgeschichten zum Thema Gleichberechtigung der Geschlechter aus einer persönlichen Perspektive, untermalt mit passenden Illustrationen.
Nach über zwei Stunden ging ein überaus interessanter Walk zu unabhängigen Verlagen zu Ende. Viele Eindrücke darüber, wie vielfältig sich Kunst und Literatur vor allem in kleineren Verlagen präsentieren nahm ich mit. Und hatte viel Spaß mit den Bücherfrauen und tollen Büchermenschen, die auf dieser Tour dabei waren.
Ein Speeddating für Bloger:innen mit Autor:innen im Bl:oom
Meine langjährigen Messe-Buddies Tom und Stephan Orgel hatte ich länger nicht gesehen und freute mich, dass sich am Messe-Samstag die Gelegenheit für ein Treffen ergab. Zunächst trafen wir uns in der PAN-Lounge zum Quatschen. Doch da Tom und Stephan in diesem Jahr mit ihrer Buchveröffentlichung „Deadly ever after“ auf die Messe gekommen waren, hatten sie Termine. Der erste war ein Blogger:innen Speeddating und ich begleitete sie kurzentschlossen ins Bl:oom, dem BloggerRoom der Leipziger Buchmesse. Veranstaltet wurde es von der Agentur Ehrlich & Anders und insgesamt acht Autor:innen stellten sieben Bücher vor. Tom und Stephan schreiben ja gemeinsam. Sonst kannte ich keine der teilnehmenden Autorinnen und Bücher. Die Blogger:innen verteilten sich an die bereitgestellten sieben Tischgruppen, auf denen die Veranstaltenden zur Inspiration Zettel mit möglichen Fragen vorbereitet hatten. Und dann ging es los. Jede Autorin, beziehungsweise zwei Autoren, nahmen an einer Tischgruppe Platz und stellten innerhalb von fünf Minuten ihr Buch vor und beantworteten Fragen. Nach fünf Minuten war die Runde beendet und Autorinnen und Autoren zogen zur nächsten Tischgruppe weiter.
Wir trafen Annika Landsteiner, die ihr Buch „Träume aus Salz“ vorstellte. Es erzählt von einem jungen Paar, Flo und Matty, das im Traumurlaub in Griechenland von Flos Vergangenheit eingeholt wird, wodurch sich der Traum zum Albtraum entwickelt. Caren Benedikt stellte mit „Tosende See“ den finalen Band der „Grand Hotel Usedom“ Trilogie vor, einen Mix aus Historienroman, Krimi und Lovestory. Katja Angenent schrieb mit „Das Gutshaus im Nebel“ einen historischen Krimi, angesiedelt im späten 19. Jahrhundert. Die Autorin übertrug eine Idee aus einer Sherlock Holmes Geschichte ins Münsterland und in einen Mystery-Roman. Lisa Wölf stellte mit „Ein verlassenes Haus“ einen Roman vor, in dem die vierzigjährige Sonja aus ihrem Job ausbricht und sich neben ihrer Rolle als Mutter eine neue Identität aufbaut. Sie wird zu Jessica, die Geld in Dating-Chats verdient. Tom und Stephan Orgel stellten mit „Deadly ever after-Blut und Schnee“ ein düsteres Märchen vor, in dem viele bekannte Figuren so ganz anders auftreten, als man sie aus den Märchenklassikern kennt. Die weiße Kaiserin „Schneewitwe“ überzieht ihr Reich mit einem Krieg gegen die Magie und der Neffe des tapferen Schneiderleins tritt ihr entgegen. Sophia Kus Roman „Chasing our forever“ beruht auf einer wahren Geschichte, nämlich der Liebesgeschichte von Roxanne und Abdul. Im Buch treffen wir Riley und Zayn, eine westlich erzogene, moderne Frau und ein traditioneller Moslem aus Pakistan. Mit Liebe und Respekt füreinander begegnen sie den kulturellen Konflikten ihrer Beziehung – geraten jedoch an ein Geheimnis, das ihre Liebe zu zerstören droht. Last but not least stellte uns Tuvar Brø ihren Skandinavien-Krimi „Polarblut – Tödliches Leuchten“ vor. Darin ereignet sich in Tromsø ein brutaler Mord am einem Tourismusunternehmer. Die Ermittelnden Anta Thorsen und Hans Vigeland sehen sich bald mit weiteren Toten konfrontiert – und privaten Problemen aus der Vergangenheit.
Überraschung!

Nach der kurzweiligen und interessanten Runde, in der man trotz Zeitlimit viele Details zu den Büchern erfuhr und einen erstaunlich regen Austausch mit den Autor:innen hatte, gab es noch ein Gewinnspiel. Die Moderatorinnen kündigten an, dass eine der Teilnehmenden das gesamte Bücherpaket als Gewinn mitnehmen dürfe, wenn sie unter ihrem Stuhl ein Zettel mit Buch-Stickern befindet. Ausgerechnet unter meinem Stuhl klebte dieser Zettel. Ich war wirklich überrascht, geflasht und habe mich gefreut wie Bolle. Dieses Speeddating mit Autor:innen hat mich insgesamt positiv überraschte, weil es eine schöne Gelegenheit war, über den Tellerrand der eigenen Vorlieben zu schauen und ins Gespräch zu kommen. Mit dem fetten Gewinn wurde es zu etwas ganz Besonderem. Die Bücher wurden mir zugeschickt, sodass ich nicht vor dem Problem stand, wie ich sie von Leipzig nach Köln transportiert bekomme.
Und sonst?
Die Verleihung und Lesung zum SERAPH 2026 besuchte ich am Buchmesse-Freitag und erlebte mit, wie Nils Westerboer für „Lyneham“ den SERAPH für das Beste Buch gewann – aus meiner Sicht völlig verdient. Ich habe mich sehr gefreut, natürlich auch für die anderen Gewinner:innen.
Alle Gewinner:innen und prämierten Bücher im Überblick:
Bestes Debüt: „ Drachenseelensplitter – Demons within“ von Jenna T. Scriver,
Bester Indie-Titel: „Eine Blume aus Gift und Eisen“ von Yola Stahl,
in der neuen Kategorie Bestes Jugendbuch: „Lichterloh — Stadt unter Ruß“ von Sarah M. Kempen
Bestes Buch „Lyneham“ von Nils Westerboer.
Ein besonderes Highlight war für mich, dass auf der Langen Nacht der Phantastik nicht nur die SERAPH-Gewinner:innen lasen, sondern auch Oliver Plaschka aus seinem aktuellen Buch „Die Geister von La Spezia“. Die Textstelle vermittelte einen Einblick in die komplexe Geschichte um Mary Shelley und ihren unter mysteriösen Umständen verstorbenen Ehemann Percy Bysshe Shelley.
Die Hobbit Presse lud mich wieder zum Eolian Club In Noell’s Ballroom ein. Ich verbrachte einen wundervollen Abend mit geliebten Buchmenschen und nahm ein Exemplar von „Die Geister von La Spezia“ mit.
Auch alle hier nicht genannten Eindrücke, Begegnungen, Gespräche und Lesungen, die ich auf der Leipziger Buchmesse 2026 erleben durfte, sind mir mindestens genau so wichtig, wie die, worüber ich hier schrieb. Sie begleiten mich durch jeden Tag und erinnern mich daran, wie schön und vergnügt diese Tage in Leipzig wieder einmal waren. Das Hotel für die LBM 2027 ist schon gebucht.
Bis zum nächsten Jahr!












