Elena Tinten – Meereslicht (Buch)

Mit „Meereslicht“ hat Elena Tinten einen besonderen Fantasyroman veröffentlicht. Erschienen ist das Buch am 12, Oktober im Valmis-Verlag, einem Kleinverlag, der sich auf Fantasy, Steampunk und historische Romane spezialisiert hat. Bisher sind im Verlag sieben Bücher erschienen.

In Elena Tintens Geschichte begleiten wir Sirjena, ein junges Meermädchen, das gerade durch einen furchtbaren Schicksalsschlag alles verloren hat, was sie geliebt hat. Getrieben von Rache und einem Schwur, den sie geleistet hat, muss sie sich jedoch, um ihr Überleben zu sichern, mit dem Sohn ihres größten Feindes verbinden. Während sie sich bereits inmitten politischer Intrigen befindet, versucht sie herauszufinden, was wirklich passiert ist und vor allem, wem sie wirklich vertrauen kann.

Was den Roman vor allem anderen auszeichnet, ist, dass er komplett unter Wasser spielt. Wir befinden uns in einer maritimen Welt, angelehnt an die Ost- oder Nordsee, mit all seinen verschiedenen Bewohnern – von Feuerquallen, Seepocken und Seesternen (eine wahre Plage!) bis hin zu Riesenwasserschlangen. Aber auch fantastische Geschöpfe kommen nicht zu kurz: So gibt es zum Beispiel auch Seedrachen, genannt Draecen! Die Meermenschen wiederum sehen nicht so aus, wie wir sie uns üblicherweise vorstellen. Sie tragen keine Fischschwänze, sondern haben Beine und erinnern mich in ihrer Darstellung eher an die Mythen über Seebischöfe als an Arielle. Dafür leben sie in Städten, die mich sehr an Atlantis erinnert haben.

Das Buch lebt von den Beschreibungen dieser Unterwasserwelt, die Elena Tinten wunderschön atmosphärisch, bildhaft und manchmal fast poetisch beschreibt. Besonders zum Ausdruck kommt das dadurch, dass die gesamte Sprache (auch Sprichwörter), die ihren Bezug zu unserem Leben auf der Erde hat, so angepasst wurde, dass sie sich auf ein Leben unter Wasser beziehen.

„Jemanden, der ihn aus seiner Gründlichkeitsblase pustet, bevor er sich komplett in sie einwickelt wie ein besorgter Tintenfisch in seine eigenen Arme.“

Auch die Zerrissenheit ihrer Protagonistin und ihren Wunsch nach Rache konnte ich gut nachfühlen. Bezüglich ihres großen Interesses für den männlichen Protagonisten war es mir häufig ein wenig zu viel Geschmachte, das kann aber auch an meiner ausgeprägten Romance-Allergie liegen. 😉 Da dies nicht den Plot bestimmt, lässt sich auch gut darüber hinweglesen und auch ich muss gestehen, dass der Protagonist ein wirklich netter Kerl ist. Die anderen Charaktere fand ich gut ausgearbeitet, viele waren mir auf Anhieb sympathisch, einige hab ich stellvertretend für Sirjena aber auch wirklich hassen gelernt. Besonders gut gefallen hat mir der sarkastische Wasserdrache Hallwerdur, der die leidende und sehr zur dramatischen Sentimentalität neigende Protagonistin auch gerne mal veräppelt und auf den Boden der Tatsachen zurückholt.

Neben Sirjenas Wunsch nach Rache, der das Hauptmotiv bildet, mochte ich die anklingende Gesellschaftskritik, die sich auch sehr gut auf unsere eigene Gesellschaft und wie Populisten mit Ängsten spielen, übertragen lässt.

„Sich vergraben, verschwinden, darauf warten, dass alles endete, das mochte für andere eine Flucht sein. Für sie war es keine Option. Nicht mehr. Sirjena war nicht geschaffen, um zu verstummen.“

Was mir leider nicht so gut gefallen hat, war die Erzählgeschwindigkeit bzw. -tiefe und die vielen abrupten Szenenwechsel, die teilweise mitten im Kapitel stattfanden. Gerade weil es einen Folgeband geben wird, hätte ich mir gewünscht, dass sich mehr Zeit genommen wird, um die vielen Handlungsstränge besser zu beleuchten. Die Wechsel mitten im Kapitel haben bei mir oft für Verwirrung gesorgt, weil es mir schwerfiel herauszufinden, wie viel Zeit zwischen den Handlungen vergangen ist und an welchem Ort wir uns befinden.

Insgesamt aber ein schönes, teilweise recht düsteres, aber auch romantisches Debüt, das neugierig auf Weiteres von der Autorin macht.

Wertung: 10/15 dpt

  • Autor: Elena Tinten
  • Titel: Meereslicht
  • Teil/Band der Reihe: 1 von 2
  • Verlag: Valmis Verlag
  • Erschienen: 10/2026
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 364
  • ISBN: 978-3-695-63392-0
  • Sonstige Informationen:
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