Stefan Meschs #blogfragen für Buchblogger: Unsere Antworten auf (mindestens) 15 Fragen ‚zum Mitnehmen und Beantworten‘.

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Stefan Meschs Blogfragen, beantwortet von ein paar booknerdsDer umtriebige Journalist und Literaturblogger Stefan Mesch hat jüngst einen feinen Fragenkatalog für Buchblogger zusammengestellt, welchen er zur freien Verfügung zum „Mitnehmen“ auf seinem Blog veröffentlicht hat. Einige Blogger*innen haben bereits geantwortet, darunter SchöneSeiten, lust zu lesen, Jochen Kienbaum von lustauflesen.de, Sophie Weigand von Literaturen sowie Muromez. Da wir ja auch irgendwie in der Buchbloggerszene festhängen, dachten wir uns, das könnte bei einem Team wie dem unseren doppelt spannend werden.

So dachte sich Chris Popp dieses Mal, die Fragen nicht nur selbst zu beantworten, sondern auch ein paar Mitschreiber dazu zu animieren – Dominik Nüse-Lorenz‘ Antworten sind insofern interessant, weil er vor booknerds.de bereits presseseitig aktiv war, und Laurent Piechaczeks Antworten (er betreibt übrigens auch ein eigenes Blog) sind zum Teil herrlich widerborstig. Ebenso hat sich Film- und Serienfan Norman R. der Fragen angenommen und diese ein wenig den audiovisuellen Medien angepasst.

Klickt einfach auf den entsprechenden der folgenden Namen, um zu den jeweiligen Antworten zu gelangen.

Das Lieblingsbuch meiner Mutter:

Chris Popp: Ich habe bereits im Jahr 2005 den Kontakt zu meiner gesamten Familie abgebrochen. Um es kurz zu machen: Ich habe gelernt, Menschen, die mir weh und nicht gut tun, komplett aus meinem Leben zu verbannen. Ganz gleich, ob sie Blutsverwandte sind oder nicht. Und die Familie, in der ich aufgewachsen bin, besteht leider aus schlechten Menschen. Aber um die Frage zu beantworten: Offensichtlich keins. Wenn sie etwas gelesen hat, dann waren es diese unsäglichen Romanhefte. Und im Schrank standen Romane von Konsalik und Simmel, die sie nie gelesen hat. Aber ein Schrank mit Büchern ist doch schick…

Das Lieblingsbuch meines Vaters:

…ist mir ebenfalls unbekannt. Das Einzige, was er las, war die BILD, die BILD am Sonntag und die Rhein-Neckar-Zeitung. Aber beide sind sie wahrscheinlich noch immer stolz darauf, irgendwo versteckt im Schlafzimmer noch ein Exemplar des ‚verbotenen‘ Buches von Herrn Schicklgruber ihr Eigen zu nennen…

Ich führe einen typischen Buchblog, weil…

Ich weiß gar nicht, ob wir das tun. Denn erstens sind wir ein ganzes Team, zweitens bloggen wir nicht nur über Bücher, und eigentlich sind wir mehr oder minder in die Blogszene hineingeraten. Am bloggigsten an uns ist wohl, dass wir als Veröffentlichungsplattform WordPress nutzen. Hm. Also besser gesagt:

Ich bin anders als die Blogs, die ich gern lese, weil…

…unser Ich multipel ist. Derzeit sind wir zu siebzehnt, mit unterschiedlichsten Interessen und Schwerpunkten. Wir legen uns weder auf Genres noch auf Medien fest. Wir schreiben über Bücher, über Hörbücher, über Filme, über Musik, über Serien, schreiben Kolumnen, haben Specials, machen Außenschalten. Heterogener als wir geht es wohl kaum. Und wir haben unseren eigenen Groove. Wir ticken anders. Wir betreiben kakophonen Medienhalbjournalismus Wir sind awesome. Wir riechen gut und sind der gute Geschmack. Alle wollen uns. Wir nehmen uns nicht immer ernst. Wir sind einfach, wie wir sind. Wir verstellen uns nicht. Gut, das ist bei „Blogs, die ich/wir gern lese(n)“ ja meist auch nicht anders. Aber wir gehen eben einfach unseren eigenen Weg. Lassen uns treiben und schauen, was passiert. Grenzen interessieren uns nicht.

Am Bloggen überrascht mich / beim Bloggen habe ich gelernt, dass…

Überrascht hat mich die Dynamik der Bloggerszene und die beeindruckende Möglichkeit des Netzwerkens. Wenig Konkurrenzdenken, viel Gemeinschaftsdenken. Und wenn Konkurrenz, dann auf eine freundschaftliche, neidlose Art. Auch überrascht hat mich, dass so manche Künstler, Verlage oder was auch immer auf uns zukommen, von denen ich es niemals gedacht hätte – und dass das noch immer passiert. Was das Lernen betrifft. so geschieht das jeden Tag. Mir ist noch bewusster geworden, dass man immer weiter an sich wachsen kann. Auch habe ich gelernt, dass man sehr schnell instrumentalisiert und als Werbemultiplikator benutzt werden kann. Da bin ich doch sehr vorsichtig geworden, zuweilen kommt da auch der Zickerich in mir durch.

Helfen Amazon-Rezensionen? Wobei? Wie?

Den Oberflächlichen, den ‚Sternenguckern‘, helfen sie in Fastfood-Manier, der Masse zu glauben. Da wird nicht nachgeschaut, was am Buch beziehungsweise am Artikel gut oder schlecht ist, sondern entschieden: „Oh, hat viereinhalb Sterne, muss gut sein, wird gekauft!“. Als ich noch einen amazon-Account hatte, habe ich eine Kurzversion meiner Rezensionen zu diversen Titeln eingestellt – und musste feststellen, dass die Texte wohl kaum gelesen werden, wenn Du nicht einer der allerallerallerersten Verfasser bist. Es steht in keiner Relation zum Aufwand.  Sicherlich gibt es einige, die auf amazon brillante Rezensionen veröffentlichen. Die sind bestimmt hilfreich beim Abgleich mit den eigenen Ansprüchen und Interessen. Doch das sind sie außerhalb amazons auch. Ab und an nutze ich amazon als Recherchemittel. Aber sonst kann ich dazu nicht mehr wirklich viel sagen. Doch: Ganz schlimm ist die Mauschelei unter diversen Selfpublishing-Autoren, die sich sogar in Facebookgruppen organisieren, um sich gegenseitig mit 5-Sterne-Bewertungen zu pushen. Ich kann nur sagen: Mir helfen sie eher nicht, zumal ich sie praktisch überhaupt nicht lese.

Hilft Literaturkritik in Zeitungen und Magazinen? Wobei? Wie?

Chris Popp: Es kommt ganz darauf an. Hochgestochene Feuilletonschreibe und hochnäsigen Magazinschrieb mag ich gar nicht, und der hilft zumindest mir nicht. Selbiges gilt für schlichtweg schlechte Literaturkritik – die ist gedruckt auch nicht besser, nur weil sie auf Papier ist. Aber wenn Literaturkritik bodenständig, ehrlich und mit Herzblut geschrieben ist, ist sie doch sehr hilfreich – in puncto literarischer Selbstfindung. Wobei mir da weniger um Kauftipps geht, sondern um einen – wenn auch einseitigen – Austausch. Mich interessiert die Meinung einfach.

Helfen Blogs? Wobei? Wie? Wem?

Da geht es mir ähnlich wie mit der Literaturkritik in Druckform. Wobei bei Blogs natürlich deutlich mehr Freiheit aufweisen. In Textlänge, in Stil, und natürlich ist die interaktive Ebene nicht zu unterschätzen. Doch auch hier muss man von sich aus die Spreu vom Weizen trennen – deutlich intensiver sogar. Blogs helfen, weil man innerhalb kürzester Zeit unzählige Informationen und Meinungen zu einem Buch lesen kann, man muss nur etwas googlen und sich durchklicken. Die unglaublich unterschiedlichen Schreibstile und Gedankengänge helfen einem dabei, „Seelenverwandte“ zu finden – das ist im Virtuellen um einiges einfacher. Jede „Leserschicht“ hat ihre eigenen Anlaufstellen. Blogs helfen aber auch den finanziell nicht so gut betuchten Menschen, die sich nicht ständig Zeitungen und Literaturmagazine kaufen können und das wenige kostbare Geld dann lieber in ein Buch zu investieren. Eine Internetflat hat heutzutage jeder, und die Kritiken sind nur noch einen Klick entfernt. Doch Blogs helfen nicht nur Lesern, sondern auch den aktiven Bloggern selbst – man kann seinen Horizont gerade durch den Austausch unglaublich erweitern. Und wenn man aktiv bloggt, spart man durch Rezensionsexemplare mitunter auch Geld, das man für Bücher in diesem Maße eventuell sonst nicht ausgeben könnte. Das mag jetzt den Eindruck des „Abgreifens“ erwecken, zumal es offenbar einige Blogger gibt, die dieses Abgreifen exzessiv betreiben. Doch dem ist zumindest bei mir keinesfalls so. Das Lesen und das ernsthafte Rezensieren ist die Arbeit, das vorab erhaltene Buch der Lohn dafür. Mir ging es viele Jahre finanziell dreckigst. Hätte ich nicht wenigstens Rezensionsexemplare in Buch-, Film- oder Musikform bekommen, die ich stets gewissenhaft und so professionell wie möglich rezensiert habe, wäre ich kulturell verkümmert – so war ich gerade in diesen schwierigen Jahren wenigstens ein wenig näher am Puls der Zeit. Dafür bin ich den Verlagen und Labels unendlich dankbar – ich versuche immer, möglichst viel zurückzugeben. Selbst negative Kritiken möchte ich stets so gut und fundiert wie möglich schreiben. Man stellt mir etwas zur Verfügung, und dies behandele ich immer mit Respekt. Heute verdiene ich endlich wieder ausreichend Geld, um mir Bücher und Musik auch kaufen zu können, und meine Sammlung ist ein guter Mix aus Rezensions- und Kaufexemplaren. Ein schlechtes Gewissen habe ich trotzdem nicht – denn es ist nach wie vor auch eine Form der Arbeit – wenngleich sie in Hobbyform betrieben wird. Aber ich schweife ab.

Wahr oder falsch: “Ich blogge vor allem, weil ich mich über Bücher austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte.”

Überwiegend wahr. Zwar liest meine Frau sehr gern, hat aber wenig Zeit dafür (ich eigentlich auch zu wenig), und unsere Interessen sind zuweilen doch recht unterschiedlich. Die größere Tochter ist ein Bücherwurm, aber die Interessen sind gar noch unterschiedlicher. Aber außerhalb der Familie habe ich das Gefühl, die lesen alle nicht. Da kommt dann nur das Übliche: Harry Potter, die Dan Brown-Bücher, das ganze Zeug halt, das auch Nichtleser lesen. Klingt böse, ist aber so. Wenn man dann nach Tipps fragt, kommt nicht viel außer den Standards. Und gibt man selbst Tipps oder zeigt sich begeistert, wird man für einen Spinner gehalten. Oder bekommt ein „Oh, nee, kenn ich nicht!“ erwidert, das eher wie ein „Interessiert mich doch nicht!“ rüberkommt.  Ja, ich blogge hauptsächlich, um mich mit anderen auszutauschen, aber noch „hauptsächlicher“, um einfach meine Meinung zu einem Buch (bzw. Film, Serie etc.) öffentlich kundzutun.

Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Lesen und Bewerten:

Mein persönlicher Geschmack ist extrem breit gefächert und ist eine ziemlich amorphe Masse, er ist ein Chamäleon, etwas Eigenwilliges. Ich kann zehn Jahre Feuer und Flamme für etwas sein und es plötzlich gänzlich uninteressant finden. Oder etwas bewusst ignoriert haben und es urplötzlich lieben. Mein Geschmack überrascht mich manchmal selbst. Ich setze mir keine Grenzen und fühle mich zwischen all den Stühlen pudelwohl… Ich lasse mich treiben. Habe ich Prinzipien beim Lesen und Bewerten? Eigentlich sehe ich das Werk immer als Gesamtwerk und entscheide aus subjektivem Empfinden heraus hinterher, was es mit mir anstellt und wie ich es dann bewerte. Ich gehe mit keinerlei Erwartung an etwas heran. Ein Prinzip reite ich jedoch durchaus, eines, gegen das ich nur in seltensten Fällen verstoße: Ich lese ein Buch bis zum bitteren Ende. Was das Bewerten im Sinne von Rezensieren angeht, verfolge ich keinerlei Struktur – nur zwei Dinge sind wichtig: Um was geht es in diesem Buch? Wie wirkt dieses Buch auf mich? Der Rest ist nicht allzu wichtig. Nicht für mich. Ich analysiere Bücher ungern. Ich fühle sie lieber und reflektiere diese Gefühle.

Wer liest mich? Habe ich eine Zielgruppe?

Laut der Liste der Facebook-Liker*innen sind 70% der Leser weiblich, wobei 50% unserer „Leserschaft“ Frauen zwischen 25 und 54 Jahre alt sind. Schade ist das irgendwie, da dies das Klischee der nicht lesenden Männer doch beinahe bis zum Platzen füttert. Ich will das nicht so ganz glauben. Ich denke generell, dass uns die lesen, die qualitativ gute Artikel lesen möchten und nicht viel von Mainstream halten.

Habe ich Vorbilder?

Chris Popp: Himmel, nein! Hatte ich nie. Ich lasse mich eher wenig von denen inspirieren, die ich gut finde, weil so etwas sehr schnell in ein Nacheifern umschwenken kann. Ich möchte nicht „wie“ sein, sondern „ich“. Eher inspirieren mich die Anti-Vorbilder: Wie möchte ich NICHT sein? Wie möchte ich etwas NICHT tun? Welchen Weg möchte ich NICHT gehen? Das Nichtsein prägt mein eigenes Sein.

Welche Ratschläge würde ich meinem früheren Lese-Ich geben? Kann man lernen, Bücher besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen? Wie?

Eigentlich finde ich, dass ich meinem früheren Lese-Ich keine Ratschläge geben muss, denn wäre ich nicht so gewesen, wie ich war, wäre ich nicht so, wie ich heute bin. Nicht nur in literarischer Hinsicht.

“Verlage brauchen mich für PR. Sie brauchen mich mehr, als ich sie brauche” …oder “Toll! Autoren und Presseabteilungen suchen Kontakt und bieten mir Bücher an. Was für ein Glück!” – was überwiegt?

Das hält sich eigentlich die Waage. Letztendlich bestimme zum Glück ja ich, was ich besprechen möchte und was nicht – so wie es bei meinen Mitschreibern auch der Fall ist. Klar, eine Rezension ist gewissermaßen auch Werbung, weil sie ein Multiplikator ist, wenn auch in unterschiedlichem Maße. Andererseits kann ein Verlag, wenn er beispielsweise meine Rezension verlinkt, auch gut für mich sein. Bei professionellen und sozial kompetenten Verlagen ist dieses Geben und Nehmen eine wunderbare Sache. Nur wenn ein Blog instrumentalisiert wird, wird es eklig. Doch ich denke, wir wenden selbiges ganz gut ab.

Was soll sich tun in meinem Blog und in meinem Leser-/Schreiber-Leben in den nächsten fünf Jahren:

Ich möchte noch mehr Vielfalt, noch regelmäßiger Artikel (mit meinen Mitschreibern, eventuell mit einem noch größeren Team) schreiben, noch mehr professionellen Schliff. Ich möchte endlich ein neues Logo. Und ich möchte, dass wir viele, viele weitere Leser an Land ziehen. Dass wir als eine ernstzunehmende Anlaufstelle für seriöse Artikel in aller Munde/im Munde Vieler sind. Und ich möchte einen weniger gnadenlosen Arbeitgeber, denn der ist ein wahrer Freizeitvampir…

Bei wieviel Prozent der Bücher, die ich gelesen habe, denke ich danach: Mist. Ich wünschte, ich hätte das nie gelesen…? Steigt oder fällt diese Prozentzahl, Jahr für Jahr. Und: Warum?

Uff. Zwei Prozent?!? Es gibt wirklich kaum Bücher, die ich wirklich für Zeitverschwendung gehalten habe. Geändert hat sich in all den Jahren nichts. Klar, es ist immer mal wieder ein Buch dabei, bei dem ich denke: „Der arme Baum…“, aber offenbar habe ich bei der Auswahl der Bücher, die ich lesen möchte, recht viel Glück. Oder habe andere Ansprüche. Oder andere Maßstäbe. Ich weiß es nicht wirklich.

Bonus: Empfehlungen!

Ein Buch, das fast niemand mag – aber das ich liebe:

Ich habe mir ehrlich gesagt noch nie darüber Gedanken gemacht, welche Bücher andere nicht mögen. Aber ich weiß, dass viele mit Zoran Drvenkars Schreibstil nicht klar kommen, da zu verwirrend und seltsam. ich hingegen finde seine unkonventionelle, multiperspektivische Art des Schreibens, wie er sie in „Du“, „Sorry“, „Still“ und „Du bist zu schnell“ pflegt, grandios.

Ein Buch, das fast alle mögen – aber das mich wütend oder ratlos macht: [warum?]

Ohne zu zögern: „Der Fänger im Roggen“ von J. D. Salinger. Selten ein langweiligeres, nichtssagenderes, blöderes, deprimierenderes und überbewertetes, nervtötendes Buch gelesen. Und DAS soll zahllose Autoren inspiriert haben? An DAS soll Herrndorfs „tschick“ erinnern? Was soll „Der Fänger im Roggen“ denn bitteschön an sich haben, was so fasziniert? Was tun mir die Bäume leid…

Ein Buch, das ich bekannter gemacht habe:

Ich würde mir niemals anmaßen, zu behaupten, ein Buch bekannter gemacht zu haben, zudem booknerds.de wohl noch zu klein ist, um als Multiplikator zu funktionieren. Bei Musik bin ich mir allerdings sicher, ein klein wenig zum Bekanntheitsgrad der grandiosen norwegischen Band Major Parkinson beigetragen zu haben.

Ein Buch, vor dem ich oft und gern warne:

Vor „Oneiros – Tödlicher Fluch“ von Markus Heitz. Noch nie einen schlechter geschriebenen Mysterythriller gelesen. Und noch nie so eine peinliche Sexszene wie auf S. 578 ff., haha!

Ein schlechtes Buch, das ich gut fand:

Tommy Jaud – „Vollidiot“ und „Millionär“. Eigentlich gar nicht mein Stil. Eigentlich verabscheue ich solcherlei „Literatur“. Aber die beiden Bücher mochte ich. Warum auch immer. Obwohl sie so furchtbar sind. Obwohl ich mich dafür in Grund und Boden schämen müsste. Aber mir war offenbar sehr nach platter Literatur. Hirn ausschalten und los. Oh oh… ich sehe gerade, wie die Anzahl meiner Facebook-Freunde rapide abnimmt…

Ein gutes Buch, das ich schlecht fand:

Daniel Westland – „Schwarze Schwäne“ (Rezension). Eigentlich ein richtig toller Öko-Thriller, wenn da nicht die hölzernen Dialoge, die vielen orthographischen Fehler und die emotionalen Regungen der Protagonisten. Offenbar ist das Ganze nicht mal auf Westlands Mist gewachsen…

Ein Geheimtipp, der bisher in Blogs noch kaum besprochen wurde:

„Nilowsky“ von Torsten Schulz (Rezension) – ein Halb-Jugendroman, sperrig und zugänglich. Kalt und doch warm. Ein Panoptikum der Gegensätze, spielend im frühherbstlichen 1976er Ost-Berlin. Ich warte auf eine Verfilmung, habe aber kein Vertrauen in die deutschen Filmemacher. Aber man wird ja noch mal phantasieren dürfen… Okay, ich verstoße wieder gegen das „ein“. Unbedingt noch mehr besprochen werden muss „Amerika-Plakate“ von Richard Lorenz (Rezension).

Ein Buch, das viel zu oft überall besprochen wurde:

Oh je. Also jüngst definitiv „Auerhaus“ von Bov Bjerg (das ich allerdings großartig finde und endlich meine Rezension nachliefern muss). In der Vergangenheit: „Weil ich Layken liebe“. Ich habe keine Ahnung, worum es da geht. Aber jedes gottverdammte „Schnuffelpupsis Bücherrappelkiste“-Blog hat dieses Buch rezensiert, es fand so eine entsetztliche Hysterisierung statt… grauenvoll.

Ein gutes Buch von/über jemandem/n, der ganz anders ist als ich selbst:

Das ist die David Foster Wallace-Biographie „Jede Liebesgeschichte ist eine Geistergeschichte“ von D. T. Max. Bis auf den kindlichen Jähzorn und die Kauzigkeit. Aber sonst…

Ein gutes Buch von/über jemandem/n, der ganz anders denkt als ich selbst:

Juha Vuorinens „Göttlich versumpft“, welches vom Protagonisten Juha Berg handelt, einem Trunkenbold, der weder seine Trink- noch seine Sexsucht im Griff hat und eigentlich ein ziemliches Arschloch ist. Und seine Ansichten… au weia. Aber so sehr man über ihn den Kopf schüttelt, so gut ist das Buch. Auf seine Weise. Ich mochte es.

Ein Buch, von dessen Gestaltung/Cover/Design sich Verlage eine Scheibe abschneiden könnten:

Habe ich gerade aus dem Briefumschlag gefischt. J. J. Abrams – „S“. Und selbstverständlich auch die Werke von Mark Z. Danielewski, von denen ich auch Rezensionen auf booknerds.de verfasst habe. Auch nicht zu vergessen ist Arno Schmidts „Zettel’s Traum“, von dem ich zwar „nur“ die Studienausgabe habe, die mir meine Frau zum 40. Geburtstag geschenkt hat, aber hey…

Ein anderes Produkt, von dessen Gestaltung/Cover/Design sich Verlage eine Scheibe abschneiden könnten:

Shape-CDs. War ein nicht allzu langlebiger Trend, aber ich finde so etwas witzig. Diskettenformat, Sägeblatt, an ein Scheunentor genageltes Huhn. Fände ich auch in Buchform cool, wenn es thematisch passt. Gibt es leider viel zu selten.

Das netteste Presseteam / die schönste Erfahrung mit einem Verlag:

Bislang habe ich die Verlagsmenschen ja nur online kennen gelernt, aber von denen gibt es einige, die ich wunderbar finde. Katharina Waltermann von DuMont, Wiebke Maren Ratzsch und Ruth Geiger von Diogenes, Carina Gerner von Loewe, Thomas Vogt von Rapid Eye Movies, Anko Gniwotta von polyband Medien, die Leute von berlinieros, Frau Liebl von Random House, der wunderbar direckte Bertram Reinecke von Reinecke & Voß, die sind schon alle ziemlich klasse.

Autor*innen, die tolle Inhalte auf Facebook und Twitter posten:

Benedict Wells und Oliver Uschmann, Berni Mayer ebenso. Ich denke, Du redest von Buchautoren, oder? Dann fällt mir noch Richard Lorenz ein. Und Ruprecht Frieling. Und Guido Rohm postet manchmal so herrlichen Unfug. Obwohl ich von dem kein Buch kenne – irgendwann hat er mir mal eine Freundschaftsanfrage geschickt, seitdem lese ich seinen Quatsch immer mal und amüsiere mich.

mein(e) Lieblingskritiker*in/Journalist*in:

Die Leute aus meinem Team natürlich. Aber im weltweiten Netz sind das Thomas Brasch, Stefan Mesch, Sophie Weigand, Jochen Kienbaum, also so ziemlich all die jenseits des Mainstream. Es sind durchaus noch einige mehr, aber das sind jetzt so die, die mir spontan einfallen. Ja und natürlich eben genannter Ruprecht Frieling. Aber auch Dagmar Eckhardt, die mich immer wieder überrascht.

ein toller Text/Beitrag aus einem Verlagsblog:

Ich stelle gerade fest, dass ich keine solchen lese beziehungsweise mich jetzt nicht wirklich an etwas erinnere…

ein Lieblings-Blogbeitrag (kein ganzer Blog):

Damit werde ich mir nicht nur Freunde machen: brasch & buchs „Sara! Mir graut’s vor dir!„, weil er mir aus der Seele spricht.

ein Blogbeitrag von mir selbst, auf den ich stolz bin: 

Meine Rezension zum Alliterationsbuch „Ach, bald crashen die Entrechteten furchtlos gemeingefährliche, hoheitliche Institutionen, jagen kriegserfahrene Leutnants mit Nachtsichtgeräten oder parlieren querbeet Russisch, Swahili, Türkisch und Vietnamesisch, während Xanthippe Yamswurzeln züchtet“ von Francis Nenik, welche ich ebenfalls im Alliterationsstil geschrieben habe. Von A – Z je ein Satz.

mein erfolgreichster Text/Beitrag:

Machen wir mal eine Top 3 daraus. Am erfolgreichsten ist die DVD-Rezension zu Sascha Grammels „Keine Anhung“ – spaßeshalber beim Angebot für ein Reziexemplar zugesagt, es eigentlich eher wegen der Töchter geordert und dann gemeinsam mit ihnen gelacht. Schon drollig, wenngleich es meinen humoristischen Geschmack jetzt nicht unbedingt definieren würde. Ich mag es dann schon etwas kabarettistischer. Malmsheimer und so. Grammel hat den Artikel entdeckt und auf seiner Facebookseite gepostet – und die Klickzahlen sind in die Höhe geschossen. Danach folgt „Isch geh Schulhof“ von Philipp Möller (das entgegen seines Covers keineswegs ein Unterhaltungs-/Comedy-Buch ist – ganz im Gegenteil!) sowie „Die Liegenden“ von Michele Serra.

ein Text/Beitrag von mir, der wenig Beachtung fand, aber mehr Beachtung verdient:

Kann ich pauschal gar nicht sagen. Bei vielen Artikeln denke ich mir: Mensch, eigentlich müsste das die Leute doch interessieren! Aber die Onlineleserschaft ist unberechenbar.

eine Frage, die diesem Fragebogen fehlt:

Eine? Ich könnte endlos weitermachen. Ein Fragebogen hat immer zu wenig Fragen. Ich sehe es ähnlich wie der Urheber dieses Fragebogens: Ich liebe Fragebögen!

…und, zum Vervollständigen:

“Das neue literarische Quartett…”

…interessiert mich genau so wenig wie das alte. Ranickis Empörung auf Knopfdruck fand ich eher lachhaft als unterhaltsam. Aber auch so gibt mir das Format nicht viel. „Was liest du?“ mit Jürgen von der Lippe fand ich da irgendwie schöner und unterhaltsamer. Und nach den Meinungen zur ersten Aufgabe habe ich wohl auch nichts verpasst.

“Auf der Buchmesse…”

…wäre ich auch mal gern. Früher fehlte mir dafür das Geld, heute die Zeit – ein unflexibler Arbeitgeber ist da nicht unbedingt hilfreich. Irgendwann mal. Frankfurt oder Leipzig, mir egal. Außerdem fällt die Frankfurter Buchmesse dieses Mal auf unsere Geburtstagswoche. Erst habe ich, zwei Tage später die kleinere Tochter, noch drei Tage später die gute Herzdame. Da liegen die Prioritäten ein wenig anders… wenn ich schon eine volle Arbeitswoche habe.

“Ich bin sehr überraschend und unerwartet auf ein gutes Buch gestoßen. Und zwar…”

Öhm… das passiert mir ständig. Literatur überrascht mich gerade im positiven Sinne regelmäßig.

Christoph Poschenrieder – Die Welt ist im Kopf; Wolfgang Welt – Fischsuppe; Georges Perec – Das Leben Gebrauchsanweisung; Lothar Baier – Jahresfrist usw.,  usw…

Das Lieblingsbuch meiner Mutter:

Dominik Nüse-Lorenz: Pearl S. Buch – Ostwind – Westwind

Das Lieblingsbuch meines Vaters:

Jan Assmann – Moses, der Ägypter

Ich führe einen typischen Buchblog, weil…

Ich führe ihn nicht, aber ich schreibe für einen typischen  Buchblog, weil er im Vergleich mit vielen anderen vielleicht nicht typisch ist, von meinem Anspruch aber ein typischer selbiger ist. Hier wird den Büchern zugehört, hier gibt es keine Gefühlsduselei, sondern Rezensionen, in denen man sich Zeit und Platz nehmen kann, um dem gerade zu rezensierenden Buch so gerecht wie möglich zu werden.

Ich bin anders als die Blogs, die ich gern lese, weil…

s.o.

Am Bloggen überrascht mich / beim Bloggen habe ich gelernt, dass…

ich nicht jedem Buch gerecht werden kann und dass die Literatur, selbst nach einem Germanistik-Studium und egal, wie viele Bücher ich vor die Nase bekomme, nichts von ihrer Magie verloren hat.

Helfen Amazon-Rezensionen? Wobei? Wie?

Amazon-Rezensionen, egal ob gekauft oder subtil eingefordert, helfen Verlagen immens. Mir als Blogger sind sie schnuppe – und als Nicht-Amazon-Käufer ebenfalls.

Hilft Literaturkritik in Zeitungen und Magazinen? Wobei? Wie?

Sie hilft, um im Einzelfall in eine möglichst relevante Diskussion mit einem anderen Rezensenten einzutreten, die Gegensätze oder auch die Gemeinsamkeiten im Blick auf das jeweilige Buch aufzuzeigen oder um ein Buch in einen aktuellen thematischen Diskurs einzuordnen.

Helfen Blogs? Wobei? Wie? Wem?

Hier mache ich keinen Unterschied zu den Print-Medien – also im Prinzip die gleiche Antwort wie zu vorheriger Frage.

Wahr oder falsch: “Ich blogge vor allem, weil ich mich über Bücher austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte.”

Es gibt in meinem direkten Umfeld Menschen, mit denen ich mich über Literatur austauschen kann – doch aufgeschrieben, ausformuliert und vielleicht auch etwas tiefergehender analysiert, ist der Blog für mich das ideale Medium.

Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Lesen und Bewerten:

Die Gretchen-Frage! Mein persönlicher Geschmack kann sich beinahe täglich ändern, ich lasse mich gerne von AutorInnen überraschen – aber nicht alles, was ich gut finde, muss auch gut sein. Insofern versuche ich, zu hinterfragen, warum ich bestimmte Charakterzeichnungen, Handlungsverläufe, Dialoge, Metaphern, Satzbau gut oder schlecht finde. Diese Kriterien offen zu benennen und zu beschreiben, was mir hieran ge- oder missfällt, macht es – so der Anspruch – einem Leser einfacher, für sich zu entscheiden, ob er meiner Argumentation folgen möchte, oder ob er sich sagt, „alles gut und schön, aber die Kriterien, die Nüse-Lorenz genannt und für schlecht befunden hat, finde ich prinzipiell gut“, dann hat er eben kein Geschmacksurteil meinerseits, sondern eine diskutable Rezension und „Gesprächsgrundlage“.

Welche Ratschläge würde ich meinem früheren Lese-Ich geben? Kann man lernen, Bücher besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen? Wie?

Noch vorurteilsfreier an Bücher herangehen, Erwartungen an bestimmte Themen und Autoren zurückschrauben und einfach auf literarische Entdeckungsreise gehen – es zwingt einen ja niemand, ein Buch nicht nach 10, 20 oder 200 Seiten einfach beiseite zu legen und es in 30 Jahren oder niemals zu Ende zu lesen.

“Verlage brauchen mich für PR. Sie brauchen mich mehr, als ich sie brauche” …oder “Toll! Autoren und Presseabteilungen suchen Kontakt und bieten mir Bücher an. Was für ein Glück!”was überwiegt?

Es ist ein „ewiger“ Kreislauf – beides trifft doch irgendwie zu, wenn es nicht ein schlecht gepflegter Verteiler ist, der einem, obwohl nie etwas aus diesem Verlage rezensiert, regelmäßig neue, nie gewünschte Bücher zuspielt. Als Buch- und Lesesüchtiger ist es natürlich auch ein kaum zu beschreibendes Glück, in so manchem Falle wunderbarste Bücher zugeschickt zu bekommen.

Was soll sich tun in meinem Blog und in meinem Leser-/Schreiber-Leben in den nächsten fünf Jahren:

Ich hoffe, dass ich in meiner Auswahl der Bücher offen bleibe, mich nicht auf spezielle Genres, Sujets oder AutorInnen kapriziere, dass ich weiter Ideen und Assoziationen finde, die meinen Leseeindrücken entsprechen und dem gelesenen Buch gerecht werden. Und wenn das Zeugs, das ich schreibe, auch von dem ein oder anderen Leser gelesen wird, dann wäre das sicher umso fantastischer.

Bei wieviel Prozent der Bücher, die ich gelesen habe, denke ich danach: Mist. Ich wünschte, ich hätte das nie gelesen…? Steigt oder fällt diese Prozentzahl, Jahr für Jahr. Und: Warum?

Irgendwie stellt sich mir diese Frage kaum noch. Ich bin ein freier Leser – und so kann ich bestimmen, und möchte mir diese Freiheit auch nicht nehmen lassen, wann ich ein Buch zur Seite lege: nach der zweiten, der 100sten oder der letzten Seite. Es ist am Ende nie die Schuld des Buches, wenn ich glaube, meine Zeit verschwendet zu haben!

Das Lieblingsbuch meiner Mutter:

Laurent Piechaczek: Keine Ahnung.

Das Lieblingsbuch meines Vaters:

Keine Ahnung, beide lesen einfach drauf los!

Ich führe einen typischen Buchblog, weil…

Ich weiß überhaupt nicht, was ein „typischer“ Blog ist…

Ich bin anders als die Blogs, die ich gern lese, weil…

Ich lese selten andere Blogs, warum sollte ich?

Am Bloggen überrascht mich / beim Bloggen habe ich gelernt, dass…

Bislang hat mich noch nichts überrascht!

Helfen Amazon-Rezensionen? Wobei? Wie?

Mit diesen habe ich angefangen. Heute stelle ich fest, dass die meisten Buchrezensionen auf amazon durchweg unbrauchbar sind.

Hilft Literaturkritik in Zeitungen und Magazinen? Wobei? Wie?

Das kommt auf das Magazin und den Kritiker an. Bei Kritikern, die frei von Eitelkeit sind, … aber gibt es die?

Helfen Blogs? Wobei? Wie? Wem?

Die Frage ist zu allgemein.

Wahr oder falsch: “Ich blogge vor allem, weil ich mich über Bücher austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte.”

Falsch, ein persönliches  Gespräch über Literatur/Bücher ist mir immer noch lieber!

Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Lesen und Bewerten:

Im Prinzip habe ich keine, wozu? Mein persönlicher Geschmack ist Schwankungen unterworfen. Eckpfeiler gibt es.  Wird es zu „seicht“, die Bücher mit  den bunten Covern, nein danke! Da hört dann auch meine Diskussionsfähigkeit/-bereitschaft auf.

Wer liest mich? Habe ich eine Zielgruppe?

Keine Ahnung? Nein, siehe oben; wozu?

Habe ich Vorbilder?

Nein!

Welche Ratschläge würde ich meinem früheren Lese-Ich geben? Kann man lernen, Bücher besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen? Wie?

Die Frage trifft nicht den Kern. Da ich aus der Zeit vor dem Internet „stamme“, genieße ich nun die ständige Verfügbarkeit von Informationen. Andererseits verflacht mit dem Internet die Lesekultur. „Allet so schön bunt hier!“ Es gilt der Satz: “Wer gut lesen will, muss viel lesen!“ – genau: lesen!

“Verlage brauchen mich für PR. Sie brauchen mich mehr, als ich sie brauche” …oder “Toll! Autoren und Presseabteilungen suchen Kontakt und bieten mir Bücher an. Was für ein Glück!”was überwiegt?

Uninteressant für mich! Meine Regale sind voll und ich bin in der glücklichen Lage, mir die Bücher, die mich interessieren, selbst zu kaufen. Also, ich bin der schlechteste „Kritiker“ für Verlage, da mir meine Unabhängigkeit heilig ist!

Was soll sich tun in meinem Blog und in meinem Leser-/Schreiber-Leben in den nächsten fünf Jahren:

Was interessiert mich heute mein Geschreibe in fünf Jahren? :-)

Bei wieviel Prozent der Bücher, die ich gelesen habe, denke ich danach: Mist. Ich wünschte, ich hätte das nie gelesen…? Steigt oder fällt diese Prozentzahl, Jahr für Jahr. Und: Warum?

… nie gelesen … gibt es bei mir selten. Die Prozentzahl der Bücher, die nach 40, 50, 100 Seiten in die Ecke fliegen, steigt!

Bonus: Empfehlungen!

Ein Buch, das fast alle mögen – aber das mich wütend oder ratlos macht: [warum?]

Nur eins…!? Also gut, es ist so gewollt. Bernhard Schlink – Der Vorleser. 

Ein Buch, das ich bekannter gemacht habe:

So vermessen bin ich nicht!

Ein Buch, vor dem ich oft und gern warne:

Mittlerweile würde ich vor einem ganzen Genre warnen: Historische Romane. Hilfe, tummelt sich da ein Schrott!

mein(e) Lieblingskritiker*in/Journalist*in:

Ich sag es: Dennis Scheck; bezüglich der weiteren Fragen fehlt mir einfach der Überblick…

eine Frage, die diesem Fragebogen fehlt:

„Ich blogge, also bin ich.“ – Warum handeln viele Blogger danach? (Nicht ganz ernst nehmen!)

und, zum Vervollständigen:

“Das neue literarische Quartett…”

Warum muss Maxim Biller eigentlich überall seinen Senf hinzugeben?

“Auf der Buchmesse…”

…findet man mich nicht! Nur vor Jahren einmal, nie mehr.

“Ich bin sehr überraschend und unerwartet auf ein gutes Buch gestoßen. Und zwar…”

Christoph Poschenrieder – Die Welt ist im Kopf; Wolfgang Welt – Fischsuppe; Georges Perec – Das Leben Gebrauchsanweisung; Lothar Baier – Jahresfrist usw.,  usw…

Der Lieblingsfilm/die Lieblingsserie meiner Mutter:

Norman R.: Klassische Krimiguckerin.

Das Lieblingsfilm/die Lieblingsserie meines Vaters:

Klassischer Fußballgucker. Der Freundeskreis hat da entscheidender auf mich eingewirkt.

Ich führe einen typischen Film-/Serienblog, weil…

Ich führe gar nichts, noch nicht mal Tagebuch. Ich gebe lediglich ab und zu meine Meinung in Blogs anderer Leute ab. Von booknerds.de würde ich aber beispielsweise behaupten, dass er nicht sonderlich typisch ist. Zum einen weil er eben nicht nur Platz für Bücher bietet, zum anderen weil sich dort Schreiberlinge mit den verschiedensten Hintergründen und Vorlieben tummeln.

Ich bin anders als die Blogs, die ich gern lese, weil…

Siehe  vorherige Antwort.

Am Bloggen überrascht mich / beim Bloggen habe ich gelernt, dass…

… die Resonanz meist nur an der Klickzahl des jeweiligen Beitrags erkennbar wird. Wir sprechen hier zwar von einem dreistelligen Bereich an Leserinnen und Lesern, aber Kommentare kommen dann doch meist nur bei den ohnehin strittigen Themen.

Helfen Amazon-Rezensionen? Wobei? Wie?

Es kommt darauf an, wie man es betrachtet. Blockbuster-Konsumenten, die einem Arthouse-Streifen einen Stern verleihen, könnten mit dieser Bewertung ihre Mitstreiter sogar vor „langweiligen, langatmigen“ Filmen retten. Es ist nur erstaunlich, dass anno 2015, also in Zeiten von imdb & co. so viele Menschen immer noch überrascht sind, wenn sie mal danebengegriffen haben, wo doch sonst alles auf Zeit- und Geldeffizienz ausgerichtet ist. Arthouse-Gucker werden sich wiederum kaum von Kommentaren und Punktzahlen beeinflussen lassen und interpretieren drei Sterne ganz im Gegenteil mitunter als Qualitätszeichen. Einige geben sich auch richtig Mühe und schreiben blogwürdige Einträge, werden aber wiederum von Nichtmeinungen kontrastiert, die mit zwei Wörtern auskommen. Was aber die meisten Rezensionen von heute gemein haben, ist die Spoilerdichte, die dazu beiträgt, dass man immer häufiger erst im Nachhinein auf Kritiken zurückgreift und nicht als Kaufkriterium nutzt.

Hilft Film-/Serienkritik in Zeitungen und Magazinen? Wobei? Wie?

In meinem Alltag spielen Kritiken eine große Rolle, weil sie im besten Fall die Augen öffnen und Denkanstöße geben oder zumindest eine grobe Richtung anzeigen, was ich von etwas zu erwarten habe. Dazu gehört allerdings, dass die Kritik in einen Kontext eingebettet wird. Welche Zielgruppe soll angesprochen werden? Wofür steht der Rezensent? Was sagen die anderen? Dann kann Kritik ein hilfreicher Begleiter sein, aber kein Helfer, der einem die Arbeit abnimmt. Wie eben erwähnt würde ich mir aber wünschen, dass sie in Zukunft wieder mit weniger Spoilern auskommen.

Helfen Blogs? Wobei? Wie? Wem?

Blogs können dabei helfen, die Meinungsbreite zu erhöhen. Gerade heutzutage wird das immer wichtiger, weil im Kulturbereich generell und damit auch im Kulturjournalismus immer weniger Geld vorhanden ist. Kaum jemand kann heute noch ausschließlich davon leben, und wenn doch, muss er sich mit Arbeit überhäufen. Es liegt die Vermutung nahe, dass Kulturgüter dadurch immer oberflächlicher und schematischer oder aber viel zu überschwänglich und im Konsens analysiert werden. Blogger haben in der Hinsicht die besseren Karten, weil sie ihre Freizeit und damit eher ihr Herzblut investieren und sich etwas mehr Zeit nehmen können als die professionellen Kollegen. Allerdings glaube ich, dass es sowohl Profis als auch „Amateure“ geben muss, damit die Varianz und die Breite der Meinungen erhalten bleibt. Die Frage wird nur sein, ob wir genug für den Erhalt unserer Kulturlandschaft tun, die uns doch eigentlich so am Herzen liegt.

Wahr oder falsch: “Ich blogge vor allem, weil ich mich über Filme/Serien austauschen will und im persönlichen Umfeld nicht genug Menschen habe, mit denen ich das könnte.”

Wahr.

Mein persönlicher Geschmack und meine Prinzipien beim Gucken und Bewerten:

Wie gesagt lasse ich mich bei der Auswahl stark von Kritiken leiten, womit natürlich ein gewisser Anspruch verbunden ist. Bei der Bewertung schreibe ich über das, was mir besonders ins Auge gesprungen ist, aber auch gerne über Details hinter den Kulissen. Dementsprechend entwickeln sich die Kriterien aus der zu bewertenden Produktion selbst, einen starren Kriterienkatalog habe ich nicht. Meilensteine der Film- und Seriengeschichte und eigene Lieblinge oder kurz: die eigene Vorbildung übt aber selbstredend einen Effekt aus, wie soll ohne Vergleichsmoment sonst eine Punktzahl zustande kommen?

Wer liest mich? Habe ich eine Zielgruppe?

Keine Ahnung wer mich liest und ob es jemand regelmäßig tut. Auf eine bestimmte Zielgruppe sind meine Beiträge nicht abgestimmt, ob ich trotzdem eine bediene, weiß ich ebenfalls nicht, es könnte aber sein. Erreichen werde ich wohl diejenigen, die sich für die gleichen oder ähnliche Filme und Serien interessieren wie ich und dabei lässt sich bei den bislang von mir besprochenen Kulturgüter wohl auch ein bestimmtes Muster erkennen. Ich würde aber auch gerne Leserinnen und Leser erreichen, die andere Meinungen vertreten, aber trotzdem etwas in meinen Beiträgen finden. Daraus könnten interessante Kommentare und Gespräche entstehen. Aber ganz ehrlich, wenn das alles nicht erreiche, ist die ganze Arbeit ja nicht umsonst. Einerseits gibt es viele Vorzüge (Bildmaterial vor Erscheinen sehen, manche Rezensionsexemplare behalten dürfen), andererseits hilft es dabei sich selbst kennenzulernen. Vorausgesetzt die Passion und ein gewisser Grundstock an bereits Gesehenem sind vorhanden, mündet das genaue Hinschauen (und auch das von-vorne-bis-hinten-Durchschauen), das kritische Nachdenken und das Niederschreiben der Gedanken in noch mehr Spaß an der Sache. Zumindest habe ich bislang keine schlechten Erfahrungen damit gemacht, es darf nur nicht zu viel werden, damit der Spaß nicht auf der Strecke bleibt und eine (Selbst-)Überforderung vermieden werden kann. Sonst hat am Ende niemand etwas davon.

Habe ich Vorbilder?

Vorbilder im Bezug auf mein eigenes Handeln, das sind wohl in erster Linie meine Familie und Freunde. Es gibt auch darüber hinaus viele Menschen (dazu gehören auch Stars), die ich wertschätze und die ich bewundere, nur eifere ich den meisten davon nicht nach. Oft schaffen sie fast Utopisches, an dem ich mich aber trotzdem orientiere, ohne ähnliches zu schaffen, nur um mich manchmal selbst in der Welt zurechtfinden zu können.

Welche Ratschläge würde ich meinem früheren Zuschauer-Ich geben? Kann man lernen, Filme/Serien besser auszusuchen, zu entdecken und zu genießen? Wie?

Davon habe ich gerade gesprochen: Eigentlich ist es bei mir ein ständiger Prozess, in dem sich Sichtweisen immerzu ändern können. Ich denke schon, dass ich Filme und Serien heute viel eher gezielt aussuchen, entdecken und genießen kann, weil die Erfahrungen in allen drei Phasen helfen können. Dass man sich dabei auch mal überwinden muss oder mitunter alte Lieblinge auf der Strecke bleiben, gehört dazu und deutet darauf hin, dass so etwas wie Liebe im Spiel sein muss, um diese Welt immer weiter auszukundschaften. Ein Ratschlag? Hey Ich, fang früher an, es gibt so viel zu entdecken! Ansonsten gehören alle Erfahrungen zu mir und meinem Ich dazu.

“Labels brauchen mich für PR. Sie brauchen mich mehr, als ich sie brauche” …oder “Toll! Labels und Presseabteilungen suchen Kontakt und bieten mir Filme und Serien an. Was für ein Glück!” Was überwiegt?

Wie gesagt, uns müsste Kultur wieder mehr Wert sein, dann würden wir uns einige Peinlichkeiten und Absurditäten ersparen. Da ich aber ein ziemlich kleines Licht im Spiel der großen Zahlen bin und mit meiner Stimme kaum etwas verändern kann, überwiegt bislang deutlich das Gefühl sehr viel Glück zu haben. Zwar werde ich nicht bezahlt, trotzdem ist es schön, wenn man sich mal ein Presseexemplar nach Hause geschickt bekomme. Es ist das Klischee vom Hobby, das in einem gewissen Sinne zum Beruf geworden ist und man sich so mit dem auseinandersetzen kann, was man so oder so konsumiert hätte. Trotzdem ist es schade, dass Maßnahmen wie Online- und Rücksendemuster oder Anti-Piraterie-Erklärungen zum Alltag gehören und die Rezensierbarkeit verschiedentlich einschränken können.

Was soll sich tun in meinem Blog und in meinem Leser-/Schreiber-Leben in den nächsten fünf Jahren:

Hoffentlich kann ich in den nächsten Jahren weiterhin ein paar Besprechungen beisteuern und meinen Hunger auf mehr Kulturwissen und –erlebnisse aufrecht erhalten. Das wird von der Qualität der Produktionen (weniger Zweifel) und der mir zur Verfügung stehenden Zeit (größere Bedenken) abhängen. Außerdem bin ich gerade dabe,i meine Bildungslücke „Buch“ zu bearbeiten, was mir zurzeit ebenfalls viel Spaß bringt.

Bei wieviel Prozent der Filme /Serien, die ich gesehen habe, denke ich danach: Mist. Ich wünschte, ich hätte das nie geguckt…? Steigt oder fällt diese Prozentzahl, Jahr für Jahr. Und: Warum?

Bislang hält sich das echt in Grenzen, weil auch schlechte Produktionen ihre guten Seiten haben. Geht es in den Serienbereich, spricht man aber dann doch schnell von verschwendeten Stunden, da könnte es in Zukunft deutlich häufiger vorkommen.

Bonus: Empfehlungen!

Eine Serie/ein Film, die fast alle mögen – aber die/der mich wütend oder ratlos macht: [warum?]

Bei „Dexter“ frage ich mich bis heute, warum ich mir alle acht Staffeln angetan habe. Die Kritiker zeigten sich lange Zeit begeistert, aber eigentlich fand ich das alles schon ab der zweiten Staffel ziemlich enttäuschend. Aus der Grundidee hätten die Macher viel mehr machen und auf viele WTF-Momente verzichten können. Nicht ganz so schlimm geht es mir bei der US-Version von „House Of Cards“, trotzdem fehlt mir da viel zu oft die Subtilität. Außerdem braucht es nun wirklich keinen Abgesang mehr auf die (US-amerikanische) Politik unserer Zeit. Gleiches gilt für „Homeland“.

Bei Filmen fällt mir zuerst „Interstellar“ ein, den ich durchaus für seine visuellen Effekte und einige Ideen wertschätze, der vor Logiklöchern aber nur so wimmelt. Das ist besonders schade, weil das nicht auf die tadellos recherchierten physikalischen Theorien zutrifft, sondern auf fast alles, was das Menschenbild angeht. Auch mit unserer deutschen Hoffnung „Victoria“ verbinde ich ein negatives Erlebnis, weil der Film so viel richtig macht und fantastisch umsetzt, dann aber an den entscheidenden Stellen Logik und Ruhe vermissen lässt.

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