Thomas Lang – Bulle & Bär – Der Ponzi-Trick (Buch)

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Thomas Lang - Bulle & Bär - Der Ponzi-Trick - Cover © acabus Verlag Kriminalromane oder Thriller sind eigentlich nicht der bevorzugte Lesestoff des Rezensenten. Wenn allerdings ein seit mehr als 20 Jahren geschätzter Kollege aus dem journalistischen Umfeld sein Romandebüt mit einem Thriller startet, siegt doch die Neugier. Hat er doch mit zahlreichen Fachbüchern zum Thema Automobil und Technik bereits gezeigt, dass eine vermeintlich trockene Materie Lesern durchaus unterhaltsam und vielschichtig näherzubringen ist.

Der nun vorliegende Wirtschaftskrimi zeigt die dunkle Seite von Geldgeschäften, die derzeit mit den sogenannten „Panama-Papers“ Schlagzeilen machen. Schon auf den ersten Seiten rechtfertigt Lang den Vertrauensvorschuss. Eine furiose Eingangsszene führt den Täter Norman Gerber ein. Als Trickbetrüger hat er seine Opfer um 900 Millionen Euro erleichtert und gerät bei seiner Flucht vor Polizei und Gläubigern mit seinem Privatflugzeug in einen Sturm und stürzt ins Mittelmeer. Die beiden Börsensymbole Bulle und Bär als Namenspatrone für den Thriller deuten es an, wo der Autor seinen kriminalistischen Schwerpunkt sucht: auf dem Feld der Wirtschaftskriminalität – eine erfreuliche Innovation im Reigen der Spannungsliteratur, gerade im Vergleich mit sonstigen, beispielsweise von lokalen Krimiserien oder psychopathischen Serienkillern geprägten Krimis.

Lang fängt den Leser schnell mit Fakten ein und zeigt mit den Machenschaften des Millionenbetrügers Gerber, wie tief und umfassend wirtschaftskriminelle Aktivitäten bereits praktisch alle gesellschaftlichen Bereiche durchdrungen haben und wie relevant diese Art von Kriminalität für jeden Einzelnen tatsächlich ist. Dies führte dazu, dass, diese 365 Seiten fast in einem Rutsch rezipiert wurden – unterbrochen nur durch eine kurze Nachtruhe. Im Licht der jüngst enthüllten „Panama-Papers“ ließen sich Lang geradezu visionäre Fähigkeiten unterstellen. Gleichwohl zeigt die Lektüre die Vorteile der journalistischen Ausbildung des Autos. Bestens unterhalten nimmt der Leser Hintergründe, Motive und Vorgehensweise des Täterspektrums quasi als informatives Bonusmaterial mit. Bis hin zu den psychischen Strukturen, die den Menschen zugrunde liegen, die frei von jeglicher Empathie ihre Taten planen und ausführen. Dennoch kein Anlass zur Sorge – der Roman ist kein verkapptes Sachbuch, sondern vor allem spannend und unterhaltend.

Der Millionenbetrüger Norman Gerber reizt mit hohen Renditen seiner Fonds. Geschäftsleute investieren Schwarzgeld und werden zum Opfer. Sie sind allerdings durch ihre Steuerhinterziehungen auch selbst Täter, die ihrer Gier erliegen. Aber auch der „kleine Mann“ kann im kriminellen Spinnennetz kleben, wenn er auf kompetente Finanzberatung seiner Bank vertraut. Ein Rentner setzt seine gesamte Altersversorgung ein – und als das ganze Geld futsch ist, sieht er keinen anderen Ausweg mehr als den Freitod. In diesem Moment wird Gerber auch ein „Mörder“. Ebenso folgt ein unerfahrener junger Anleger aus altem Geldadel der Duftspur der unüblich hohen Renditeversprechung. Er soll für seine blaublütige Familie durch Investitionen das Vermögen mehren. Gerber beendet sein Fondsgeschäft, als die ergaunerten Millionen reichen, um im Luxus bis ans Ende seiner Tage zu leben. Es kommt zu Anzeigen seiner Kunden bei der Polizei. Ein Unternehmer, der sein Schwarzgeld verlor, zahlt lieber an den Fiskus und nimmt Strafe in Kauf, als den Verbrecher Gerber und seine Komplizen davonkommen zu lassen.

Die Polizei nimmt die Fährte auf. Darunter die charakterfesten Hauptfiguren, der aus dem Ruhrgebiet stammende Hauptkommissar Rufus Kowalski als „Bulle“ und der renommierte Jurist und Wirtschaftswissenschaftler Dr. Dr. Ansgar D. Burmeester als „Bär“. Die unterschiedlichen Persönlichkeiten finden erst langsam in ihre Beziehung. Der durch den Unfalltod von Frau und Tochter traumatisierte „trockene“ Hauptkommissar aus dem Dezernat für Wirtschaftskriminalität eines Landeskriminalamts braucht Zeit, um den eloquenten und internationalen bestvernetzten wie erfolgreichen Rechtsanwalt zu akzeptieren. Die Kollegen Kowalskis tragen die Jagd nach Gerber mit, allen voran Kowalskis Kollege Maximilian Keller, „Mad Max“ genannt, der mit teils „autistischen“ Zügen die immer wieder stoppenden Ermittlungen neu befeuert. Kowalski muss klären, ob Gerber beim Absturz des Privatflugzeugs im Sturm vor Korsika wirklich ums Leben gekommen ist. Burmeester unterstützt diese Ermittlungen, auch weil er als Rechtsanwalt mit seinem Büro für das Oberhaupt der alten Adelsfamilie arbeitet, die von Gerber 80 Millionen Euro zurückfordert.

Die Komplexität wirtschaftskrimineller Aktivitäten kommt meist ohne Komplizen nicht aus. Einer von Gerbers „Banker“ wird wegen eines Mordes verfolgt. Dieses Verbrechen setzt eine actiongeladene Nebenhandlung in Gang, die die örtliche Polizei einschließlich Kowalski und Kollegen in Atem hält. Es ist ein Sparkassenüberfall mit 19 Geiseln. Was dann folgt, ist ein nervenaufreibendes Geiseldrama mit einem spannenden wie hochintellektuellen Ende. Diese Geiselnahme ist so innovativ, dass es nicht überraschte, wenn sie bald in einem Film auftauchte. Zu innovativ für die Polizei, die lange im Dunkeln bleibt. Hauptkommissar Kowalski, Mad Max und der die beiden unterstützende Rechtsanwalt Burmeester leisten Kernerarbeit: Aktenstudium, Befragungen, Ortsbesichtigungen und stetig neue Fallanalysen. Dann finden sie einen kleinen Anhaltspunkt, der sich als Stein im Gerber-Puzzle herausstellt. Die folgende kleinteilige Ermittlungsarbeit eröffnet die Möglichkeit, dass Gerber den Absturz fingiert hat. Bulle und Bär nehmen die Spur auf, die überraschende Verknüpfungen offenlegt. Ihre Dienstreisen führen sie in Metropolen und exotische Orte, deren detaillierte Beschreibungen denjenigen überraschen, der sich an denselben schon aufhielt. Kowalski und Burmeester finden auch den letzten Stein des Puzzles – auf den Seychellen. Dort hat Gerber nach dem vorgetäuschten Tod durch den Flugzeugabsturz sich niedergelassen. Damit ist nichts verraten, was die Spannung tötet. Auch nicht das Ende des Buchs. Denn das ist sowohl für den Leser als auch für den Verbrecher Gerber überraschend. „Bulle & Bär – der Ponzi-Trick“ ist ein Wirtschafts-Thriller, packend, unterhaltend und hält die Spannung bis zum Schluss. Achtung „Suchtpotenzial“ – und eine weitere Geschichte ist angekündigt.

Cover © abacus Verlag

  • Autor: Thomas Lang
  • Titel: Bulle & Bär – der Ponzi-Trick
  • Verlag: acabus Verlag
  • Erschienen: 15.12.2015
  • Einband: Kartoniert/broschiert
  • Seiten: 372
  • ISBN: 978-3-86282-383-6
  • ISBN: 978-3-86282-384-6 (E-Book)
  • Sonstige Informationen:
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Wertung: 12/15 dpt

Diese Rezension stammt von Gastrezensent Prof. h. c. (TJ) Dipl. Ing. Wolfgang Pester. Pester arbeitet als Journalist und Autor in Krefeld.


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von Gastautor Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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