MayBeBop – Extrem nah dran – Live in Minden (DVD)

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MayBeBop - Extrem nah dran (DVD)Nach der 2009er Gaudi „Ende September“ war es höchst erfreulich, dass mit „Extrem nah dran“ recht bald guckbarer Nachschub erhältlich war. Die Menüführung der Diesmal-nur-Einzel-DVD ist ein ganzes Stück spartanischer gestaltet, was aber nicht weiter tragisch ist, doch technisch scheint etwas schief gelaufen zu sein, denn während der gesamten Spielzeit fallen horizontale Streifen auf, die bei schnelleren Bewegungen für ein verzerrtes Bild sorgen – empfindlichen Augen fällt das Hinsehen demnach schwer. Aber wenn man sich den Spaß dadurch nicht nehmen lässt, hat man viel ebensolchen.

Comedy in Form des heißblütigen ‚Fpaniff‘, des dem Wahnsinn nahen ‚Kacktus‘, des knackig riffenden ‚Panzerfahrn‘, des völlig bekloppten ‚Vogellied‘ oder des technoiden ‚Mülltrennung beim Frühstück‘ gibt es zu bewundern, gefühlvolle Nummern wie ‚And So It Goes‘ (Billy Joel) oder das wunderschöne ‚Viel zu viel‘ erden den Hörer und Zuschauer wieder, und bei ‚Es war ein König in Thule‘, das das Quartett in ein Enigma-meets-Trip Hop-Gewand gepackt hat, kann man nur mit heruntergeklapptem Unterkiefer dem Treiben zuschauen: Selbst gesungene Echos und verschachtelte Beats in Perfektion, dann wieder mehrstimmige, Kanongesänge – man könnte fast glauben, die Hälfte käme vom Band – aber das ist nicht der Fall.

Höchstens ein paar Effekte werden auf die Stimmen gelegt, aber das auch nur, wenn es die jeweiligen Songs verlangen. Fakt ist, dass es wohl kaum eine kreativere, oral, glottal und pharyngal performende Band gibt als diese hier, und da ist es beinahe schon enttäuschend, dass das Konzert bereits nach nicht mal eineinhalb Stunden vorbei ist. Allerdings hat man auch dieses Mal ein paar Extras parat, und so gibt es neben vier Interviews mit den einzelnen Bandmitgliedern ein Making Of, ein für die Band mittlerweile traditionelles Improvisationsstück (die Zuschauer rufen fünf Begriffe in Richtung Bühne, ebenso Musikstile – und die Band bastelt spontan etwas daraus) sowie eine Demonstration, wie der Song ‚Mülltrennung beim Frühstück‘ zu seinem sonderbaren Sound kommt.

Fazitieren wir: Mit „Ende September“ hat man die Messlatte sehr hoch gelegt, und die wird dieses Mal leider nicht so ganz erreicht. An der Qualität der Musik und deren Darbietung liegt das keinesfalls – höchstens an der Quantität, defnitiv aber an am Drumherum, sprich der Ausstattung und der nicht ganz so liebevollen Gestaltung. Dennoch ist „Extrem nah dran“ jedem zu empfehlen, der wissen möchte, wie interessant A-cappella-Musik sein kann.

Cover © Traumton Records

  • Künstler: MayBeBop
  • Titel: Extrem nah dran – Live in Minden
  • Erschienen: 2011
  • Label: Traumton Records
  • Spielzeit: 85 Minuten (Konzert) + 70 Minuten (Bonusmaterial)
  • Tracklist:
    Extrem nah dran            
    Das Leben wischt Dir den Arsch nicht ab
    German Angst
    Warum gibt’s das?
    Viel zu viel
    Air
    Panzerfahrn
    Vogellied
    Mülltrennung beim Frühstück
    Fpaniff
    Sie liebt mich
    Es war ein König in Thule
    Kuscheln, Sex und Händchenhalten
    Es tanzt ein Bebop-Butzemann
    Kacktus
    And so it goes
  • Extras:
    Interviews
    Making Of
    Improvisationsstück
    Mülltrennung beim Frühstück – How to
  • Technische Details:
    Video: 16:9 anamorph Widescreen
    Audio: Stereo (drei Sänger und ein Subwoofer)
  • FSK: 0

Wertung: 11/15 dpt

(Diese Rezension erschien ursprünglich in noisyNeighbours #37 und wurde vom Verfasser für booknerds.de übernommen. Vielen Dank an dieser Stelle für die Gestattung der Artikelübernahme!)

 


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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