Shadowland (Dance-Show, DVD/Blu-Ray)

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Shadowland - DVD Cover © Universal Pictures Home EntertainmentZur Zeit wird die von Pilobolus präsentierte Truppe mit ihrem Programm „Shadowland“ als die neue Show-Sensation aus den USA gefeiert. Seit Oktober 2013 ist man auch wieder in Europa unterwegs und wird bis ins Jahr 2015 auf dem Kontinent umherziehen. In „Shadowland“ wird die Geschichte eines heranreifenden Mädchens erzählt, welches Zuneigung zu einem jungen Mann hegt, allerdings auch nach Unabhängigkeit strebt. Hierbei gleitet sie von der Realität, in welcher die Figuren real zu sehen sind, immer wieder in Traumwelten ab, welche als ebenfalls akrobatisches Schauspiel hinter der Leinwand in Form von Schattenspielen stattfinden.  Neben skurrilen und zuweilen morbiden Szenen findet sich hier auch sonderbarer Humor wieder.

Shadowland - Szenenbild © Universal Pictures Home EntertainmentIm Grunde muss man das komplette Team – auch die Personen, die nicht auf der Bühne performen – für seine Kreativität beglückwünschen, denn die Umsetzung der Bilder, gerade in den Schattentheatersequenzen,  ist als beinahe einzigartig zu beschreiben. Zwar wird auch viel mit Requisiten gearbeitet, doch die werden so selbstverständlich und auch oftmals unkonventionell eingesetzt, dass sie schlichtweg als absolut berechtigter Bestandteil zum Ganzen gehören, sodass auch Schattentheaterpuristen anerkennend nicken dürften.

Auch bei der Musik hat man sich Mühe gegeben und bietet dank Komponist David Poe eine angenehm alternative Palette der klanglichen Untermalung, die immer wieder durch Geräuschkulissen aufgebrochen und aufgelockert wird. Klischees werden souverän umschifft, und bei der körperlichen Darbietung wird davon abgesehen, zu starr an einer festen Choreographie fesztuhalten. Viel mehr wird einfach ein kleiner, imaginärer Roman in physischer, wortloser Form präsentiert.

Shadowland - Szenenbild © Universal Pictures Home EntertainmentDoch bei all der tollen Performancekünste machen sich hier und dort einige Längen bemerkbar – einerseits in der erzählten Geschichte, andererseits auch in den einzelnen Szenen, in denen man die Choreographie mit einigem Ballast aufgefüllt hat. Die Story selbst ist hierbei, wenngleich es sich selbstverständlich um eine halb geträumte Geschichte handelt, oftmals viel zu sehr auf das Abstrakte getrimmt, sodass man als Zuschauer stellenweise das Gefühl haben muss, dass der künstlerische Anspruch und die Demonstration der Virtuosität klar über dem der Unterhaltung stehen, sodass ein schaler Beigeschmack der Prätentiosität entsteht – selbst, obwohl man stets der Tatsache gewahr ist, dass Träume nun mal sehr abstrakt sein können. Einige wenige Kurzaufführungen, zusammengefasst zu einer kompletten Show, hätten hier deutlich mehr Sinn ergeben als eine künstlich in die Länge gezogen wirkende, gewollt epische Darbietung.

Richtig ärgerlich sind allerdings diverse Zeitlupensequenzen – diese gehören eventuell in Specials oder in Trailer, doch bei der aufgezeichneten Livedarbietung bekommen sie durch ihre eher suboptimale Technik, die im deutlichen Kontrast zu der der Aufführung steht, einen Sportsendungs-Charakter und stören den Fluss der Show erheblich. Es ist verständlich, dass hiermit auf die teils spektakulären Details aufmerksam gemacht werden soll, doch gerade bei einem Liveprogramm erscheint es völlig unpassend. Da die Gesamtspielzeit sich auf gerade mal rund achtzig Minuten beläuft, wäre doch deutlich mehr Platz für ein wenig Selbstbeweihräucherung und Zusammenstellungen der spektakulärsten Szenen gewesen als die zwanzig Minuten des Specials.

Shadowland - Szenenbild © Universal Pictures Home EntertainmentKritisiert werden muss auch die FSK 6-Einstufung, denn das Liveprogramm enthält so einige latent angsteinflößende Szenen, die für das ein oder andere jüngere Grundschulkind nicht gerade allzu gut geeignet sind, beispielsweise die Szene, in der die Träumende von Widersachern gejagt wird, welche sie mit Messern jagen und in einem Kessel zu Essbarem zubereiten wollen. Daher ist es Eltern empfohlen, „Shadowland“ erst einmal probezuschauen und abzuwägen, ob der Nachwuchs so etwas wegsteckt, bevor man ihn nichtsahnend vor die Mattscheibe setzt.

Es muss nicht immer höher, weiter, krasser und mehr sein – manchmal wirkt es Wunder, hier und da mal einen Gang zurückzuschalten und nicht aus allen Rohren zu feuern.

Cover und Szenenfotos © Universal Pictures Home Entertainment

  • Titel: Shadowland
  • Produktionsland und -jahr: Deutschland, 2013
  • Genre:
    Dance-Show, Performance, Schattenspiel
  • Erschienen: 17.10.2013
  • Label: Universal Pictures Home Entertainment
  • Spielzeit:
    80 Minuten auf DVD
    83
    Minuten aufBlu-Ray
  • Team und Performer: Pilobolus
  • Musik: David Poe
  • Extras:
    Shadowland Special, ca. 20 Minuten
  • Technische Details (DVD und Blu-Ray)
    Video: 16:9
    Audio:
    5.1
  • FSK: 6

Wertung: 8/15 dpt

 

 


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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Shadowland (Dance-Show, DVD/Blu-Ray)

von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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