The Classical Music Box (earBOOK, Buch mit 8 CDs), Text: Hartmut Möller

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The Classical Music Box earBOOK © edel AGHält man dieses earBOOK zum ersten Mal in den Händen, denkt man sich einfach nur: »Wow!«, denn hinsichtlich Aufmachung hat die edel AG so ziemlich alles richtig gemacht. Das mächtige, über zwei Kilogramm schwere Kompendium der klassischen Musik besitzt fast die Größe und Tiefe einer LP-Box und wird in einem hochwertigen, stoffbezogenen Pappschuber verwahrt, der zudem auch noch dezent, aber ebenfalls aufwändig bedruckt wurde – teilweise mit Prägung. Entnimmt man das Buch diesem Schuber, geht das Staunen weiter.

Das Buch selbst ist ebenfalls mit Stoff bezogen und wurde auf gleiche Weise bedruckt. In beide Buchdeckel sind Aussparungen eingestanzt, in welchen jeweils vier Audio-CDs ihren Platz finden – die Hochwertigkeit findet demnach nahtlos ihre Fortsetzung. Doch auch der Inhalt zwischen jenen Buchdeckeln kann sich sehen lassen, denn dieser wurde liebevoll gestaltet, illustriert und strukturiert, und auf 196 Seiten schweres, hochglänzendes 150g/m³-Papier gedruckt. Da herkömmliche Lesezeichen von diesem dicken Brummer verschluckt werden wie ein Erdnussflip von einem Elefanten, ist ein Lesebändchen eingearbeitet, sodass man die unterbrochene Lektüre mit begleitendem Soundtrack ohne viel Aufwand fortführen kann.

Nach einer kurzen Einleitung, einer Art Zeitraffer des Zeitraumes von 5000 v. Chr. bis zum Jahr null, werden die verschiedenen Epochen der klassischen Musik chronologisch behandelt, von Alter Musik über Barock, Klassik bis hin zur Romantik und letztendlich zur Moderne. Die von Prof. Dr. phil. habil. Hartmut Möller verfassten, in alter Rechtschreibung gehaltenen Texte sind hierbei detailreich und finden ein gutes Mittelmaß zwischen Gehalt und Erzählung – es findet also weder eine trockene Abhandlung noch ballastschwangere Salbaderei statt: Man erfährt alles Relevante, ohne von Informationen überschüttet zu werden.

Aufgelockert von weit über einhundert Abdrucken von Kunstwerken, die die unzähligen Komponisten in Form von meist porträtierenden Ölgemälden, Kupferstichen, Zeichnungen, Fotografien und Holzschnitten und anderen Arten der künstlerisch-visuellen Darstellungen zeigen, wird einem Zeitstrahl ähnlich in zwei Spalten – links in englischer, rechts parallel in deutscher Sprache – die Entwicklung der Musik erzählt. Obendrein finden sich einige Zitate, Fußnoten, Anmerkungen und Originalnotenabdrucke in diesem Buch wieder. Begleitend werden an der rechten Randspalte, ebenfalls nicht selten bebildert, geschichtliche Ereignisse in Kurzform erwähnt, die nicht selten auch mit den Vitae der Komponisten verwoben sind und von daher sehr viel Sinn ergeben.

Die Wertigkeit dieses Werkes hat damit jedoch noch kein Ende gefunden, denn die Aufnahmen, allesamt natürlich labeleigen, sind gleichermaßen von höchster Güte. Von Chören über Spinett- bis hin zu Klavierstücken , von kleinen Kapellen bis zu gigantischen Orchestern, von Bläsern über Opernarien findet der Hörer einen sehr guten Querschnitt durch die vom Barock bis zur Moderne reichende Kompositionskunst, und das jeweils in glasklarem Sound, mit viel Dynamik – das Leise ist leise, das Laute hat Kraft und Wucht – das audiophile Herz schlägt aufgeregt.

Neben den Klassikeinsteigern vielleicht nicht ganz so bekannten Komponisten wie Alban Berg, Jacques Offenbach, Francois Couperin, Carl Maria von Weber, Heinrich Schütz, Hans Leo Hassler oder Heinrich Isaac bekommt man selbstverständlich auch viele Standards in Form großer legendärer Namen geboten, so zum Beispiel Georg Friedrich Händel, Johann Sebastian Bach, Georg Philipp Telemann, Antonio Vivaldi, Joseph Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Ludwig van Beethoven, Franz Liszt und Franz Schubert. Oder Nikolaus Rimsky-Korsakov („Hummelflug“), Johann Christian Bach, Carl Philipp Emanuel Bach, Giacomo Puccini, Igor Stravinsky, Carl Orff, Leonard Bernstein, Alfred Schnittke, Claude Debussy, Richard Wagner, Johannes Brahms, Frédéric Chopin und wie sie alle heißen.

Im Anhang werden aus jeder Epoche noch einmal die Lebensdaten aller erwähnten Komponisten und Komponistinnen aufgelistet, anschließend die Tracklisten aller acht CDs noch einmal in ausführlicherer Form, mit Angabe der musizierenden Orchester, Kapellen oder Künstler.

Selbst wenn man nicht unbedingt viel mit Klassik am Hut hat oder hatte, erkennt man, sofern man ein offenes Ohr für seine Umgebung besitzt, mehr als die Hälfte der hier präsentierten Stücke problemlos. Hat sie schon einmal irgendwo gehört. Als Untermalung. Irgendwann mal. In Filmen, Serien, bei Fernsehaufführungen. In Computerspielen. Im Radio. Als Neuinterpretationen – selbst als Performances in fragwürdigen Castingshows.

Diese Stärke, nämlich die komplette klassische populäre Palette abzudecken,  ist, sodenn man ein Haar in der Suppe zu suchen versucht, gleichzeitig auch die Schwäche dieses earBOOKs, denn auch wenn dieses, nennen wir es Handbuch zur Klassik, kaum Wichtiges auslässt, so bestehen die acht CDs größtenteils aus Konsens-Werken. Selbstverständlich findet sich Beethovens „Mondscheinsonate“ und die „Ode an die Freude“ hier ebenso wie Stravinskys „Frühlingsopfer“, Orffs „Camina Burana: O Fortuna“, Wagners „Parsifal“, Bachs „Weihnachtsoratorium“, Vivaldis „Vier Jahreszeiten: Frühling“, eben erwähnter „Hummelflug“ von Rimsky-Korsakov oder Franz Schuberts „Die Winterreise“ – doch die experimentelle, atonale und progressivere Klassik findet leider nur am Rande oder überhaupt nicht statt. So wäre es schön und komplettierend gewesen, wenn man beispielsweise Arvo Pärt, Philipp Glass und dergleichen noch ein Plätzchen auf der akustischen Komponente dieses earBOOKs geschenkt hätte.

Andererseits: Würde man es allen recht machen wollen, müssten sowohl Buch als auch CDs den dreifachen Umfang besitzen.

Für Freunde, die die Essentials der klassischen Musik auf einen Blick und auf einen Griff parat haben wollen, ist „The Classical Music Box“ jedenfalls eine gute Wahl, ebenso für die, die sich als Einsteiger einen relativ umfassenden Eindruck verschaffen wollen.

Cover © edel AG

Wertung: 11/15 dpt


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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