Casbah – Verbotene Gassen (Spielfilm, DVD)

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Casbah - Verbotene Gassen - Cover © Koch MediaCasbah – Verbotene Gassen ist in der Reihe der Noir Klassiker bei Koch Media erschienen, kann aber, wie andere Filme in der Edition auch, kaum im Ansatz mit Noir assoziiert werden. Stattdessen wird ein Gangsterfilm geboten, dessen Setting orientalisch verfremdet wurde. Dabei sind die Machtpositionen klar verteilt: Weiße Männer stehen oben, danach kommen die Frauen, dann die Einheimischen. Das Gesetz behält Recht, aber ist schwach; die Verbrecher sind charismatisch, aber laufen ihrem Ende entgegen. Schwer erträgliche Musical-Einlagen machen den Film selbst für ambitionierte Orientalismus-Forscher*innen zu einer kleinen Tortur. Kurz: Die Koch’sche Edition hat ein paar wunderbare Titel im Programm (etwa Ministerium der Angst). Casbah jedoch gehört keinesfalls dazu.

Das Setting ist schnell erklärt und kann bekannt sein, da es sich um ein Remake von Algiers (1938) handelt, das selbst schon ein Remake des französischen Films Pépé le Moko (1937) ist: Pépé Le Moko ist ein Krimineller, der in einer ehemaligen Festung in Algier lebt, wo er von der Polizei nicht festgenommen werden kann, weil die Einheimischen ihn verehren und schützen. Er verliebt sich in die Frau eines reichen Kaufmanns und beschließt die Casbah zu verlassen.

Der Regisseur John Berry inszeniert Peter Lorre als ausgefuchsten Inspektor Slimane, ein Grenzgänger, der weder vom Gesetz noch den Verbrechern wirklich ernst genommen wird, als Antagonisten, der Le Moko aus seiner Festung lockt. Im Verbund mit der willkürlich anmutenden Liebesgeschichte und dem einhergehenden Fluchtgedanken ist das aber eigentlich gar nicht nötig: Pépé Le Moko verlässt die Festung, weil er es will. Das lässt dem Film nicht nur nach gegenwärtigen Mustern von Spannungsbögen zu einer Farce werden – Spannung wird hier eher imitiert, als dass sie aufgebaut würde. Selbst, wer auf den Reiz des Exotischen hofft, wird größtenteils mit fantasielosen Studioaufnahmen abgespeist; auch Peter Lorre bleibt hinter der platten Schablone seiner Rolle zurück – immerhin singt er nicht, obwohl es sich fast um ein Musical handelt. Dass es Gesangseinlagen gibt, ist übrigens ist einer der wenigen Unterschiede, die es zum ‘Vorbild’ Algiers (1938) gibt.

Daneben gibt es Slapstick-Einlagen, die neben der kolonialen Armut wie bloßer Hohn anmuten; zwar werden die treibenden Kräfte der Kolonisierung, der unfähige Polizeichef Louvain lächerlich gemacht, doch die Superiorität des Weißen zeigt sich unmissverständlich im bedingungslos (und grundlos) verherrlichten Pépé Le Moko. Hier wird nicht Zivilisation gegen Primitivität ausgespielt, aber das heißt noch lange nicht, dass der Film nicht rassistisch wäre – worin absurderweise sein einziger Reiz liegt: Nämlich als Untersuchungsobjekt für Kulturwissenschaftler und Rassismusforscher*innen.

Wie vertrackt allerdings die moralische Rolle des Films ist, zeigt sich an dem merkwürdigen Widerspruch, dass es sich bei Jerry und Lorre um als Kommunisten in der McCarthy-Ära Verfolgte handelte – während der Titelsong mit dem schauerlichen Titel “For Every Man There’s a Woman” eine Oskarnominierung erhielt. Das macht den Film leider nicht sehenswerter.

Cover © Koch Media

2/15 dpt

  • Titel: Casbah – Verbotene Gassen
  • Originaltitel: Casbah
  • Produktionsland und -jahr: USA, 1948
  • Genre:
    Musical
    Abenteuer
    Schmonzette
  • Erschienen: 28.04.2016
  • Label: Koch Media
  • Spielzeit:
     
    82 Minuten auf y DVDs
  • Darsteller:
    Yvonne De Carlo
    Peter Lorre
    Tony Martin
  • Regie: John Berry
  • Extras:
    Auflistung der Extras, ggf. mit Gesamtlänge selbiger.
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    1.33:1 (4:3)
    Sprachen/Ton
    :
    z.B. D, GB, IT, S
    Untertitel:
    z.B. D, F, E, RU
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    Bildverhältnis, z.B. 16:9, 1,85:1
    Sprachen/Ton
    :
    D, E
    Untertitel:
    D
  • FSK: 16
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Über den Autor

Tim König


Studiere im Lehramtsmaster Deutsch und Philosophie/Ethik an der Humboldt-Universität Berlin. Mit Freundinnen und Freunden gebe ich die anwesenheitsnotiz heraus, die an der Freien Universität Berlin angesiedelt ist, an der ich meinen Bachelor gemacht habe. Obwohl ich einen Großteil meiner Zeit in hinter Büchern, in Klassenräumen oder vor der Filmleinwand verbringe, habe ich nach wie vor die ein oder andere Liaison mit Film/Comic/Videospiel/Kunstaustellung/Musik. Vor allem Musik, mit einer besonderen Vorliebe für Avantgardistisches, auch in Gestalt von Pop.

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von Tim König Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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