© Tobis

In “The Father” zeigt sich Anthony Hopkins in einer ungewohnten Rolle: verletzlich, verwirrt, hilflos. Nie war die Darstellung des Oscar-Preisträgers weiter entfernt vom berüchtigten Hannibal Lecter in “Das Schweigen der Lämmer”.

Die Filmumsetzung des Theaterstücks “Der Vater” (Le Père) des Franzosen Florian Zeller, übernimmt dieser höchstpersönlich. Das Filmdebüt gelang und wurde mit zwei Academy Awards (vulgo: Oscars(R)) ausgezeichnet: für den besten Hauptdarsteller und für das beste adaptierte Drehbuch.

Anthony Hopkins spielt Anthony. Ein stolzer Mann, reich an Lebenserfahrung und selbstbewusst. Er lebt scheinbar alleine in seinem Londoner Apartment, wo er von seiner Tochter Anne besucht wird. Diese macht sich Sorgen um ihren Vater, nachdem Anthony konsequent Hilfeleistungen ablehnt. Dies führt vor allem auch zu Diskussionen mit Annes Mann Paul. Für Anthony ist das komplett unverständlich, ging er doch davon aus, dass seine Tochter mit dem Ungustl nicht mehr zusammen ist und ohnehin bald nach Paris zieht, um dort mit einem neuen Mann zu leben.

Seltsam mutet es ihm an, dass Anne plötzlich komplett anders aussieht und in Anthonys Wohnung vermeintlich fremde Menschen herumlaufen. Auch verschwindet ständig seine Armbanduhr.

Schnell wird klar, dass Anthony an Demenz erkrankt ist und zwar in einem fortgeschrittenen Stadium. Die Gemütslage des älteren Herren wechselt von himmelhochjauchzend bis zum Tode betrübt, die Aggressionen gegenüber seinen Mitmenschen steigen und die Angst den Verstand zu verlieren, ist steter Begleiter.

Anthony Hopkins mimt diese Gratwanderung nahezu perfekt.  Nachdem die Geschichte aus seiner Sicht erzählt wird, leidet und sympathisiert man mit der Figur des Anthonys mit und stellt die Erzählungen der anderen Personen in Frage.

Doch Regisseur und Autor Florian Zeller führt das Publikum gezielt in die Irre. Ist Anthony nun in seiner Wohnung oder doch bei seiner Tochter. Warum sieht diese auf einmal komplett anders aus? Sicherlich aufgrund der Tatsache, dass wir einmal Olivia Colman und dann wieder Olivia Williams zu Gesicht bekommen.

Die subtilen Andeutungen werden immer mehr, sodass man sich gegenüber dem Ende hin die Frage stellen kann, ob sich Anthony das ohnehin nur alles einbildet und er schon längst in einem Pflegeheim untergebracht ist.

Anthony bekommt eine neue Pflegerin (links) und zeigt sich von seiner besten Seite.

Schonungslos zeigt uns “The Father” die Hilflosigkeit der Beteiligten. Während man Anthony ein würdevolles Altern ermöglichen will, sorgt seine Verwirrtheit für mitunter gefährliche Szenen. Ebenso steigt nach und nach die Aggressivität. Einerseits bei Anthony, weil er davon überzeugt ist, gesund zu sein und andererseits beim Partner von Anne.

Jede*r mit Erfahrungen mit Demenzkranken wird Gesehenes nachvollziehen können, vielleicht sogar teilweise (peinlich) berührt.

“The Father” lebt hauptsächlich von der Darstellung Anthony Hopkins, egal ob Mimik, kleine Bewegungen, ein verschmitztes Lächeln – der Brite zeigt sein ganzes Können, jedoch ohne aufdringlich zu wirken. Die Entwicklung seiner Filmfigur ist beeindruckend zu beobachten, ebenso wie das Ende, welches doch recht offen gehalten wurde.

Fazit: “The Father” ist ein beeindruckendes und teilweise verstörendes Filmerlebnis mit einem meisterhaften Anthony Hopkins.

  • Titel: The Father
  • Originaltitel: The Father
  • Produktionsland und -jahr: GB 2020
  • Genre:
    Drama
  • Erschienen: 12/2021 (DVD)
  • Label: Tobis / Leonine
  • Spielzeit:
    94 Minuten auf 1 DVD
    98 Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller:
    Anthony Hopkins
    Olivia Coleman
    Imogen Poots
  • Regie: Florian Zeller
  • Drehbuch: Christopher Hampton
    Florian Zeller
  • Kamera: Ben Smithard
  • Schnitt: Yorgos Lamprinos
  • Musik: Ludovico Einaudi
  • Extras:
    Trailer, Interviews (OV), B-Roll, Making Of, Bildergalerie
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    2,40:1 (16:9 anamorph)
    Sprachen/Ton
    :
    D, GB
    Untertitel:
    D, GB
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    2,40:1 (1080p/24)
    Sprachen/Ton
    :
    D, GB
    Untertitel:
    D, GB
  • FSK: 6
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten


Wertung: 13/15 dpt

 

Szenenbilder: © Tobis


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