The Rezort – Willkommen auf Dead Island/Die Zombie-Safari (Spielfilm, Blu-Ray)

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“I’m convinced that if my generation was faced with a zombie apocalypse, there would be zombie rights activists.” Dieses Meme macht gelegentlich im Netz die Runde und wird gerne dazu missbraucht, Flüchtlinge mit Zombies gleichzusetzen. Doch abgesehen von dieser menschenverachtenden Lesart steckt dahinter ein Gedanke, der vielen der besseren Zomibiefilme und –serien zumindest latent innewohnt: Wo hört das Menschsein auf, und ab welchem Punkt wird ein Zombie eine hirnlose Fressmaschine, die man skrupellos zerschießen darf? Kann man etwas töten, das schon tot ist, beziehungsweise sind Zombies untot oder das Paradoxon “lebende Tote”?

“The Walking Dead”, jene Serie, die das “Z”-Wort ja meidet wie der Teufel das Weihwasser, beschäftigte sich zumindest in frühen Nebensträngen mit diesem Problem, fand aber keine Antwort und ließ es wieder fallen. George A. Romero versuchte seit “Day Of The Dead” experimentell ein Miteinander zumindest in Erwägung zu ziehen und zeigte, dass seine wandelnden Toten ein rudimentäres Bewusstsein, Erinnerungsvermögen und grobmotorische Handwerksfähigkeiten besitzen. Unter anderem in “Shaun Of The Dead” funktioniert die Integration, das legt zumindest die Schlusspointe nahe. Im kommenden Kinofilm “The Girl With All The Gifts” steht die Frage nach möglicher Koexistenz noch intensiver im Mittelpunkt.

Und auch in “The Rezort” (der ursprüngliche Untertitel “Willkommen auf Dead Island” scheint mittlerweile durch “Die Zombie-Safari” ersetzt worden zu sein) existiert eine Aktivistengruppe, die sich um die Rechte von Mensch und Zombie sorgt, in nachdenklichen Pausen wird sogar nahelegt, dass beides untrennbar miteinander verbunden ist. Dabei ist “The Rezort” kein intellektueller Thesenfilm, sondern ein recht rechtschaffener B-Actioner, bei dem es in erster Linie um rennen, killen, retten und flüchten geht. Die Prioritäten sind unterschiedlich gesetzt.

Ein Virus, der Infizierte in kannibalistische Zombies verwandelt, hat die Menschheit bis auf zwei Milliarden Überlebende ausgelöscht. Die Apokalypse wurde aufgehalten, die Virusträger wurden eliminiert. Bis auf eine gewisse Anzahl, an denen Versuche unternommen werden, den Virus zu erforschen und andere, die auf einer entlegenen Insel als Schießbudenfiguren für wohlhabende Touristen herhalten müssen. Natürlich durch diverse Sicherheitsvorkehrungen auf Distanz gehalten

Eines Tages geht etwas fürchterlich schief, alle Systeme versagen, die Zombies können sich frei auf der Insel bewegen, sind plötzlich kein hilfloses Kanonenfutter mehr. Wir verfolgen das Schicksal einer willkürlich zusammengewürfelten Gruppe, die sich von ihrem Schießstand in der freien Natur eilig zum Hafen begeben muss, bevor das sogenannte Brimstone-Protokoll ausgeführt und die ganze Insel in Klump und Asche bombardiert wird.

Niemand dürfte es verwundern, dass der Trupp bei seiner Flucht vor und durch Zombiehorden dezimiert wird. Am Ende bleiben genau die übrig, von denen man es erwartet. Oder vielleicht doch nicht? Der Epilog wird’s richten, oder vielleicht auch nur im Erfolgsfall einen zweiten Teil einleiten. Kennt man, weiß man, war man schon.

“Jurassic Park trifft auf The Walking Dead” heißt es in der Werbung zum DVD/BluRay-Release. Ganz abwegig ist das nicht, orientiert sich doch der Handlungsverlauf offensichtlich am großen Dinosaurier-Vorbild. Im “Rezort” beginnt der Kollaps mit der aufmüpfigen Aktivistin Sadie, die sich Daten aus dem Sicherheitscenter herunterlädt, dabei versehentlich Mechanismen in Gang setzt, die zum Komplettausfall aller Systeme führen.

Keine große Überraschung, dass Sadie Teil jenes Ensembles im Mittelpunkt des Geschehens ist. Unerwartet hingegen, dass sie nicht von ihren Begleitern den Zombies zum Fraß vorgeworfen wird, nachdem diese ihre Beteiligung am lebensbedrohlichen Desaster herausgefunden haben. Doch die Redlichkeit ihrer Motive wird anerkannt, gleichzeitig entdeckt die Gruppe, warum die Anzahl der Zombies auf der Insel, nach dem vermeintlichen Sieg der Menschheit über den Virus, nicht geschrumpft ist. Im Gegenteil. Experimentelle Mediziner (mit militärischem Hintergrund) und profitorientierte Konzernvorstände sind, wie gewohnt, ein gewinnbringendes Bündnis eingegangen. Im Dienste der Menschheit, sagen sie. Das ist nicht nur gelogen, sondern fliegt ihnen in “The Rezort” um die Ohren.

Diese Meta-Ebene bleibt bis auf wenige Sequenzen ein Nebenschauplatz, klar heraus wird aber gestellt, dass die Untoten einen kleinen Teil ihres Wahrnehmungs- und Erkenntnisvermögens behalten haben. Dafür reichen Blicke, ein kurzes Zögern und unterschiedliche Reaktionen auf bestimmte Personen. Was die zynische und selbstsüchtige Leiterin des “Rezorts” zu spüren bekommt.

Der Vergleich mit “The Walking Dead” hinkt mehr als der mit “Jurassic Park”. Liegt doch die Asylum-/Syfy-Produktion “Z-Nation” um einiges näher. Alleine schon dem Umstand geschuldet, dass “frische” Zombies wesentlich schneller rennen können, als länger Dahingeschiedene. Das sorgt für zahlreiche Sprints, die einen wesentlichen Teil der Handlung ausmachen. Unterbrochen von Kampfsequenzen, die zwar blutig, aber ziemlich schnell geschnitten und jeweils relativ kurz sind. Die Freigabe ab 16 Jahren geht völlig in Ordnung, auf allzu explizites Wühlen im Gedärm wird weitläufig verzichtet.

Visuell ist “The Rezort” gediegen, findet gar höchst atmosphärische Bilder (Luftaufnahmen) zum Einstieg, während noch relativ wenig passiert. Es werden halt die Figuren eingeführt, die meisten auf wenig sympathische Weise. Kotzbrocken mit Kohle, notgeile Jugendliche, desinteressierte Komparsen, denen man buchstäblich einen zünftigen Zombiebiss in den Allerwertesten wünscht. Dieser Wunsch wird zahlreich erfüllt.

Es gibt ein bisschen Karibikurlaubsatmosphäre mit eigenwilligem Animationsakt, Hauptfigur Melanie wird etwas mehr in den Fokus gerückt, ihre Motivation (die Verwandlung und den Tod des Vaters zu überwinden) beleuchtet. Die zweite tragende Rolle, noch vor Melanies Freund Lewis, geht an Archer, den schweigsamen Einzelgänger, der von sich behauptet, dass er auf der Insel ist, weil seine einzige Kompetenz darin besteht, Zombies zu killen. Dougray Scott (immerhin mal ein ernsthafter James Bond-kandidat) spielt ihn ohne großen Aufwand im Schlafwandlermodus. Jessica De Gouw de als Melanie muss sich ein wenig mehr anstrengen und kriegt das gut hin. Martin McCann als Lewis bleibt – der Rolle geschuldet – weitgehend blass. Elen Rhys vermittelt in der Rolle der Aktivistin das Gefühl, dass sie mehr kann, als ihr “The Rezort” abverlangt. Darauf kann sie mit Scott gemeinsam einen trinken gehen Der Rest der Besetzung changiert zwischen erträglich, nervig oder einfach anwesend bis zum Biss.

Hätte schlimmer kommen können. Das gilt auch für die innere (Un)logik und die Effekte. Das vermutlich überschaubare Budget wurde jedenfalls nicht vergeudet. “The Rezort” ist ein gediegener Actionreißer, dessen Gruselfaktor gegen Null tendiert, der trotzdem ein paar spannende Augenblicke bereithält, die aber nicht an den Nerven zerren. Schon gar nicht zehren. Im Ansatz existieren einige gute Ideen, die aber zu beiläufig umgesetzt werden. Interessant ist, wie beim kürzlich besprochenen “Dead Rising: Endgame” die fast vollständige Abwesenheit von Ironie und Komik. Für ein wenig grimmigen Humor sorgt Dougray Scott, während die überkandidelten, jugendlichen Scherkekse Jack und Alfie ziemlich nervig sind.

Doch wir wollen nicht zu streng sein. “The Rezort” ist ein redliches Werk der Kategorie B (mit Tendenz zum C), das sich ein paar Gedanken macht und seine sattsam bekannte Geschichte schnörkellos, mit nicht mehr als der unbedingt nötigen Hektik, runtererzählt. Vom großen Kino ist das weit entfernt, doch für einen gemütlichen Fernsehabend reicht es dicke.

Cover und Fotos © Ascot Elite

  • Titel: The Rezort -Willkommen auf Dead Island/Die Zombie-Safari
  • Originaltitel: The Rezort
  • Produktionsland und -jahr: Belgien, Großbritannien, Spanien, 2015
  • Genre:  Action, Horror, Drama
    Erschienen: 16.09.2016
  • Label: Ascot Elite Home Entertainment
  • Spielzeit:
    90 Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller:
    Dougray Scott
    Jessica de Gouw
    Martin McCann
    Elen Rhys
    Regie: Steve Barker
  • Drehbuch: Paul Gerstenberger
  • Musik: Zacarías M. de la Riva    
  • Kamera: Roman Osin    
  • Extras: Behind the Scenes, Originaltrailer,
    Trailershow
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video: 1920x1080p (2.39:1)
    Sprachen/Ton:
    Deutsch DTS-HD MA 5.1, Englisch DTS-HD MA 5.1
    Untertitel:
    Deutsch
  • FSK: 16
  • Sonstige Informationen:
    Filminfos und Erwerbsmöglichkeiten @ Ascot Elite

Wertung: 8/15 zombifizierte all-you-can-eat-Urlaube

 


Über den Autor

Jochen König


Jochens Nerd-Schreibtisch

Stationen: Aufgewachsen in Siegen, weitergezogen nach Münster, dann nach Berlin und wieder zurück nach Idyllistan, sprich Münster. Meinen ersten Roman “Mitternachtsblues” (sowie diverse Sachbücher mit Beiträgen von mir) gibt es tatsächlich noch zu kaufen; ob man die Hörspiele aus meiner Berliner Zeit noch empfangen kann, ist eher zweifelhaft. Ansonsten bin ich Sachbearbeiter, Teilzeit-Buchhändler und war sieben Jahre für die, sogar mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnete, Krimi-Couch tätig.

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von Jochen König Artikel-Lesezeit: ca. 5 min
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