Matthias Brodowy – Gesellschaft mit beschränkter Haltung (Liveprogramm, 2 CDs)

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Matthias Brodowy - Gesellschaft mit beschränkter Haltung - Cover © ROOF RecordsNeues Jahr, neues Programm. Seit Januar 2017 ist der niedersächsische Kabarettist Matthias Brodowy mit seinem neuen Soloprogramm „Gesellschaft mit beschränkter Haltung“ unterwegs, und im Grunde hat sich nicht viel an seinem Rezept der Unterhaltung geändert – was als positiv zu bewerten ist. Denn es ist auf gewisse Weise erfrischend. Während nämlich die meisten Kabarettisten stumpf auf sämtliche gerade durchs Dorf zu treibenden Säue einprügelt, von Merkel über FDP und Griechenland bis zum Flughafen, AfD, Trump – so wie wir es von Auf-Knopfdruck-lustig-Formaten wie der „heute show“ kennen und wie es der Lauf der Zeit vorgibt – weiß Brodowy dies viel wohldosierter zu tun.

Das macht sein Programm inhaltlich nicht weniger politisch – doch anstatt die Texte zu verschlagworten, werden all die Themen sehr geschickt in den Rest des Programms verflochten, es finden sich Querverweise innerhalb der über zwei Stunden des Vorgetragenen. Und so ist „Gesellschaft mit beschränkter Haltung“ ein sehr ausgewogener Mix aus Politik, Gesellschaftskritik, Alltag, Selbstironie und Menschlichkeit – hier und da auch mit einigen ernsten Momenten. Sicher, der Rechtspopulismus bekommt sein Fett weg, die Erdopetrystorchs und die Trumputinorbánlepens, auch die Digitalisierung und Virtualisierung der Welt, die Kommentarspalten in den sozialen Medien. Es wird indirekt die Frage in den Raum geworfen, was Freiheit denn nun konkret ist. Doch überall dazwischen menschelt es. Und ab und an holt Brodowy auch mal seine Klassiker aus der Kiste („Stadt mit Keks“ und das Beinahe-Abschiedsritual „Irgendwann“). Und wie es sich für echte Brodowy-Programme gehört, wird in „Liedermacher, nur als Band“-Manier auch der ein oder andere Song eingestreut, wobei hier von Blues bis Chanson ein bunter Stilmix dargeboten wird.

Wohltuend ist auch, dass seine Texte und seine Performance nie allzu auswendig gelernt wirken, was bei zahlreichen Kabarettisten, spätestens, wenn man sie ein zweites Mal mit demselben Programm(teil) sieht, ja oftmals der Fall ist. Immer scheint hier und dort noch Platz für etwas Spontaneität zu sein. Gentleman Brodowy ist stets irgendwo zwischen niedersächsisch-kühl temperamentvoll, aber bleibt in seinen lauteren Momenten sowohl unaufgeregt als auch unhysterisch, und wenn es ruhiger und kühler wird, weiß man, dass da noch etwas um die Ecke lauert.

Es klingt fast ein wenig floskelhaft, zu sagen, dass man bei diesem digitalen Doppeldecker genau das bekommt, was darauf steht: Brodowy, wie man ihn kennt und schätzt – Und sollte man noch nichts von ihm gehört oder gesehen haben, so kann man nur sagen: YouTube ist Dein Freund.

Wertung: 13/15 dpt

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Über den Autor

Chris Popp

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Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 In Mannheim geboren, in der Pampa vor Kassel lebend. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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