Bordello Of Blood – (Spielfilm, Blu-Ray)

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„Tales From The Crypt“ war ursprünglich eine Comicreihe, die zwischen 1950 – 55 in den USA erschien. 1972 und 1973 erschienen zwei Filme unter dem gleichen Signet („Geschichten aus der Gruft“, OT. „Tales from the Crypt“, Regie Freddie Francis und „In der Schlinge des Teufels“, OT. „The Vault of Horror“ von Roy Ward Baker), weitere filmische Anthologien wie „Die unheimlich verrückte Geisterstunde“ aka „Creepshow“, „Drei Wege in den Tod“ („Two-Fisted Tales“) oder die Fernsehserie „Tales From The Darkside“ schlossen sich an. Von 1989 bis 1996 leitete der animierte, knöcherne Cryptkeeper die jeweiligen Episoden der „Geschichten aus der Gruft“ („Tales From The Darkside“) ein und kommentierte schwarzhumorig das sarkastisch-moralische Ende der einzelnen Folgen. Denn darauf lief es meist hinaus: Wer sich mit den Mächten der Finsternis anlegt, wird seine Seele nicht mehr im Schonwaschgang gereinigt bekommen.

Logisch, dass man auf dem Höhepunkt des Erfolgs beschloss, den Cryptkeeper ins Kino zu schicken. Drei Filme wurden geplant, zunächst wurden mit „Ritter der Dämonen“ („Demon Knight“, 1993) und „Bordello Of Blood“ (1996) zwei der Werke publiziert, der dritte und außergewöhnlichste „Das Ritual – Im Bann des Bösen“ („Tales from the Crypt presents: Revelation / Ritual“) wurde nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf DVD herausgebracht, Verweise auf die Serie und den Cryptkeeper wurden eliminiert. Ursprünglich sollte dieser dritte Teil unter dem Titel „Dead Easy“ der erste Film zur Serie sein, doch man zog „Ritter der Dämonen“ vor und nach dessen mäßigem Erfolg (immerhin!) an der Kinokasse auch „Bordello Of Blood“, basierend auf dem ersten Skript, das Robert Zemeckis und Bob Gale verfassten.

Ein kleiner Filmstudentenulk, eine Horrorkomödie über die wiederbelebte Lilith, Königin der Vampire, die in einem Bordell, stilbewusst unterhalb eines Bestattungsinstituts gelegen, die Bevölkerung einer Kleinstadt aufmischt. Hübsche junge Damen werden zu vampirischen Prostituierten gebissen, die männlichen Kunden müssen bluten verlieren ihre Herzen, die unsere Blutsaugerinnen zum Leben nach dem Tode benötigen wie ein Goldfisch sein Fahrrad.

Das alles geschieht im Auftrag der Kirche, denn Vincent, der kleinwüchsige Handlanger des charismatischen Reverends J. C. Current erweckt die mumifizierte Lilith aus ihrem herzlosen Todesschlaf. Das florierende Bordell spült Geld in die Kirchenkasse, die entleibten Sünder sind selbst schuld an ihrem Schicksal. So richtig Sinn ergibt die Involvierung des Predigers nicht, aber Sinn ist eh das letzte, was man bei einem Film wie „Bordello Of Blood“ suchen sollte.

Als der flippige Bruder der jungen Katherine (zufällig gläubige Assistentin des windigen Gottesmannes) verschwindet, beauftragt sie den abgebrannten Privatdetektiv ohne Lizenz Rafe Guttman mit der Suche. Der kommt den halssüchtigen Hurenhorden auf die Schliche, nach etlichen Widrigkeiten setzt es einen feuer- und bluttriefenden Showdown samt Happy End. Na ja fast, denn mit der Schlusseinstellung zeigen die Macher des Films, dass sie Roman Polanskis „Tanz der Vampire“ gesehen haben. Für die Unbedarften und filmgeschichtlich Unkundigen wird der Schlussgag höchst offensichtlich vorbereitet.

Man kann das gesamte Handlungsgerüst auch verknappen, wie es Co-Produzent und Co-Autor A.L. Katz beliebt: „It’s about a bunch of whores, working in a funeral parlor.“

„Bordello Of Blood“ war ein Flop an der Kinokasse, 5,6 Millionen Dollar Einnahmen stehen 13 Millionen an Ausgaben gegenüber. Der Film entwickelte sich aber dank der diversen medialen Veröffentlichungen zum kleinen Kulthit. Hierzulande natürlich verfemt, geahndet, gekürzt, indiziert und was sonst noch alles. Bis man 2016 ein Einsehen hatte, dass das alles weder ernst gemeint, noch sonderlich perfekt, dafür aber mit Lust, Charme und Laune, umgesetzt ist.

Indizierung aufgehoben, Freigabe „Ab 16“ kein Problem mehr. Wer übrigens glaubt, dass „The Walking Dead“ und „Game Of Thrones“ den Blutrausch fernseh- und somit mainstreamtauglich gemacht haben, der hat die kleine rurale Krimiserie „Banshee – Small Town, Big Secrets“ nicht gesehen, die den dampfenden Bodyhorror im Fernsehen auf ein ganz eigenes Level gehoben hat. Dagegen sind die Brokkoli-Eskapaden im „Tanz der Teufel“ wahrlich Teil eines Gemüseeintopfs.

Zurück zum Film. Der der Rede tatsächlich nicht wert ist. Der Humor ist grobschlächtig , der Blutfaktor solide, die erotische Komponente beinhaltet blanke Brüste, gerne medizinisch korrigiert, mehr als prüde Anleihen an FRANKIE GOES TO HOLLYWOODs „Relax“-Video kommen aber nicht in Frage.

Was die vorliegende Edition so sehenswert macht, sind die Zusatzfeatures, wie die oft jubelgetränkten „Behind The Scenes“ und der Audiokommentar von Drehbuchautor und Produzent A.L. Katz, mit Rob Galluzzo. Denn anders als gewohnt lässt keiner der Beteiligten ein gutes Wort über den Film und seine Produktionsgeschichte fallen. Dem haftet zwar ein gewisser Catch 22 an, heißt, wir reden alles schlecht, um zu zeigen wie gelungen es letztlich ist. Doch wir haben das Produkt vor Augen und glauben den Erzählenden – mit Abstrichen. Das Bonusmaterial ist ein spaßiger Einblick in die verzweigte und verzwickte Entstehungsgeschichte einer Filmproduktion.

Um es kurz zu fassen: Der Unterschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit beginnt mit dem Drehbuch, das alle Beteiligten für einen kleinen, nicht besonders guten Witz hielten.

Setzt sich fort mit den Darstellern. Gewünscht für die männliche Hauptrolle war Daniel Baldwin. Bekommen hat man Dennis Miller. Einen in den USA angesagten Stand Up Comedian („Saturday Night Live“) mit der Ausstrahlung eines behördlichen Buchhalters, der sich als Fliesenleger versucht. Der Mann ist kein Schauspieler, zudem einer der undankbaren Sorte, die ganz offensichtlich keine Lust hat auf das hat, was er gerade ziemlich schlecht verrichtet.

Robin Givens war intendiert für die Rolle der fiesen Lilith. Bekommen hat das Model Angie Everhart den Part, damals Lebensabschnittsgefährtin von Sylvester Stallone. Die Beziehung ging während der Dreharbeiten zwar in die Brüche, die Rolle aber blieb. Im Gegensatz zu Miller schlägt Everhart sich wacker. Das Drehbuch gibt nicht viel her, Ausstrahlung und Humor beherrscht unsere Angie.

Traurige Gestalten sind Erika Eleniak und Corey Feldman. Eleniak wollte gerne nach „Baywatch“ als ernsthafte Schauspielerin reüssieren. Schmunzelnd erkennt sie zwanzig Jahre später an, dass „Bordello Of Blood“ vielleicht das falsche Vehikel dafür gewesen sein könnte.

Corey Feldman, jene tragische Figur zwischen Kinderstar-Ruhm und (drogenbedingtem) Absturz, suchte, geblendet vom Produzentennamen Richard Donner, nach diversen Entziehungskuren ebenfalls sein Heil Im „Bordello Of Blood“. Und wurde nicht nur crewmäßig vor den Kopf gestoßen. Feldman berichtet erstaunlich offen über seine sehnsüchtigen und vergeblichen Versuche Kontakt zu den anderen Darstellern zu knüpfen.

Fraglich bleibt, ob er das Drehbuch wirklich gelesen und verstanden hat. Der Film ist auf verschrobene Weise liebenswert, aber ein Box Office Hit wäre niemals draus geworden. Oder wie Editor und Second Unit-Regisseur Stephen Lovejoy es ausdrückt: „The movie was just a mistake from the beginning.“

Kurzum: Die Bonusfeatures sind erhellend und höchst unterhaltsam, auch wenn die Frage nicht beantwortet wird, warum Bordellvampire vier Reißzähne besitzen, es aber trotzdem nur zwei Bisslöcher gibt. Der Film selbst ist kurzweilig, blutig und so dumpf, dass er glatt Präsident der USA werden könnte. Was im gewählten Kontext, im Gegensatz zum echten Leben, eine spaßige Angelegenheit ist.

„Ritter der Dämonen“ ist bereits aufgrund seiner kultigen Besetzung die erste Wahl des Cryptkeepers, aber das schicke Mediabook der aktuellen Ausgabe des „Bordello Of Blood“ ist eine transsilvanische Sünde wert.

SO sieht der Humor im Blutbordell aus (bereits die besten Gags):

„Netter Laden, was soll hier abgehen – zehntausend Holzwürmer, die Händchen halten?“
„Oh mein Gott, das ist der feuchte Traum eines Nekrophilen!“
„Lucy, I‘m home!“ [Immerhin kennt Dennis Miller seinen Bram Stoker].

Cover & Szenenfotos  © Koch Media

  • Titel: Bordello Of Blood
  • Originaltitel: Bordello Of Blood
  • Produktionsland und -jahr: USA 1996
  • Genre: Horror, Komödie, Splatter
  • Erschienen: 13.04.2017
  • Label: Koch Media
  • Spielzeit:
     
    87 Minuten auf Blu-Ray
  • Darsteller: 
    Dennis Miller
    Erika Eleniak
    Angie Everhart
    Chris Sarandon
    Corey Feldman
    Phil Fondacaro
  • Regie: 
    Gilbert Adler
  • Drehbuch:
    Bob Gale & Robert Zemeckis (Story)
    A.L. Katz & Gilbert Adler
  • Musik: 
    Chris Boardman
  • Kamera:
    Tom Priestly Jr.
  • Extras:
    Making Ofs
    Audiokommentar mit A. L. Katz und Rob Galluzzo
    US-Kinotrailer, Deutscher Kinotrailer
    Bildergalerie

  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    1.85:1 (16:9)
    Sprachen/Ton
    : D, E, DTS HD-Master Audio 5.1
    Untertitel: 
    D, E
  • FSK: 16
  • Sonstige Informationen:
    Produktlink Blu-Ray
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 9/15 feuchte Bisse

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Über den Autor

Jochen König

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Jochens Nerd-Schreibtisch

Stationen: Aufgewachsen in Siegen, weitergezogen nach Münster, dann nach Berlin und wieder zurück nach Idyllistan, sprich Münster. Meinen ersten Roman „Mitternachtsblues“ (sowie diverse Sachbücher mit Beiträgen von mir) gibt es tatsächlich noch zu kaufen; ob man die Hörspiele aus meiner Berliner Zeit noch empfangen kann, ist eher zweifelhaft. Ansonsten bin ich Sachbearbeiter, Teilzeit-Buchhändler und war sieben Jahre für die, sogar mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnete, Krimi-Couch tätig.

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Bordello Of Blood – (Spielfilm, Blu-Ray)

von Jochen König Artikel-Lesezeit: ca. 5 min
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