Alien: Covenant (Film, Kino)

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Im All hört dich niemand schreien – im Kino leider schon

ALIEN: COVENANT © Twentieth Century Fox

Im Jahr 1979 kam ein Film in die Kinos, der das Genre Science-Fiction und allgemein die männerlastige Domäne im Actionbereich ordentlich durchrüttelte. Die Rede ist natürlich von „Alien“ und von Sigourney Weaver, die mit Ellen Ripley eine Figur etablierte, die das Bild der Frau als Nebencharakter und Kanonenfutter mit einem Mal beiseite fegte. Stilprägend in seinen Bildern und in seiner Art, Horror zu präsentieren. Dabei wurde gleichzeitig ein Monster erschaffen, welches bis heute fasziniert, viele Fragen aufwirft und doch zu einer Ikone des modernen Horrorkinos geworden ist. Ridley Scott, der Regisseur dieses Films, hat danach das Ruder anderen überlassen, die diesem Stoff ihren eigenen Stempel aufdrückten. So hatte James Cameron im zweiten Teil ein Actionfeuerwerk gezündet, welches sich selbst heute noch sehen lassen kann und gleichzeitig die Mythologie um die Aliens weiter angeheizt, indem er sie als eine Art Ameisenstaat etablierte, in welchem eine Königin quasi den Grundstein für die Aliens legt. David Fincher hat mit dem dritten Teil sein Regiedebüt gefeiert, stilistisch einiges gewagt und trotz Schwächen in der Story, aufgrund der Wiederholungen zum ersten Teil, einen Film angefertigt, der eine Art Trilogie abschloss. Über den vierten Teil hüllt man lieber den Mantel des Schweigens. Auch die Filme, in denen ein langersehntes Crossover mit den ebenfalls ikonischen Predatoren auf die Kinos losgelassen wurde, enttäuschten.

Springen wir in das Jetzt. In das Jahr 2017 und zurück zu den Wurzeln, und doch muss ein kleiner Sprung zurück ins Jahr 2012 erfolgen. Ridley Scott wollte sein Baby zurück, welches seiner Meinung nach zu viele ruiniert hätten und wollte seine Version dazu vorlegen, indem er die Vorgeschichte zu Alien erzählt. Er wollte zeigen, woher die Menschheit wirklich stammt und in demselben Aufwasch auch den Ursprung der Xenomorphen aufzeigen. Mit „Prometheus“ ging er an den Start, zu dem er selbst behauptete, dass dieser Film im selben Universum, wie „Alien“ spielt, aber mehr eine Art Nebengeschichte erzählen soll. Das Ende dieses Films, den er in wunderbaren Bildern einfing, aber sehr konventionell erzählt war, gestaltete er offen und daran schließt nun der aktuelle Film an, der wieder den Alien im Titel trägt und auch das zeigt, was viele erwarten. Doch der Weg dahin ist lang und beschwerlich. Für die Zuschauer, die sich durch diesen Film teilweise quälen müssen, und für die Charaktere, die sich fast alle strunzdämlich verhalten. Hätte Ridley Scott doch einfach mal den Staffelstab an Neill Bloomkamp übergeben, der einige Ideen für eine direkte Fortsetzung zu „Alien“ von James Cameron hatte, die sich vielversprechender anhörten als das aktuelle Werk. Da aber durch den vorliegenden Film dieses Projekt leider auf Eis gelegt wurde, muss die Welt nun mit Ridley Scotts Alterswerk leben.

Lasst uns doch die unbekannte Ausfahrt nehmen, wird schon schief gehen

Alien: Covenant

Alien: Covenant © Twentieth Century Fox

Die Covenant, ein Siedlungsraumschiff und Titelgeber für diesen Film, ist auf den Weg zu einem Planeten, um auf diesem eine neue Zivilisation aufzubauen. Zu diesem Zweck sind neben der normalen Crew noch zirka 2000 Menschen im Hyperschlaf und einige Embryonen vorhanden, damit der Anfang gelingen kann. Der Androide Walter, der von Michael Fassbender in einer Doppelrolle gespielt wird (David, der Androide aus Prometheus kommt ebenfalls vor), ist für die Aufsicht des Raumschiffs an Bord und überwacht die Lebenszeichen aller an Bord befindlichen Besatzungsmitglieder beziehungsweise Siedler. Als ein Neutrinosturm das Schiff beschädigt, wird die Besatzung aus den Hyperschlafkammern geholt, um den Schaden zu beheben. Dabei stirbt der Kapitän des Schiffes, da sich seine Kammer nicht rechtzeitig öffnet und er darin wegen einer Fehlfunktion verbrennt. Der nachrückende 1. Offizier ist als gläubiger Mensch sehr zögerlich im Umgang mit seiner Crew und hat aus diesem Grund einen schweren Start. Bei der Reparatur des Energieladesegels, welches sich durch den Neutrinosturm vom Raumschiff gelöst hat, empfängt die Covenant einen Funkspruch, der die Textzeilen „Country toads, take me home“ enthält und außerdem geometrische Daten. Diese führen die Crew auf einen Planeten, der der Erde sehr ähnlich ist und anscheinend die besseren Voraussetzungen bietet als der ursprünglich angesteuerte.

Da der Planet, von dem das Signal kommt, nur wenige Wochen in Anspruch nimmt, um die Reise zu unterbrechen, nimmt die Covenant Kurs auf das neue Ziel. Eine Expedition mit einigen Besatzungsmitgliedern zeigt einen Planeten, auf dem man ebenfalls die Zivilisation gründen kann. Einzig der Umstand, dass es keine Tiere zu geben scheint, sorgt zumindest für Stirnrunzeln. Als sie sogar Spuren von Ackerbau entdecken, kommt es zu Irritationen, wie diese auf diesem Planeten vorkommen können. Nach einem strapaziösen Aufstieg findet ein Teil der Expedition das Raumschiff, mit dem David und Elisabeth Shaw am Ende von Prometheus aufgebrochen sind, um den Planeten der Konstrukteure aufzusuchen, womit der fehlende Baustein zum Vorgänger geklärt scheint. Doch was ist mit Elisabeth Shaw passiert? Wo steckt der Androide David? All diese Fragen drängen in den Hintergrund, als zwei Crewmitglieder plötzlich auftretende Krankheitssymptome zeigen und wenig später sterben, da aus ihnen Wesen schlüpfen, die entfernt an die Xenomorphen erinnern. Das Landungsschiff wird im Zuge der Panik, die dieses Wesen auslöst, zerstört und die übrige Mannschaft bleibt auf dem Planeten zurück und eine Rumpfmannschaft auf der Covenant kann keinen Funkkontakt herstellen. Als die zwei Aliens erneut angreifen, wird die Mannschaft von David gerettet, der seit 10 Jahren auf diesem Planeten existierte und in dieser Zeit seine eigenen Pläne verfolgte.

Was zum Teufel, äh, Alien

ALIEN: COVENANT © Twentieth Century Fox

ALIEN: COVENANT © Twentieth Century Fox

Was Ridley Scott geritten hat, diesen Film zu drehen, weiß wohl nur er selbst. Dass er damit sein eigenes Projekt, welches er 1979 eröffnete, nun zu Grabe trägt, ist dagegen für alle an der Kinokasse offensichtlich. Die Einnahmen sprechen das aus, was der Film in Wirklichkeit auch ist – innerhalb des Alienuniversums einer seiner schlechteren Beiträge. Dabei waren die Hoffnungen hoch, dass nach Prometheus, der so schlecht nicht war, wie er immer gemacht wurde, einige der offenen Fragen geklärt werden. Zum Beispiel, wer die Konstrukteure sind, warum sie uns erschaffen haben und wieso sie uns wieder vernichten wollten. Das bleibt uns der Film leider ebenso schuldig wie eine schlüssige Fortführung aus Prometheus hin zu den Aliens, wie sie seit über 30 Jahren die Leinwand bevölkern. Zu allem Überfluss sind auch die Schauspieler durch die Bank schlecht. Als Ausnahme ist hier Michael Fassbender zu nennen, der in einer Doppelrolle als die Androiden Walter und David groß aufspielen darf, insbesondere in den Momenten, in denen beide „Charaktere“ sich allein gegenüber stehen/sitzen. 

Auch wie die Charaktere angelegt sind, ist zuweilen bis an die Schmerzgrenze dämlich. Bis zu einem gewissen Grad lassen sich manche Verhaltensweisen noch mit Panik erklären, doch ab der Hälfte des Filmes sind die Handlungen fast aller Personen als nicht nachvollziehbar zu bezeichnen, selbst wenn beide Augen zugedrückt werden. Wie beruhigend war es doch, als im Ursprungsfilm die Nostromo den Planetenmond LV-426 ansteuert und erst einmal analysiert, von welcher Gegend das fremde Signal kommt und sich aus diesem Herantasten allein schon Spannung ergibt. Diese Exposition wollte Scott in Covenant wahrlich fast 1:1 kopieren, nur, dass ihm das nur bis zum Auffangen des Signals gelungen ist. Danach geht alles in Hektik unter und wirkt gelinde gesagt völlig überdreht oder ist völlig hanebüchen. Zum Beispiel erscheint aus dem Nichts David als Retter in der Not, und wie die Schafe rennen alle hinter ihm her. Keiner fragt sich, was er die letzten 10 Jahre auf diesem Planeten gemacht hat oder was mit den ursprünglichen Bewohnern dieses Planeten passiert ist. Auch als offensichtlich wird, dass er sein eigenes Süppchen kocht, wacht niemand auf und bringt sich und den Rest in Sicherheit. Als Beispiel soll angeführt werden, als sich der Kapitän der Covenant, der als gläubiger Mensch charakterisiert wurde, arglos über eines der Eier beugt, die dem Zuschauer bekannt vorkommen und für die David offensichtlich verantwortlich zeigt, indem gezeigt wird, dass er sie gezüchtet hat, um die perfekte Spezies auf die Welt zu bringen.

An dieser Stelle könnte diese negative Litanei fast endlos fortgeführt werden. Doch das führt zu nichts und würde dem Film auch nicht vollends gerecht. Auch wenn so viele negative Punkte angeführt werden, hat der Film ebenfalls seine guten Momente. Insgesamt lässt sich begutachten, dass die Bilder, wie schon bei Prometheus, fantastisch eingefangen wurden. Ebenso war bis zu einem gewissen Zeitpunkt die (An)-Spannung des Originals zu spüren, was auch durch die Referenzen (zum Beispiel die Musik) erreicht wurde. Bis etwa zur Hälfte war der Film sogar richtig gut. Doch dann hört es auch schon wieder auf. Leider haben sich die Drehbuchautoren zu sehr auf David und seinen Gottkomplex konzentriert und haben damit die losen Fäden, die der Vorgängerfilm ausgelegt hat, komplett ignoriert. Schlimmer noch – die Erwartungshaltung, die durch dieses Ende geschürt wurde und die Möglichkeiten, die darin steckten, wurden innerhalb eines Zweiminutenrückblicks abgefrühstückt, der überhaupt keinen Sinn ergab und alles hinwegwischte, worauf man sich als Zuschauer 5 Jahre lang gefreut hatte. Als es endlich dazu kommt, dass das Alien in seiner Reinform zum Zug kommt, ist der Abschaltprozess des Hirnzentrums schon abgeschlossen.

Ridley Scotts eigener Gottkomplex

Im Zuge der Veröffentlichung und der Promotion zu „Alien: Covenant“ hat Ridley Scott in einem Interview gesagt, dass er sich dem Alienmythos wieder selbst annehmen möchte. Er macht seit dem Erstling keinen Hehl daraus, dass ihm keiner der Nachfolgeteile auch nur im Entferntesten etwas bedeutete. Also nahm er es wieder selbst in die Hand und startete mit Prometheus einen philosophischeren Ansatz, der diese Reihe auf ein anderes, intellektuelleres Level heben sollte. In Ansätzen ist ihm das auch gelungen, doch die Art, wie er es präsentiert und die enormen Logiklücken machen es nicht einfach, dem Wein, den er einschenkt, vollends zu vertrauen. Irgendwie wirkt es verstockt und alterseitel, wie er diesen Stoff behandelt. In dem einen Film wirft er die Frage danach auf, woher wir kommen, um die Beantwortung im nächsten Teil dem reinen Überlebenskampf gegenüber David und seinen Plänen zu opfern. Dafür führt er eine Dokumentation ein, was passiert, wenn ein Android einen Gotteskomplex entwickelt, um ihn dann vielleicht im nächsten Teil, sofern er ihn macht, über den Haufen zu werfen? Es wirkt alles irgendwie lustlos und zu ambitioniert zugleich. Er nimmt den Aliens den Schleier des Mystischen und zeigt auf, dass es eigentlich ein ganz großer Humbug ist und dass für die Art der Aliens indirekt dann doch wieder der Mensch verantwortlich ist. Alles also ein großer Quark.

Es bleibt zu hoffen, dass Scott nun einsieht, dass er den falschen Weg eingeschlagen hat und daraus die richtigen Schlüsse zieht.  Zwei Wege sind möglich. Einer würde bedeuten, dass er in einer möglichen Fortsetzung, Prequel oder was auch immer zum vorliegenden Film etwas Gescheites zaubert und den Anschluss zum ersten Teil richtig hinbekommt. Dieser Punkt klingt eher weniger plausibel. Der zweite Ansatz wäre, einzusehen, dass er sich zurückzieht und Neill Bloomkamp nun doch das Feld überlässt, damit er seine Vorstellungen umsetzen kann. Letzteres wäre wünschenswert, denn diese Pläne klangen hoffnungsvoll und auf dem Papier weit besser als das, was Ridley Scott mit „Alien: Covenant“ abgeliefert hat.  

Copyright der Bilder © Twentieth Century Fox

Wertung: 6/15 Überraschungseiern – Inhalt ätzend

 

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Über den Autor

Marc Richter

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„Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm.“ (Stephen King „Der Mann in Schwarz“) – wenn ich sage, dass ich von Kindesbeinen an lese, dann ist das sicher verklärt durch Erzählungen der Eltern/Großeltern oder auch das schwache Langzeitgedächtnis. Vielmehr war ich ein Lesemuffel, nicht anders lässt sich erklären, warum ich lieber Lustige Taschenbücher statt richtige Bücher gelesen habe.
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von Marc Richter Artikel-Lesezeit: ca. 8 min
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