Lucifer (Staffel 1 und 2, VoD, Amazon Prime Video)

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Eine höllisch gute Serie?

Lucifer! Bei diesem Namen denken viele sofort an den Leibhaftigen, den Teufel, den Herrscher über die Hölle. Er ist der, der jedem seine Sünden aufzeigt und sie in der Hölle auf ewig immer und immer wieder durchleben lässt. Diese Figur ist in der gleichnamigen Serie die Hauptfigur. Lucifer ist es leid, der Herrscher der Hölle zu sein. Er lässt sich auf der Erde unter den Menschen nieder, will deren Bedürfnisse und Begehren näher erfahren. Dafür stutzt er sich seine Engelsflügel, nimmt eine menschliche Gestalt an und nennt sich ab sofort Lucifer Morningstar, kauft sich einen Nachtclub namens Lux und lässt es dort richtiggehend krachen. Keine Frau ist zuviel, kein Drink wird ausgelassen.

Der Teufel steckt im Detail

Die erste Folge beginnt mit einem Mord an einer guten Freundin Lucifers, bei dem er persönlich anwesend ist. Durch die Befragung mit der Polizei macht Lucifer Bekanntschaft mit Detective Chloe Decker, die die Ermittlungen zusammen mit ihrem Ex-Mann Dan führt, dabei aber die Rolle des Zulieferers innehat und Dan die führende Position.
Lucifer, als ehemaliger Herr der Hölle, eigentlich nicht verwundbar und erst recht nicht tot zu bekommen, ist ausgerechnet in der Nähe von Detective Chloe Decker genau das, verwundbar, und auch töten könnte man ihn, wenn er sich in ihrer Nähe aufhält. Auch hat er auf sie nicht dieselbe Wirkung wie auf andere Menschen, die er mit einem Wimpernschlag manipulieren kann. Daraus entsteht für Lucifer ein Interesse, sich näher mit Chloe zu beschäftigen, um herauszufinden, worin der wahre Grund für diese komplizierte Angelegenheit liegt. Um ihr auf Schritt und Tritt zur Seite zu stehen, wird er ziviler Berater für das LA Police Departement und berät Chloe in den Mordfällen, die sie zu bearbeiten hat. Ein alter Fall von internen Ermittlungen wird den zweien noch Kopfzerbrechen bereiten und könnte schlimme Folgen für beide haben.

Nicht perfekt, aber teuflisch gute Unterhaltung

Der Teufel als Haupffigur einer Serie? Kann das funktionieren? Es kann, wenn ein paar Abstriche bei der Qualität gemacht werden, zumindest in den Anfängen der ersten Staffel. Perfekt ist es da noch nicht, was über den Bildschirm flimmert, aber im erweiterten Sinne sehr unterhaltsam. Nach einem etwas holprigen Start in den ersten Folgen und einer Einführung der Hauptfiguren, die teilweise etwas holzschnittartig ausfällt, bekommt der Zuschauer eine Serie geboten, die spannend ist, dabei aber nie den Humor aus den Augen verliert, die es versteht, die Fälle, die von Folge zu Folge bearbeitet werden, nach und nach in den Hauptplot einzuweben.

Dabei dreht sich die erste Staffel vor allem um die Charakterisierung Lucifers, die zweite dagegen vertieft die Beziehung zwischen Chloe und Lucifer, die im Verlauf der zwei Staffeln zu einem wunderbaren Ermittlerteam verschmelzen. Dabei werden nebenbei zusätzlich Themen behandelt, die Himmel und Hölle betreffen, die Beziehung zwischen Lucifer, seinen Brüdern, seinem Vater (Gott) und, festhalten, zu seiner Mutter durchdeklinieren und ebenfalls Lucifers Menschwerdung betrachten. Insbesondere der letzte Punkt ist beachtenswert, wenn die schauspielerische Leistung von Tom Ellis herangezogen wird. Zu Beginn der Serie wirkt er wie ein arrogantes Arschloch, das einfach keinen Bock mehr auf die Hölle hat und sich von nun an direkt unter die Menschen mischen möchte und genau deswegen schauspielerisch etwas limitiert wirkte. Doch dieser Eindruck verflüchtigt sich von Folge zu Folge immer mehr. Von dem Moment an, als sich die Wege von Chloe und Lucifer kreuzen und sie seinem unwiderstehlichen, übernatürlichen Charme nicht erliegt, beginnt eine Wandlung, die der Schauspieler Tom Ellis wunderbar auf den Bildschirm bringt. Er ringt mit sich, mit seinen Entscheidungen und mit den Wandlungen, die er durchmacht. Kurz gesagt, dass Leidende, was diesen Charakter in der Serie ausmacht, wird wunderbar von Ellis verkörpert. Aber auch die anderen Facetten Lucifers, das Teuflische und Verführerische kann Ellis von einem Moment auf den anderen übermitteln.

Dahinter fällt der restliche Cast in der ersten Hälfte der ersten Staffel leider etwas ab, vor allem, weil ihre Figuren anfänglich etwas eindimensional geschrieben sind. Doch insbesondere in der zweiten Staffel lösen sich all diese negativen Punkte fast vollständig in Luft auf. Es bleibt einzig anzukreiden, dass sowohl in Staffel 1 und Staffel 2 der rote Faden der Haupthandlung recht spät gefunden wird. Anfänglich wirken beide Staffeln konfus und ohne Richtung, die aber von Folge zu Folge immer mehr vorgegeben wird. Das große Plus dieser Serie ist aber der Humor, was man bei einer Crimeserie, in der der Herrscher der Hölle persönlich mitmischt, nicht unbedingt erwarten würde. Aber es ist genau das, was diese Serie ausmacht. Vor allem der Wortwitz ist richtig gut geschrieben, denn in fast jedem zweiten Satz ist eine Anspielung auf die Hölle, den Himmel oder Gott vorhanden, über die sich der Zuschauer amüsieren kann, und erstaunlicherweise funktionieren diese Sprüche während der kompletten zwei Staffeln.

Ein gerüttelt Maß höllischen Zugeständnisses an die Qualität der Serie und wie sie an die Sehenden gebracht wird, sollte aufgebracht werden, um diese Geschichte genießen zu können. Auch sollte die Bibel nicht unbedingt Einschaflektüre sein, da die Grundvoraussetzung, dass der Herrscher der Hölle die Hauptrolle spielt, in diesem Fall ein wenig sauer aufstoßen könnte. Dass der Showrunner der Serie Tom Kapinos ist, merkt man schon nach wenigen Folgen, denn er bringt auch hier in dieser Serie den Charme auf die Mattscheibe, wie es bei Californication der Fall war, nur nicht ganz so versaut. Ebenso wie Californication spielt „Lucifer“ in L.A., und doch werden zwei vollkommen andere Welten gezeigt, nicht nur was den Inhalt betrifft, sondern auch die Schauplätze sind sehr verschieden. Kurz gesagt: Lässt man sich auf diese Serie ein, bekommt man ein wunderbares Spaßvehikel zu sehen, welches sich nicht allzu ernst nimmt, die einen eigenwilligen Humor aufweist und die die von der Bibel vorgegebene Mythologie mit viel Augenzwinkern auf der Erde weiterspinnt.

  • Titel: Lucifer
  • Originaltitel: Lucifer
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2016/2017
  • Genre:
    Drama
    Krimi
    Fantasy
  • Erschienen: 07/2016 (Amazon Prime Video)
  • Label: DC Entertainment,Warner Bros. Television
  • Darsteller:
    Tom Ellis
    Lesley-Ann Brandt
    Lauren German
    Rachel Harris
    D.B. Woodside
    Tricia Helfer
    Aimee Garcia
    Kevin Alejandro
  • Regie: Len Wiseman (Pilotfolge)
    Nathan Hope u.a.
  • Drehbuch: Tom Kapinos (Pilotfolge) u.a.
  • Musik: Marco Beltrami
  • FSK: 16
  • Sonstige Informationen:
    Fox

Wertung: 11/15 Teufelshörner

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Über den Autor

Marc Richter

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„Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm.“ (Stephen King „Der Mann in Schwarz“) – wenn ich sage, dass ich von Kindesbeinen an lese, dann ist das sicher verklärt durch Erzählungen der Eltern/Großeltern oder auch das schwache Langzeitgedächtnis. Vielmehr war ich ein Lesemuffel, nicht anders lässt sich erklären, warum ich lieber Lustige Taschenbücher statt richtige Bücher gelesen habe.
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von Marc Richter Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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