Commissario De Santis ermittelt auf Capri

Tödliches Capri
© Penguin

Ausgerechnet an einem Sonntagmorgen wird Commissario Franco De Santis aus dem Bett geklingelt. Doch wo befindet sich dieses Bett überhaupt? Seine Wohnung ist es nicht und die hübsche, deutlich jüngere Frau neben ihm ist ihm gänzlich unbekannt. Ein brutaler Filmriss; was geschah letzte Nacht? Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, denn ein aktueller Mordfall erfordert seine volle Konzentration. Dieser führt auf die Ferieninsel Capri, wo soeben die Hochsaison begonnen hat. Alles, was man hier jetzt nicht braucht, sind schlechte Nachrichten und schon gar nicht einen schrecklichen Mordfall. Genau dieser liegt vor, denn das Opfer, der junge Kunststudent Gabriele Ceriello aus der Sommerakademie für Bildende Künste, der Villa Paradiso, wurde am Rande eines beliebten Wanderweges gepfählt.

„Sein Zimmer.“ „Dürfte ich einen Blick hineinwerfen?“ „Wozu?“ „Ich muss mir ein Bild von ihrem Sohn machen.“ „Machen Sie sich lieber ein Bild von seinem Mörder.“

Der erfahrene De Santis soll die Ermittlungen leiten, allerdings ohne sein Team aus Neapel, um allzu große Aufmerksamkeit zu vermeiden. Commissario Alessandro Moncini, Leiter der Dienststelle auf Capri, ist sein Ansprechpartner, muss sich allerdings mit einigen Sprayeraktionen auf einer beliebten Piazetta rumärgern. Schon bald wird es unübersichtlich für De Santis. Arianna Lambiase, ebenfalls Studentin in der Villa, war womöglich die Geliebte des Opfers, doch sie schweigt beharrlich. Lorenzo Barbagiovanni, ein Maurer, war im Besitz des Handys des Ermordeten und floh vor De Santis, als dieser das Handy orten ließ und verletzte dabei den Commissario. Der Galerist John Henrichs macht sich ebenfalls verdächtig, denn dieser wollte das große Nachwuchstalent mit einer Ausstellung zum Durchbruch verhelfen. Wenig später kam es zum Streit zwischen Galerist und Künstler, doch warum? Die Villa Paradiso wird von einem Ehepaar geleitet, welches schon einmal mit der Polizei zu tun hatte. Vor einigen Jahren ging bei einer gemeinsamen Bootstour einer ihrer Studenten über Bord. Der Fall wurde als Unfall zu den Akten gelegt.  

Der dritte Fall für Franco De Santis ist mehr als ein „Urlaubs-Krimi“

Seit geraumer Zeit sprießen Krimis aus beliebten Urlaubsgegenden wild aus der Erde und nicht selten sind dabei die Landschaften und regionalen Küchenrezepte spannender als der eigentliche Krimiplot. Aber es gibt sie schon, jene Krimis, die an Traumplätzen spielen und dennoch spannend sind. „Tödliches Capri“ ist so ein Fall und bietet einen klassisch angelegten Whodunit, der ebenso spannend wie kurzweilig unterhält. Nach „Die Kraft des Bösen“ und „Trügerisches Neapel“ liegt bereits der dritte Fall der Commissario-De-Santis-Reihe vor, deren Handlung, der Titel verrät es, überwiegend auf Capri spielt. So bilden die Kulissen von Neapel und Capri einen fulminanten Hintergrund.

Der Krimiplot ist packend, orientiert sich durchgehend am Protagonisten, der nicht nur mit dem verzwickten Fall zu kämpfen hat. Da wäre die eingangs bereits erwähnte junge Frau, die offenbar ein Geheimnis umgibt, seine siebzehnjährige Tochter Ludovica, die seit einem Tag „verschwunden“ ist, was zur „Panik“ bei Ex-Frau Isabella führt sowie die Staatsanwältin Elvira Barbarossa, die unlängst eine kurze Beziehung mit dem Commissario einseitig beendete und ihm seitdem die kalte Schulter zeigt.

De Santis setzt selbstredend sein Team aus Neapel ein, allerdings nicht auf Capri. Hier ermittelt der durchaus sympathische Ermittler auf eigene Faust und mit eigenen Methoden. Ein Teamplayer ist er nicht immer, was sich auch in der Stimmung seiner Gruppe bemerkbar macht. In dem Viererteam wollen zudem sein Stellvertreter und eine Kollegin demnächst heiraten, was ebenfalls für Spannungen sorgt. Diese finden sich auch in der Villa Paradiso, wo empfindliche Künstlerseelen aufeinandertreffen. Die Zusammenarbeit mit der Polizei ist überschaubar, man lebt in seiner eigenen Welt und seinen eigenen Geheimnissen. Zu verbergen haben mehrere Figuren reichlich und so hätte ein weiterer Mord wohl vermieden werden können, wenn denn nur alle mit offenen Karten gespielt hätten. Haben sie aber nicht und so bleibt die Spannung bis kurz vor Schluss auf gleichbleibend hohem Niveau. Viel Spaß beim Miträtseln.

  • Autor: Fabio Paretta
  • Titel: Tödliches Capri
  • Verlag: Penguin
  • Umfang: 366 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: März 2021
  • ISBN: 978-3-328-10606-7
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite

Wertung:  12/15 dpt 


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