Das Grödnertal in Südtirol: Urlaubsparadies und Mafiahochburg

Das dunkle Dorf
© KiWi

Commissario Johann Grauner wird in die „Villa Wolkenstein“ in der gleichnamigen Tourismushochburg gerufen. Ein Toter liegt erschossen in einem Hotelzimmer der dritten Etage, die ansonsten nicht belegt ist. Grauner, sein aus Neapel stammender Ispettore Claudio Saltapepe und Grauners Sekretärin Silvia Tappeiner sind irritiert. Warum steht die ganze Etage leer, wo doch gerade Hochsaison und Wolkenstein ein beliebter Urlaubsort der Schönen und Reichen ist? Gerade bei russischen Touristen ist der Ort heißbegehrt. Und warum wurde die Leiche in dem Hotelzimmer abgelegt, obwohl der Mord in der Wohnung des Opfers stattfand? Bei diesem handelt es sich fast um einen Kollegen, den ehrgeizigen Dorfpolizisten Klaus Höller. Und so drängt sich gleich die nächste Frage auf, denn warum ermitteln nicht die Carabinieri, die die Leiche fanden, sondern Grauner und sein Team von der Polizia di Stato?

Viel Zeit zum Nachdenken bleibt nicht, denn kaum haben die Ermittlungen begonnen, sind sie auch schon wieder beendet. Wie Staatsanwalt Dr. Martino Belli in einem Gespräche Grauner anvertraut, ist Höller ein Opfer der Mafia geworden und stand schon länger unter Beobachtung der DIA, der Direzione Investigativa Antimafia. Die Mafia in Südtirol? Das hört Grauner zum ersten Mal, dabei arbeitet er schon über dreißig Jahre hier. Es kommt jedoch noch schlimmer, denn Saltapepe beobachtet bei einem Einkauf eine junge, blonde Frau, bei der es sich um die Tochter des Mafiabosses U Lunatico, der Launenhafte, handelt. Saltapepe war es, der die einstige Größe verhaftete, seitdem muss er dessen Rache fürchten. Grauner kommt die Ermittlungspause derweil sehr gelegen, denn er hat ganz andere Sorgen. Seine achtzehnjährige Tochter Sara und deren Freund Mickey scheinen in den Bozener Drogenhandel verstrickt zu sein. Seit Tagen gibt es von beiden kein Lebenszeichen mehr. Dies ruft natürlich auch seine Frau Alba auf den Plan. Viel zu spät erkennen sie, wer ihre mächtigen Gegner sind.

Camorra, ‘Ndrangheta und die Diebe im Gesetz

In seinem sechsten Fall gerät Grauner, der am liebsten zuhause im Stall arbeitet und alte Derrick-Folgen schaut, an einen Gegner, dem ein kleiner Commissario nicht gewachsen ist. Das Urlaubsparadies Wolkenstein in den Dolomiten wird zum Hotspot des Drogenhandels. Wo reiche Russen Urlauben ist die Mafia nicht weit. Und so ist einer der großen Mafiosi aus Moskau, genannt Jesus, höchstpersönlich vor Ort, um die Zusammenarbeit mit der Comorra, sprich der Tochter von U Lunatico, zu regeln. Sehr zum Ärger der ‘Ndrangheta, die bislang das Sagen hatte.

Einem Mafiaboss machte das Leben in einer Zelle nichts aus. Außerhalb der Gefängnisse wohnten sie selten in protzigen Villen, das echte Mafialeben war nicht wie bei Marlon Brando in Der Pate, nicht wie bei Al Pacino in Scarface, sie versteckten sich jahrelang in Steinhütten, in Höhlen, in Kellern. Ein ganz normaler Gefängnisalltag, das war für sie Luxus. Sie waren dort Könige und, was noch viel wichtiger war: Sie hatten Kontakt nach draußen. Sie konnten von ihren Zellen aus problemlos und ungestört ihr Imperium leiten.

Lenz Koppelstätter hat mit seinem neuesten Werk „Das dunkle Dorf“ einen temporeichen und spannenden Mafiathriller geschrieben, der Freunde dieses Sujets begeistern wird. Schnell nimmt die Handlung an Fahrt auf, was nicht zuletzt daran liegt, dass die Erzählperspektiven ständig wechseln und die ein oder andere Überraschung ansteht. So stehen Grauner, Saltapepe, Tappeiner, Sara und Mickey, Alba und ein geheimnisvoller Hans-Peter Hinteregger im Fokus der Handlung beziehungsweise im Mittelpunkt der einzelnen Abschnitte. Das Funktionieren der Mafia, deren Geschichte und konkurrierende Strömungen, hier Camorra und ‘Ndrangheta, werden gut beschrieben. Zu allem Überfluss spielen auch die Wory, die Diebe im Gesetz, wie russische Mafiosi sich nennen, eine wichtige Rolle. Vor dem furiosen Finale geraten nahezu alle Beteiligten in höchste Lebensgefahr.

„Das dunkle Dorf“ ist für Fans von Mafiaromanen ein Highlight des noch jungen Jahres, in dem natürlich auch die traumhafte Kulisse rund um Bozen und das Grödnertal nicht zu kurz kommen.

  • Autor: Lenz Koppelstätter
  • Titel: Das dunkle Dorf
  • Verlag: KiWi
  • Umfang: 297 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Januar 2021
  • ISBN: 978-3-462-05304-3
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite 

Wertung: 13/15 dpt 


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