Da scheiden sich die Geister

1941 erlebte Noël Cowards Theaterstück “Blithe Spirit” seine Uraufführung. 1945 verfilmte David Lean die geistvolle Komödie (dt. “Geisterkomödie”). 1964 startete eine Musicalversion als “High Spirits” erfolgreich am Broadway. Weitere Verfilmungen fürs Fernsehen folgten, unter anderem erschien 1965 die österreichische “Geisterkomödie: Eine unwahrscheinliche Komödie” von Rolf Kutschera, mit Albert Lieven in der männlichen Hauptrolle.


Der scheinbar alterslose, burleske Mystery-Stoff erlebt bis heute Aufführungen am Theater und scheint auch, eher für die Mattscheiben als Leinwände dieser Welt, immer noch zur Verfilmung zu reizen.
Der einst erfolgreiche Schriftsteller Charles Condomine sitzt mit einer Schreibblockade vor seiner Maschine, in die er eine Drehbuchfassung seines ersten Bestsellers hämmern soll. Seine zweite Gattin drängt ihn voranzukommen, während er in Gedanken an seiner vor sieben Jahren verstorbenen großen Liebe und Muse Elvira hängt.

Zur Aufmunterung begibt sich das Paar in ein Theater, um dort den Absturz (im wahrsten Sinne) des Mediums Madame Arcati zu erleben. Zu Studienzwecken lädt Charles die gefallene Spiritistin zu einer privaten Séance ein. Die mit einer tatsächlichen Geisterbeschwörung endet: Elvira kehrt zurück.

Auf Freude folgt Ernüchterung. Denn Charles findet sich bald in einer unheilvollen Ménage a Trois wieder, denn Elvira entwickelt Erstbesitzerinnen-Ansprüche. Condomine möchte seine verstorbene Ex-Frau wieder loswerden, doch leider ist sie die kreative Schöpferin seiner Kriminalromane und auch bei der Erstellung des Drehbuchs bitter notwendig. Zudem ist Elvira hartnäckig bei der Verfolgung ihrer Pläne. Und Madame Arcati beherrscht das Heraufbeschwören von Geistern besser als ihre Eliminierung. So geschieht das Unvermeidliche: Dank Elviras forschem Dazutun hat Charles bald zwei tote Ehefrauen im Schlepptau, die nur er selbst sieht. Es folgt Chaos und eine Einweisung in die Psychiatrie. Doch irgendwie gelingt es dem alerten Charles sich herauszuwinden, um am Ende die Verfilmung seines, respektive Elviras, Buch in Hollywood zu erleben. Mit Greta Garbo und Clark Gable in den Hauptrollen und Cecil B. De Mille im Regiestuhl. Ein Happy End bahnt sich an. Wenn da nicht zwei sehr fidele und rachsüchtige Frauen wären, die sich Thelma und Louise-gleich im Jenseits verbündet haben. Armer Charles.

Edward Halls “Da scheiden sich die Geister” ist eine angenehme, trotz aller Hektik entspannte und im besten Sinne nostalgische Boulevardkomödie mit spiritistischem Touch. Die Theaterherkunft merkt man dem Film an, er weiß aber mit dem Einsatz der wenigen, fein gezeichneten und kunstvoll ausstaffierten Handlungsorte zu überzeugen. Das besitzt (antiquierten) Stil, ist turbulent, ohne hyperaktiv zu werden und weiß durch seine wohlaufgelegte Darstellerriege zu gefallen.

Der wandlungsfähige Dan Stevens gibt den schmierlappigen Charles Condomine als jungenhaften Gecken, dem seine gegenwärtige Situation über den Kopf wächst. Das heißt, eigentlich sind es Situationen. Denn Charles kämpft gegen so viele Windmühlen, dass es kein Wunder ist, wenn er durch die Luft gewirbelt wird. Es bereitet viel Spaß, Stevens bei Spiegelfechtereien zu folgen, die er nicht gewinnen kann.

An seiner Seite stehen Isla Fisher, aufgekratzt, burschikos, drängend, mit reichem Vater im Hintergrund, und – vorerst – lebendig sowie Leslie Mann als Femme Fatale-Wiedergängerin, die mit einem ironischen Blick Männerherzen zum Schmelzen bringen kann. Oder zum Zerbrechen. Und mit sarkastischen Kommentaren nicht geizt. Wie zur Innenarchitektonischen Leistung ihrer Nachfolgerin an Charles Seite: “Der Raum sieht aus wie ein Eisbecher Pfirsich Melba!” Sie hat Recht damit.

Geadelt wird das illustre Trio durch Dame Judi Dench, die Madame Arcati mit spürbarem Genuss zwischen Scharlatanerie und echter Geisteskraft spielt. Das kann darstellerisch partiell mit der eleganten David Lean-Verfilmung mithalten, in der immerhin Rex Harrison und Margaret Rutherford glänzten. Leslie Mann und Isla Fisher übertreffen ihre Vorgängerinnen Kay Hammond und Constance Cummings sogar.

Es ist allerdings ein bisschen unfair, Dan Stevens mit Rex Harrison zu vergleichen, denn Stevens legt seinen Charles Condomine postpubertärer, exaltierter und mit dem Wissen um die verflossene Zeit seit der Uraufführung des Stückes an. Die Hohlheit seiner Figur, dieses immer noch aktuelle Gefangensein zwischen Schreibblockade und Plagiatsvorwürfen, bringt Stevens gekonnt rüber, ohne Scheu, sich beim Versagen auf ganzer Linie zum Affen zu machen.

In prägenden Nebenrollen trumpfen Aimee-Ffion Edwards als verunsichertes Dienstmädchen Edith und Julian Rhind-Tutt als ironisch kommentierender bester Freund und Arzt Condomines auf.


Mag auch nicht jeder Gag sitzen und gelegentlich etwas Leerlauf herrschen, es herrscht ein reger Amüsierbetrieb. Das stylishe Setting mit seiner Mixtur aus Bauhaus, Art Dèco und pittoresker Farbgestaltung sowie die prächtige Besetzung lohnen per se das Anschauen.

Cover, Fotos © Koch-Media

  • Titel: Da scheiden sich die Geister
  • Originaltitel: Blithe Spirit
  • Produktionsland und -jahr: GB 2020
  • Genre: Komödie, Slapstick, Mystery, Boulevard
  • Erschienen: 25.11.2021
  • Label: Koch Media
  • Spielzeit:
    95 Minuten auf 1 DVD
    99 Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller: Dan Stevens
    Isla Fisher
    Leslie Mann
    Judi Dench
  • Regie: Edward Hall
  • Drehbuch: Nick Moorcroft
    Meg Leonard
    Piers Ashworth
    Noël Coward (Theaterstück)
  • Kamera: Ed Wild
  • Schnitt: Paul Tothill
  • Musik: Simon Boswell
  • Extras: Featurette, Interviews mit Cast & Crew, Behind the Scenes, Trailer, Character Cards
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    2.40:1 (16:9)
    Sprachen/Ton:
    Deutsch, Englisch, Dolby Digital 5.1
    Untertitel:
    Deutsch
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    2.40:1 (16:9)
    Sprachen/Ton:
    Deutsch, Englisch, DTS-HD Master Audio 5.1
    Untertitel:
    z.B. Deutsch
  • FSK: 16
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite


Wertung: 10/15 dpt


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