Manfred Theisen – Der Pate von Ehrenfeld (Buch)

„Kölle, do bes e Jeföhl“

Der Pate von Ehrenfeld
© Gmeiner

Eigentlich kann es für Marlon gerade nicht besser laufen, denn die hübsche Smilla ist einer Beziehung nicht abgeneigt. Marlon arbeitet für seinen Großonkel Albert, den Paten von Köln, für den er im Hafen von Nippes die Entladung einiger Schiffe beaufsichtigt, damit die Ware beim richtigen Empfänger ankommt. Als Marlon ein Schiff entlädt, nähern sich der etwas entfernt im Auto wartenden Smilla zwei Araber, die die junge Frau für eine Prostituierte halten. Marlon eilt zur Hilfe, es kommt zu Handgreiflichkeiten und als Malush, einer der beiden Angreifer, zu einem Holzstück greift und dabei versehentlich seinen Kumpel trifft, ist dieser plötzlich tot. Ein Nagel im Holz war die letale Ursache.

Dinge wechseln halt den Besitzer…“
„… und sie finden auf diese Weise den richtigen Adressaten.

Malush ist der jüngere Bruder von Elsaid Bogdani, dem Chef der albanischen Mafia. Eigentlich leben diese neben Russen und Türken friedlich zusammen, schließlich sorgt Albert dafür, dass alle ihren Anteil und ihre festen Geschäftsfelder inklusive dazugehöriger Reviere bekommen. Es gilt, das Gleichgewicht zu halten. Doch Malush will mehr und plötzlich eskaliert die Lage. Ausgerechnet der Lieblingskiosk von Marlon explodiert, der chinesische Inhaber Herr Jojoe überlebt verletzt. Kurz darauf findet Marlon auch noch seinen Soldaten, will heißen Geldeintreiber, Kalef erschossen in dessen Auto. Für Marlon ist klar, dass nur Malush dahinterstecken kann.

Mafia, kölscher Klüngel und viel Humor

Es fängt schon skurril an, denn zunächst wohnt man einer Fußpflegerunde in einer Seniorenrunde bei. Sofort zeigt sich, dass Manfred Theisen seinem neuen Roman „Der Pate von Ehrenfeld“ eine ordentliche Prise Humor beigemischt hat. Theisen zeigt aber auch, dass er „Köln lebt“, denn wie schon die Musikgruppe „Höhner“ seit vielen Jahren singt ist Köln keine Stadt, sondern ein Gefühl.

Höhner - 'Hey Kölle, do bes e Jeföhl'; vom Album 'Aktuell' (1992)
Und dieses Jeföhl schwingt auf jeder Seite mit, wobei auch die Stadt selber haarklein vorgestellt wird. Der explodierende Kiosk befindet sich am Lenauplatz, von dem und den angrenzenden Straßen – gefühlt – jedes Geschäft vorgestellt wird. Das zeichnet einen Regionalkrimi aus, man sollte dies allerdings im Vorfeld wissen, denn nach der Buchlektüre benötigt man keinen Stadtführer mehr.

Der Typ musste weg. Und am besten würde Marlon das erledigen. Schließlich hatte der noch keine Übung in solchen Dingen. Der junge musste lernen, Verantwortung zu übernehmen. Über Leben und Tod ist nicht leicht zu entscheiden. Da bedarf es Erfahrung.

Marlons Aufstieg bei seinem Onkel, die Beziehung zu Smilla und die Gespräche seiner Großeltern Rita und Hannes sowie deren Freunden sind die Grundfeiler des Romans, der nicht immer erkennen lässt, dass man gerade einen Krimi in der Hand hält. Die Probleme mit Malush gilt es zu lösen, derweil die Polizei von einem rechtsextremen Hintergrund beim Kioskanschlag ausgeht. So werden immer wieder aktuelle Themen wie besagter Rechtsextremismus, aber auch Gentrifizierung und Klimawandel angerissen. Politisch aktuell, kriminell durchaus actionreiche Unterhaltung und ein tiefer kölscher Einschlag sind die Ingredienzien des Romans. Nicht nur für Kölnerinnen und Kölner kurzweiliges Lesefutter.

  • Autor: Manfred Theisen
  • Titel: Der Pate von Ehrenfeld
  • Verlag: Gmeiner
  • Umfang: 247 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Februar 2022
  • ISBN:  978-3-8392-0117-6
  • Produktseite  


Wertung: 10/15 dpt


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