
Osgood Perkins ist einer der interessantesten Schöpfer phantastischer Filme derzeit. Bereits sein Debüt „Die Tochter des Teufels“ (im Original ungleich stimmungsvoller „The Blackcoat’s Daughter“) gefällt als atmosphärisches, unheimliches kleines Meisterstück, mit der exzellenten, sinistren Kiernan Shipka in der Titelrolle, eine effiziente Emma Roberts an ihrer Seite. Das folgende „I am The Pretty Thing That Lives In The House” ist eine Zeitlupenstudie in Einsamkeit und Verlassenheit für geduldige Geisterbeschwörer.
Das Hexenmärchen „Gretel und Hansel“ wird feministisch interpretiert, mit der ebenfalls wohlgelittenen Sophia Lillis als Gretel. „Longlegs“ ist eine in der Twilight Zone angesiedelte „Das Schweigen der Lämmer“-Variante (eine Episode der Neuauflage wurde ebenfalls von Perkins inszeniert). Hier brillieren, neben einem kaum zu identifizierenden Nicolas Cage, Maika Monroe und Alicia Witt. Kiernan Shipka hat ein düsteres Cameo.
Osgood Perkins besitzt ein Händchen für seine Frauenfiguren und ihre Darstellerinnen. In „The Monkey“ taucht Tatiana Maslany auf (bekannt als She-Hulk und vor allem durch den multiplen Par-Force-Ritt „Orphan Black“), leider nur als augenfällige Nebenfigur.

Im Fokus steht Theo James (beziehungsweise sein jugendliches Alter Ego Christian Convery) in einer Doppelrolle als Zwillingspaar Hal und Bill Shelburn sowie als Off-Erzähler. Im weiteren Verlauf gesellt sich noch Filmsohn Petey (Colin O’Brien) prägend hinzu. Sie alle kreisen um den trommelbewehrten Spielzeugaffen, dessen diabolisches Grinsen von Beginn an Unheil verheißt. Zurecht, denn jedes Mal, wenn man den Aufziehschlüssel dreht, und der Affe die Drumsticks rührt, stirbt ein naher Mensch auf gar erschröckliche Weise.
Kein Wunder, dass schon der verschollene Vater der Zwillinge das unheimliche Spielzeug loswerden wollte. Was ihm im makabren Vorspann nicht gelingt, werden auch Hal und Bill nicht bewerkstelligen können. Der Affe lässt sich nicht so einfach entsorgen und taucht auf mysteriöse Weise immer wieder auf, um für blutige Explosionen zu sorgen. Dumm nur, dass er sich nicht manipulieren lässt, denn Hals unbedarft geäußerter Wunsch, den eigenen Bruder zu zerlegen, wird nicht erfüllt. Vice versa geschieht das Jahrzehnte später auch nicht. Stattdessen passiert weit Schlimmeres.

Der Affe liegt vermeintlich am Grund eines tiefen Brunnens, die Brüder haben sich aus den Augen verloren, Bill ist untergetaucht und Hal lebt alleine und entfremdet von seiner Familie. Seinen Sohn Petey sieht er nur einmal im Jahr, um ihn vor dem Fluch des Affen zu schützen. Doch vor der Adoption durch den schrägen Stiefvater Ted (Elijah Wood in einem erratischen Kurzauftritt) treten Vater und Sohn eine letzte Reise an. Bei der der, aus der Versenkung aufgetauchte, kleine Trommelaffe nicht nur dafür sorgt, dass sich die verfeindeten Brüder wiedersehen, sondern auch Hal und Petey bluttriefend vermittelt, das (gemeinsame) Leben zu schätzen bis zum biblischen Ende.
„Und ich sah, und siehe, ein fahles Pferd. Und der darauf saß, dessen Name war: der Tod, und die Hölle zog mit ihm einher. (Lutherbibel 2017)
Osgood Perkins erzählt in seinen Filmen von dysfunktionalen, toxischen Familienverhältnissen, von der Entfremdung vom eigenen Ich. Darin bleibt er sich in „The Monkey“ treu. Doch entfernt er sich von dunklen Märchenmotiven, vom akribischen Beobachten eines sich langsam entwickelnden Grauens.

„The Monkey“ ist grell, eher von makabrer Absurdität als galliger Komik durchzogen. Wirkt mitunter so, als habe Wes Anderson versucht, seine Vision eines „Final Destination“-Teils umzusetzen. Die Bildsprache in ihren gedeckten Tönen und überlegt austarierten Räumen ist klar Perkins, das artifizielle Gebaren und die expressionistische Geschwätzigkeit verweist Richtung Anderson. Zum Schluss kommt noch eine, nicht ganz ernst gemeinte, Prise Ingmar Bergmann hinzu. Irgendwie muss der Film ja enden. Gibt schlechtere Möglichkeiten.
Mit den derb-blutigen Effekten ist es ähnlich. Sie sind heftig, kommen meist ohne Vorbereitung und -warnung, sind ebenso schnell wieder vorbei. Lediglich die Blutsuppe tropft noch vom Mobiliar und den überlebenden Beteiligten. Osgood Perkins hat Spaß an Krawall und Remmidemmi, minuziöser Spannungsaufbau, Jump Scares oder gar eine breit ausgewalzte Splatter-Orgie sind seine Sache nicht.
Das ist sympathisch und befremdlich zugleich. „The Monkey“ hält sein Publikum auf Distanz, ist freigeistig (freundliches Äquivalent zu „nicht durchdacht“), setzt auf Obskurität statt auf Horror und macht dabei eine ansehnliche Figur. Kein guter Film, aber ein interessanter. Trotz Spannungsverzicht kommt keine Langeweile auf. Den merkwürdigen Gestalten beim merkwürdigen Gebaren zuzuschauen ist unterhaltend genug. Für dieses Mal.

Leider taucht Kiernan Shipka nirgends auf. Dann gäbe es eine volle Empfehlung. Doch mit (einer kaum zu erkennenden) Tatiana Maslany und Elijah Wood in der Bewerbung zum Nicolas Cage-Gedächtnispreis kommen wir auch klar. Wir werden Anthony Perkins‘ Sohn im Auge und Herz behalten.
PS.: Da es bisher hier noch nicht erwähnt wurde, „The Monkey“ basiert auf einer Kurzgeschichte von Stephen King. Den wir sehr schätzen. Und deshalb selbst „Rhea M. – Es geschah ohne Warnung“ (Kings Regie-Solitär), „Schlafwandler“, „Langoliers“ (so übel nicht, aber mit Effekten aus dem C64) und viel zu viele Teile aus dem Reich der körnigen, äh zornigen, Kinder gesehen haben. Da ist „The Monkey“ ein ganz anderes Kaliber.

Cover+ Bilder © Plaion Pictures
- Titel: The Monkey
- Originaltitel: The Monkey
- Produktionsland und -jahr: USA, 2025
- Genre: Horror, Splatter, Komödie
- Erschienen: 26.06.2025
- Label: Plaion Pictures
- Spielzeit:
ca. 99 Minuten auf 1 BD
ca. 95 Minuten auf 1 DVD - Darsteller: Theo James
Tatiana Maslany
Christian Convery
Colin O’Brien
Adam Scott
Sarah Levy
Osgood Perkins - Regie: Osgood Perkins
- Drehbuch: Osgood Perkins, Stephen King (Vorlage)
- Kamera: Nico Aguilar
- Schnitt: Graham Fortin
Greg Ng - Musik: Edo van Breemen
- Extras: Featurettes mit Theo James und Osgood Perkins, Spots, Trailer
- Technische Details (DVD)
- Video: 2.00:1 (16:9)
- Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch, Dolby Digital 5.1
- Untertitel: Deutsch
- Technische Details (Blu-Ray)
- Video: 2.00:1 (16:9)
- Sprachen/Ton: Deutsch, Englisch, Dolby Atmos / DTS-HD Master Audio 5.1
- Untertitel: Deutsch
- FSK: 16
- Produktseite

Wertung: 10/15 dpt







