Gunnar Staalesen – Wir werden Wind ernten (Buch)

Varg Veums persönlichste Ermittlung

Varg Veum arbeitete einst als Sozialarbeiter im Jugendamt, wo er 1971 erstmals Karin Björge begegnete, die ihre damals vierzehnjährige Schwester Siren suchte. Später begegnete man sich wieder, seit Sommer 1987 sind die beiden ein Paar und wiederum elf Jahre später, im September 1998, hat Varg endlich um die Hand seiner großen Liebe angehalten. Eine romantische Hochzeit war geplant, doch stattdessen bangt Varg um Karins Leben. Das Schlimmste dabei: Er gibt sich selbst die Schuld für die Situation.

Eine Woche zuvor: Karin bittet Varg, ihrer Freundin Ranveig Maeland zu helfen, deren Mann Mons verschwunden ist. Am Samstag verließ er nach einem Streit das Haus, seitdem gab es keinen Kontakt mehr. Dabei soll am kommenden Mittwoch ein wichtiger Termin auf der Insel Brennoy in Gulen stattfinden. Vor vielen Jahren hatte der Unternehmer dort ein Grundstück gekauft, welches jetzt mit einer großen Windkraftanlage bebaut werden soll. Bei dem Begehungstermin am Mittwoch treffen Befürworter wie Gegner aufeinander. Große Konzerne wie Norcraft Power und Trans World Ocean treiben das Projekt voran, ebenso der stellvertretene Bürgermeister, der hauptberuflich ein Bauunternehmen leitet. Auch Mons Sohn Kristoffer, der die Firma bald übernehmen soll, wittert das große Geschäft, während Mons selbst zuletzt von dem Projekt Abstand nahm. Dies gilt ebenso für Tochter Else, die sich den Naturschützern Ole Bordal und Stein Stueland angeschlossen hat.

Veum nimmt Ranveigs Auftrag, ihren Mann zu finden an und reist nach Brennoy. Dort erhält er Einblick in gleich mehrere Abgründe, doch noch bevor die Begehung starten kann, gibt es eine Leiche.

17. Fall für den Wolf

Mit „Das Haus mit der grünen Tür“ startete 1977 die inzwischen zwanzig Bände umfassende Varg-Veum-Reihe von Gunnar Staalesen. Einst eher als Racheengel unterwegs, ist Veum inzwischen zur Ruhe gekommen. Er arbeitet sehr akribisch, kann nicht loslassen, was ihm beziehungsweise seiner Verlobten zum Verhängnis zu werden droht. Denn mit diesem Knalleffekt geht es los: Karin liegt auf der Intensivstation im Sterben. Sodann folgt der Rückblick auf die letzte Woche, in denen wiederum Ereignisse zu Tage treten, welche mitunter schon lange Zeit zurückliegen. Denn dort wo jetzt Mons verschwand, verschwand sechzehn Jahre zuvor dessen erste Ehefrau Lea. Angeblich ging sie ins Wasser, weswegen sie für tot erklärt wurde.

Ganz so einfach war und ist es keineswegs und so blickt Veum zunehmend in familiäre Abgründe. Ranveig und die Kinder aus Mons erster Ehe haben sich nichts zu sagen und dann wäre da noch ein pensionierter Kommissar namens Bjorn Brekkhus. Mons bester Freund konnte das Verschwinden von Lea nie aufklären. Geschickt kombiniert Staalesen einige Familienstreitigkeiten mit dem Kampf für und gegen die Windenergie. Was für manche eine umweltschonende und gewinnversprechende Zukunftstechnologie darstellt, ist für andere pure Zerstörung unberührter Natur. Letztere liegt in Westnorwegen, genauer in der Kommune Gulen, das Tor zum Sognefjord, welches über mehr als 1.500 Inseln verfügt. Allein, die Insel Brennoy wird man auf keiner Karte finden. Dennoch bildet die beeindruckende Natur eine Hintergrundkulisse, die entdeckt werden will.

Veum stürzt sich in die Suche nach dem vermissten Mons und als dieser gefunden wird, ist seine Aufgabe eigentlich erledigt. Doch dann taucht das Gerücht auf, dass es bei dem damaligen Grundstückskauf von Mons nicht mit rechten Dingen zuging. Der frühere Inhaber soll bereits geistig nicht mehr zurechnungsfähig gewesen sein. Dessen Cousin wiederum war der Großvater von Stein Stueland, einem radikalen Umweltaktivisten, der plötzlich eine Möglichkeit sieht, das Projekt zu stoppen oder zumindest um viele Jahre hinauszuzögern. Veum soll dies klären, doch je tiefer er gräbt, desto komplizierter wird es für ihn und die Leser, deren Aufmerksamkeit gefordert ist, zumal es auch bei den Verwandtschaftsverhältnissen einige Überraschungen gibt.

„Wir werden Wind ernten“ ist ein grundsolider Privat-Eye-Krimi, der ruhig erzählt wird und gleichwohl eine hohe Sogkraft entfaltet. Dabei schwebt neben der Aufklärung des Mordes bis zum Schluss natürlich immer die Frage im Hinterkopf, ob Karin überleben wird. Guter Plot, klare Sprache, hohe Spannung. Veum ist Kult.

  • Autor: Gunnar Staalesen
  • Titel: Wir werden Wind ernten
  • Originaltitel: Vi skal arve vinden (2010). Aus dem Norwegischen von Gabriele Haefs und Nils Hinnerk Schulz. Mit einem Nachwort von Lore Kleinert.
  • Verlag: Polar
  • Umfang: 336 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Juli 2026
  • ISBN:  978-3-910918-52-8
  • Produktseite

Wertung: 12/15 dpt

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