Reger Andrang & abwechslungsreiches Programm bei der Buch Wien 25

Vom 12. bis 16. November fand in der österreichischen Bundeshauptstadt die „Buch Wien“ statt, erstmals mit erweiterten Platzangebot. Dies war auch notwendig, nachdem in den letzten Jahren die Besucherzahlen deutlich anstiegen, nicht zuletzt auch aufgrund der erweiterten Angebote für junge Erwachsene, vulgo Young Adults.

In diesem Bereich herrschte reger Andrang um die neuesten Romane und deren Autorinnen anzutreffen. Die vorwiegend jungen, weiblichen Besucher unterhielten sich angeregt über fantastische Welten und Romanzen, staubten Goodies wie Charakterkarten oder Lesezeichen ab oder standen lange beim Stand der Bücherbuchse an, wo aufwändig gestaltete Buchpakete erhältlich waren. Ebenso übersiedelte der Kinderbereich mit eigener Bühne ebenfalls in die Halle C – und auch hier wuselte es tagtäglich. Eine besondere Ausstellung zum 80. Geburtstag von Pippi Langstrumpf sowie den finnischen Mumintrollen gab es für hier für die Kids zu entdecken.

Am Eröffnungsabend beeindruckte die Autorin Shila Behjat mit ihrer Rede mit dem Titel „Das weibliche Gesicht des Wandels. Weltweit werden wichtige Demokratiebewegungen und Revolutionen der letzten Jahre von Frauen getragen“. Der Bereich vor der Hauptbühne war bis auf den letzten Platz gefüllt und die Journalistin sprach über Revolutionsbewegungen der Vergangenheit, ob im Iran, Sudan, in Belarus oder in Polen. „Frauenrechte und Freiheitsrechte gehen nicht nur Hand in Hand, wie es so schön heißt. Sie sind identisch.“, erklärte sie.

Nicht minder feministisch war das Gespräch mit Reyhan Şahin welche über ihre Krebserkrankung sprach und wie schwer der Alltag nach wie vor sein kann, wenn man als Frau eine Migrationsbiografie aufweist und dementsprechend intensiver für Anerkennung kämpfen muss.

Der österreichische Rekordautor Thomas Brezina stellte seinen neuen Roman „Liebe ist niemals normal“ vor, welcher von einem queeren jungen Mann erzählt, der den angekündigten Freund erst finden muss. Dabei durften Erzählungen aus dem Nähkästchen des Autors nicht fehlen.

Trotz eines ernsten Themas wie dem Weltuntergang wussten die „Science Busters“ in Anwesenheit von Martin Puntigam und Florian Freistetter zu unterhalten. Schließlich dauert es doch noch ein paar Billionen Jahre bis der irdische Exitus droht.

Die Möglichkeit zum Diskurs wurde mit neuen Formaten wie der Science Bühne oder die Science Workshop Lounge erweitert. Hier fanden abwechslungsreiche Diskussionen und Workshops statt. Generell stand das Netzwerken, Kennenlernen und Stöbern im Vordergrund. Dank über 300 Aussteller gab es für alle interessierten Besucher*innen passende Angebote. Wie in der Vergangenheit auch, setzten die Veranstalter auf Internationalität, so zählten nicht nur skandinavische Botschaften zu den Partnern, sondern auch europäische Länder wie Polen, Rumänien, Slowenien oder die Ukraine um nur einige zu nennen.

Seitens der Verlagspräsenz blieb wohl kein Wunsch offen, sowohl große Verlagshäuser als auch zahlreiche, kleine und unabhängige Verlage präsentierten ihre Neuerscheinungen, oftmals mit Anwesenheit der Autor*innen. Etwas gedrückt war die Stimmung bei Benevento, wo das Red Bull Mediahaus kurz vor Messebeginn die Einstellung des Verlagsprogramms bekannt gab.

Zusammenfassend braucht sich die Buch Wien im Verhältnis zu Frankfurt und Leipzig nicht verstecken. Das abwechslungsreiche Angebot, die zahlreichen Rahmenveranstaltungen in der Stadt neben der Messe selbst und die Vergrößerung der Ausstellungsfläche, waren ein gelungener Mix an Bewährtem und Neuen und lässt Booknerds jedes Alters auf eine gelungene Zeit zurückblicken.

Die nächste BuchWien-Messe findet vom 25.-29. November 2026 statt.


Dimitré Dinev erhält den Österreichischen Buchpreis 2025

Dimitré Dinev wurde am Montag, den 10. November 2025 für sein Buch „Zeit der Mutigen“ (Kein & Aber) mit dem Österreichischen Buchpreis ausgezeichnet. Der Debütpreis ging an Miriam Unterthiner für den Titel „Blutbrot“ (edition laurin). 

Österreichischer Buchpreis 2025 – Dimitré Dinev „Zeit der Mutigen“ (Kein & Aber)

Begründung der Jury (Auszug):

„Man steigt atemlos in diesen Text ein: Eva, ein Dienstmädchen, will sich in der Wiener Donau ertränken, verliert stattdessen ihre Unschuld in den Armen eines Leutnants, der Krieg bricht aus, sie wird Krankenschwester, sucht ihren Liebhaber, findet ihn, er erkennt sie nicht wieder, sie gibt ihm eine Chance, er nützt sie nicht, sie lässt seine Wunde nicht heilen, um ihn zu halten, lässt sein Bein amputieren, um ihn zu binden, doch er überlebt die Operation nicht. Das ist kein Spoiler, denn man hat bis an diese Stelle erst 15 Seiten gelesen. Wie kann der Autor diese Intensität 1200 Seiten halten, fragt man sich. Er kann.

Österreichischer Buchpreis 2025 – Debüt: Miriam Unterthiner „Blutbrot“ (edition laurin)

Begründung der Jury (Auszug):

„Miriam Unterthiners Theatertext Blutbrot nimmt sich eines Kapitels der Südtiroler Nachkriegsgeschichte an, das bislang kaum literarisch bearbeitet wurde: der Fluchthilfe für NS-Verbrecher über den Brennerpass. Figuren wie Eichmann oder Mengele passierten auf ihrem Weg nach Italien und weiter nach Südamerika eine Region, die heute gerne als idyllische Landschaft inszeniert wird und deren Mitverstrickung lange verdrängt blieb.

Unterthiner begegnet diesem schwierigen Stoff nicht mit dokumentarischem Realismus, sondern mit großer poetischer Wut und Wucht. Indem sie ‚Das Dorf‘, ‚Das Brot‘ oder ‚Die Landschaft‘ selbst zu Figuren macht, öffnet sie den Blick auf Mechanismen kollektiven Schweigens und stellt Fragen nach Erinnerung, Verantwortung und Schuld.

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