Antillectual – Punk Rock, aber mausig

Mannheim. Mausige Musik mit mausigen Menschen – anders kann ich das Antillectual Konzert am 17. Juli mit ihren Vorbands Nevver und Pathwalker gar nicht beschreiben. Mit einem unüblichen bunten Genremix aus Punk Rock, girly Pop Punk und Metalcore war es ein Konzert, bei dem man sich nur wohl und Zuhause fühlen konnte. Das Konzert fand im JUZ Mannheim statt – dem Herz für die alternative Szene in Mannheim. Dort sind bereits mehrere Urgesteine aus Punk-, Metal-, Rock- und Grunge-Geschichte aufgetreten, von denen die alten Hasen gerne schwelgen. Angeblich auch mal Nirvana! Umso schöner war es, dass Antillectual – eine niederländische antifaschistische, gesellschaftskritische Punk Rock-Band mit Songtitel wie “The Invisible Hand Meets The Visible Fist” oder “Heads You Win, Tails We Lose” – nach 16 Jahren wieder im JUZ war und mit uns ihr 25. Jubiläum feierte.

Girly Pop Punk. Dass auch Frauen Punk mögen ist nichts Neues. Gerade Schwarze und queere Frauen haben das Genre enorm geprägt und mittlerweile gibt es sogar eine FLINTA* Punk-Akademie in Mannheim, bei der Nachwuchs herangezogen wird. Trotzdem ist es immer noch nicht selbstverständlich, Frauen auf einer Bühne zu sehen. Deswegen war ich begeistert, die Pop Punk-Band Nevver kennenzulernen, sie als erstes auf der Bühne zu sehen und von ihrer Energie (wenn auch Krankheitsbedingt eingeschränkt) mitgerissen zu werden. Die Kindheitsfreundinnen channeln mit ihrer Musik alles, was die 2000er fantastisch gemacht haben: Teenage Angst, Gefühlschaos und so viel Energie, die einen hüpfen lässt wie ein Popcorn in der Pfanne. Es wäre eine Tragödie, wenn nicht bald irgendein Teenie-Drama ihre Musik als Soundtrack verwendet!

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Polished Metalcore. Du kennst Pathwalker noch nicht? Dann aber schnell, so lange sie noch in kleinen Schuppen spielen! Mit ausgefeilten Lichtelementen, ausgearbeiteter Dramaturgie, poliertem Sound und charismatischer Stage-Präsenz ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Band größere Bühnen besetzt. Getoppt wird das nur durch ihre Inhalte: In ihrem letzten Album “A Safe Place to Live” thematisieren sie die Bewältigung traumatischer Erfahrungen und betonen, wie wichtig Hoffnung und Zusammenhalt sind. Dabei haben sie als Band in der Vergangenheit mehrfach bewiesen, dass ihre Inhalte keinen Lippenbekenntnisse sind, sondern sich aktiv für die Rechte diskriminierter Menschen einsetzen – dazu gehört die Unterstützung von Aktionen, die die Rechte von trans Menschen verteidigen wollen.

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Wholesome Oldies. Antillectual? Wohl er Mausi-Punk. Antillectual gibt es schon seit 25 Jahren und das merkt man ihnen nicht an. Ihre Texte sind zeitlos, können eine Crowd animieren, als wären das alles ihre besten Freunde und sie hüpfen rum, als wären ihre Gelenke aus Gummie. Dabei schaffen sie etwas, das nicht vielen gelingt: Ihr Publikum ist bunt gemischt und jede Altersklasse willkommen. Mit ihrer Musik thematisieren sie gesellschaftliche Ungerechtigkeiten und machen ganz klar, wer daran Schuld ist – Kapitalismus, Rassismus und Patriarchat. Und es wäre so einfach wehklagend diese ganzen Übel zu besingen. Stattdessen aber rufen sie zu Protest, Solidarität und dem Kampf gegen alles auf, was uns kaputt macht. Dabei schaffen sie es, auf eine unvergleichliche Weise hoffnungsvoll zu klingen und Mut zu machen.

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Hope is Punk. Ich bin mir nicht sicher, ob die Veranstalter*innen wissen, was für ein Balsam für die Seele dieser Abend war. Was auf den ersten Blick wie ein Kuddelmuddel aus Genre wirkte, war am Ende so eine runde Sache mit so wunderbaren Menschen, die ihre Zeit dafür nutzen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen. Auch wenn es zwischen durch technische Probleme gab (aber wann gibt es sie nicht?), waren die Musik und die Crowd fantastisch. An dem Abend hat das JUZ Mannheim auch deutlich gezeigt, wieso solche alternativen, politischen Räume so wertvoll sind: In ihnen kann experimentiert werden. Menschen, die sich sonst nicht begegnen, kommen zusammen. Bands, die sonst nicht in den Mainstream passen, kriegen ihre wohlverdiente Aufmerksamkeit.

Infos zu den Bands und dem JUZ findet ihr hier:

Nevver

Pathwalker

Antillectual

JUZ Friedrich Dürr

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