Mord im Schatten des Hafengeburtstages

Am Donnerstag, ein Tag vor der großen dreitägigen Geburtstagsfeier des Hamburger Hafens, wird nach einem anonymen Anruf eine Leiche gefunden. Der tote Mann, offensichtlich erschlagen, liegt im Kofferraum eines auffälligen Oldtimers, der in einem Parkhaus neben dem Lagerhaus F abgestellt wurde. Beide Gebäude liegen im Moldauhafen, der offiziell noch der Tschechei gehört, seit vielen Jahren aber verwahrlost.
In dem Parkhaus werden jene Autos geparkt, deren Besitzer zu großen Kreuzfahrten aufbrechen. Beim Hafengeburtstag soll die „Princess of the Sea“ getauft werden, die Viktor Blankenhagen, einem der reichsten Reeder Deutschlands gehört. Ihm gehört auch besagter Oldtimer, in dem die Spurensicherung eine zweite Blutspur findet, deren Analyse zu Roxy Berger führt. Roxy war eine zwanzigjährige Studentin, deren Leiche im Sommer 2006 neben den S-Bahngleisen gegenüber des Moldauhafens gefunden wurde. Bis heute ein Cold Case.
Das bewährte Team aus Jonna Jacobi und Daan Van der Waal von der Kripo Hamburg, Charlotte Severin vom polizeilichen Opferschutz des LKA sowie Tom Bendixen und Thilo „Quetsche“ Andersen von der Wasserschutzpolizei (WSP) stürzen sich in die Ermittlungen. Sie treffen auf einen Reeder, der quasi unantastbar ist, drei Freunde, deren Leben ihnen gerade um die Ohren fliegt und einen Obdachlosen, der damals wie heute lieber trinkt und schweigt.
Vierter Teil der Tatort-Hafen-Krimis
„Der Tote von Lagerhaus F“ ist bereits der vierte Fall der Tatort-Hafen-Reihe aus der Feder des Autorenehepaares Angélique und Andreas Kästner, letztgenannter arbeitete über dreißig Jahre als Hauptkommissar für die WSP im Hamburger Hafen.
Wie zuvor ist die Handlung kurzweilig und actionreich, was dadurch unterstrichen wird, dass immer wieder Funkdurchsagen der WSP erfolgen. Sie sorgen für hohe Authentizität sprich Atmosphäre, wobei ja klar ist, dass bei einem Hafenfest mit Millionenpublikum zusätzlich reichlich Arbeit und Hektik warten. Allein hundertfünfzig Wasserschützer sind an den drei Tagen im Außeneinsatz.
Die Befragungen der vermeintlichen Zeugen und Verdächtigen, wobei sich Jonna nahezu ausschließlich auf Viktor Blankenhagen als Verdächtigen einschießt (trotz Alibis), bringt die Ermittler nicht recht voran, zumal etliche Personen aus unterschiedlichen Gründen es mit der Wahrheit nicht allzu genau nehmen. Die Auflösung des zwanzig Jahre alten Cold Case erfolgt dann etwas arg plötzlich und noch dazu auf recht triviale Weise, was aber nach so langer Zeit in Ordnung geht. Damit einhergehend gibt es eine faustdicke Überraschung.
Neben dem kriminellen Geschehen sowie der detaillierten Polizeiarbeit findet das Privatleben der fünf Ermittler nur bedingt statt, im Fall von Jonna und Quetsche so gut wie gar nicht. Um die Entwicklungen bei Tom und Charlotte zu verstehen, wären Kenntnisse der Vorgänger von Vorteil. Der Roman lässt sich aber problemlos eigenständig lesen.
Wer maritime Krimis mag oder speziell ein Faible für Hamburg und seinen Hafen hat, sollte zugreifen.
- Autor: Kästner & Kästner
- Titel: Tatort Hafen – Der Tote von Lagerhaus F
- Verlag: Knaur
- Umfang: 432 Seiten
- Einband: Taschenbuch
- Erschienen: September 2026
- ISBN: 978-3-426-56872-9
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Wertung: 12/15 dpt







