[Lautschrift] #3 – fremd (Literaturmagazin)

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[Lautschrift] #3 - FremdBereits in der 2012 erschienenen, bei uns besprochenen Vorgängerausgabe dieses Literaturmagazins, welches neben prosaischer und lyrischer Kunst auch visueller Kunst ein Forum bietet (Literatur und mehr, woher kennen wir das nur…?), wurde deutlich, dass im studentischen Untergrund Süddeutschlands einige Talente unterwegs sind, die mit interessanten Kurzgeschichten, Gedichten, Halbgedichten, Bildern und Fotos in der Lage sein könnten, bald Zeichen zu setzen. Teilweise Ausrufezeichen. Manche daumendick.

In der neuesten Ausgabe, die unter dem Aufhänger „fremd“ läuft und diesen Begriff aus verschiedenen Winkeln beleuchtet, ihn unterschiedlich interpretiert, ihn gelegentlich gar instrumentalisiert, beugt, pervertiert und diffundiert, bekommen wir sechs Erzählungen geboten, die unterschiedlicher nicht sein könnten, und auch vier (Halb-)Gedichte voller Freigeist öffnen zerebrale Türchen, machen weitere ungeahnte Kopfkorridore mit textgewordenen Staubwedeln und Besen wieder begehbar. Der zweiundzwanzigjährige Alexander Göbel geht sogar noch einen Schritt weiter und hat ein bühnenreifes Mini-Theaterstück zu Papier gebracht.

Auch englische literarische Gehversuche finden sich in [Lautschrift] #3 einmal mehr wieder, wobei auch hier Studenten aus dem Ausland partizipieren, beispielsweise der Bostoner Justin Zinck, der mit „Knot“ einen morbiden Teil zum Magazin beiträgt. Ebenso hat sich ein kleiner Teil namens „elsewhere“ in dieses Heft eingeschlichen. Hier handelt es sich um eine mit „Istanbul Art and German Paper“ bebannerte Kooperation mit dem türkischen Kulturaustauschprojekt KATADROM, die zwei sonderbare Fotos sowie eine ebenfalls recht heftige Kurzgeschichte des Warschauers Mateusz Jurewicz beinhaltet.

Auch die Lesejury kommt wieder zu Wort. Diese besteht in der dritten Ausgabe einmal mehr aus drei Personen. Eine davon ist die Kölner Schriftstellerin Mariana Leky („Erste Hilfe“, „Die Herrenausstatterin“), die zudem mit einem Interview vertreten ist. Der zweite im Bunde ist der schottische Autor, Akademiker und Rundfunksprecher Peter Mackay, welcher ebenfalls interviewt wurde und obendrein noch ein gälisches Gedicht samt englischer Übersetzung mitgebracht hat. Jurymitglied drei, der Lyriker Tom Schulz, vervollständigt mit dem beindruckenden, gehaltvollen Essay „Forever Young! Das Gedicht im 39. Jahrhundert“ die Riege derer, die für die Auswahl der für vorliegende [Lautschrift]-Ausgabe in Frage kommenden kreativen Ergüsse verantwortlich zeichnen. Zum Abschluss dieses jedes akademische Jahr erscheinenden Sammelsuriums gewähren zwei Universitätsdozentinnen dem Leser einen Einblick in ihre Lesewelt und werden mit einem kleinen, identischen Fragenkatalog konfrontiert, den sie nicht uninteressant beantworten.

Sofern man mit offenen Augen durch den Literaturwald wandelt und auch mit einer jenen Augen entsprechenden Einstellung an den künstlerischen Bäumen entlangschlendert, schadet es nicht, sich die nachwachsenden Pflanzen mal etwas genauer anzusehen. So fremd oder fremdartig sie manchmal auch anmuten mögen. Womit sich der Kreis nicht nur schließt, sondern gen Leser erweitert.

Cover © Ruch und Six GbR

  • Titel: [Lautschrift] #3 – Fremd
  • Verlag: Ruch und Six GbR
  • Erschienen: 04/2013
  • Einband: Heft, geleimt
  • Seiten: 72
  • ISSN: 2192-3582
  • Sonstige Informationen: 
    Erwerbsmöglichkeit auf der Website

Wertung: keine

 


Über den Autor

Chris Popp


Chris‘ Nerd-Schreibtisch

1974 in Mannheim geboren, in Heidelberg aufgewachsen, lebt nach 16 Jahren in der nordhessischen Provinz vor Kassel seit 2017 in Berlin. Seine Frau hält es seit 2001 mit ihm aus. Booknerd, Hörbuchnerd, Computernerd, Filmnerd, Seriennerd, Kaffeenerd, Foodnerd, Königsbergerklopsenerd. Meidet belanglosen Smalltalk und schätzt tiefgründige Gespräche. Nachteule. Freundlicher Teilzeitselektivmisanthrop.
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von Chris Popp Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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