Patrick D. Cowden – Neustart – Das Ende der Wirtschaft, wie wir sie kennen. Ab jetzt zählt der Mensch! (Buch)

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Patrick D. Cowden - Neustart (Buch) Cover © Ariston VerlagHallo Patrick,

in diesem offenen Brief möchte ich meine Gedanken zu dem Buch „Neustart: Das Ende der Wirtschaft, wie wir sie kennen. Ab jetzt zählt der Mensch!“ zusammenfassen. Ich hoffe, dass es in Ordnung ist, wenn ich Dich duze. Schließlich kommen wir beide aus der IT-Branche und haben in etwa das gleiche Alter, sind also im gleichen Geist der IT-Gründerjahre aufgewachsen. Auch wenn die Gefahr groß ist, dass Du diese Reaktion auf „Neustart“ nie lesen wirst, so kann sie doch immerhin für Interessierte zu ihrer Kaufentscheidung beitragen.

Ich habe von Deinem Buch durch ein Interview in einer Radiosendung von WDR5 erfahren und war vom generellen Thema und insbesondere der Idee eines neuen Management-Ansatzes sehr angetan. Umso mehr, da ich gerade selber in einer Findungskrise stecke. Während der Sendung hast Du unter anderem durch Deine spürbare Energie den Eindruck erweckt, dass Du etwas wirklich Neues entwickelt hast, das aufgrund Deiner beeindruckenden Wirtschaftserfahrung auch funktionieren könnte.

In Deinem Buch wird, wie es der Titel verspricht, der Mensch in den Mittelpunkt gestellt. Inhaltlich geht es auf 250 Seiten um den Menschen als Zentrum des Unternehmens. Mitarbeiter, die mit Spaß an der Arbeit Energie freisetzen sollen, Mitarbeiter, die in „freier Liebe“ ein eingeschworenes Team mit dem Unternehmen bilden, was enge Bindungen zu Kunden, einen Führungsstil ohne den „Zahlenfetisch“ der Kennzahlen und ohne ständige Umstrukturierungsmaßnahmen im „Optimierungswahn“ ermöglichen soll.

Was stört mich also an dem Buch und wie hat es mir trotzdem geholfen? Meine Weltanschauung ist zugegebenermaßen von der Sicht eines Mikrounternehmens.

Letztendlich kann man die 250 Seiten in zwei Prinzipien zusammenfassen:

  1. Wir generieren Kreativität und Innovationen durch Anerkennen, dass die Mitarbeiter die ultimative Quelle der Wertschöpfung darstellen und wir eine Umgebung schaffen, in der die Mitarbeiter sich verwirklichen können.
  2. Wir liefern zuverlässige Ergebnisse durch Einbinden des Kunden in regelmäßige Mitwirkung und gemeinsame Verantwortung.

Da fehlen also nur noch vier weitere moderne Managementprinzipien und wir haben die bestens bekannte „Declaration of Interdependence for modern Management“ von 2005:
»We ..

  • … increase return on investment by making continuous flow of value our focus.
  • … deliver reliable results by engaging customers in frequent interactions and shared ownership.
  • … expect uncertainty and manage for it through iterations, anticipation and adaptation.
  • … unleash creativity and innovation by recognizing that individuals are the ultimate source of value and creating an environment where they can make a difference.
  • … boost performance through group accountability for results and shared responsibility for team effectiveness.
  • … improve effectiveness and reliability through situationally specific strategies, processes and practices.«

(Quelle: The Declaration of Interdependence for modern Management)

Um jedoch ein Unternehmen erfolgreich zu machen, fehlt meiner Meinung nach offensichtlich immer noch etwas; das so genannte Netzwerken. Dazu braucht es extrovertierte Menschen mit einer guten Außendarstellung. Ohne jetzt in Stereotypie verfallen zu wollen: Meiner Meinung ist es vor allem das, was auf der anderen Seite des Atlantiks einfach besser läuft. Und diese menschliche Eigenschaft ist es, die nach einem „Neustart“ auch die Wirtschaft wieder zu der Wirtschaft werden lässt, die wir kennen. Aus diesem Grund haben wir System-Monopole, obwohl die vielleicht besseren Systeme sogar als „Open Source“ vorliegen. Und aus diesem Grund wird die Wirtschaft vermutlich niemals durch Creative Commons getrieben.

Um hier kein Missverständnis aufkommen zu lassen – ich bewundere Dich wirklich dafür, dass Du ein Buch über ein derartig komplexes Thema geschrieben hast. Auch wenn es meiner Meinung nach noch nicht vollständig ist, erfüllt es bereits das erste Managementprinzip, das die kontinuierliche Schaffung von Werten fordert. Es setzt also perfekt das Prinzip des „Minimally Marketable Features (MMF)“ um.

Wahrscheinlich ist meine Wahrnehmung doch eine wesentlich andere als die von Managern in Großunternehmen. Letztendlich hat Dein Buch bei mir jedenfalls einen Denkprozess in Gang gesetzt – und das ist es doch, was Autoren mit Fachbüchern erreichen wollen? „Neustart“ sollte übrigens das Weihnachtsgeschenk 2013 an unsere Mitarbeiter bilden, die sich aber mehrheitlich stattdessen für ein Fass Bier eines Bayrischen „Kommunbrauers“ entschieden haben. Diese Wahl hatte mich zunächst etwas irritiert, doch dann wurde mir klar, dass dies ein durchaus positives Signal ist. Ganz im Sinne des Teambildungsmodells von Tuckman „Forming, Storming, Norming, Performing““, kann jetzt ja mit der Arbeit begonnen werden…

P.S. Du bist jederzeit eingeladen, mit uns gemeinsam Strategien an unserem Unternehmen auszuprobieren und die Erfolge in einem Nachfolgebuch festzuhalten!

Diese Rezension stammt von Gastautor Kai Weber.

Kai Weber ist Gründer und Geschäftsführer der werusys Industrieinformatik und kann auf Erfahrung  aus 20 Jahren IT-Projektarbeit zurückgreifen. Der Dipl.-Physiker und ausgebildete Umwelttechnologe ist vom Project Management Institute zertifizierter Project ManagementProfessional.

Cover © Ariston Verlag

Wertung: 9/15 dpt


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von Gastautor Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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