Books and the City #2 – Von Büchern und Katzen (Kolumne)

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Die Literatur, die Großstadt – das gehört zusammen, und zwar nicht erst, seit Fotos von Buch- und Kaffeekunst zu den beliebtesten Motiven auf Instagram gehören. Heute eine neue Geschichte aus der Kulturstadt, von ihren Menschen und Büchern.

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Laut verschiedener Religionsgemeinschaften arbeitete er dann noch sechs Tage und legte am siebten die Füße hoch. Wahrscheinlich hat er ein Buch gelesen, aber das ist nicht überliefert und wahrscheinlich empfinden die verschiedenen Anhänger des Einen Gottes diese Vermutung auch als Anmaßung. Die lesen jetzt bitte auch nicht weiter.

Es gibt eine Schnittmenge zwischen den eben Genannten und jenen, die glauben, dass die ganze Schöpfung sowie der Ablauf der universellen und individuellen Geschichte nach einem transzendenten Masterplan abläuft. Unter Christen (wie sie in der Kulturstadt gar nicht so selten sind, denn auch das gehört zu ihrem Habitus) nennt man das den Göttlichen Ratschluss.

Nun gibt es neben Büchern und Kaffee/Tee ein paar andere evidente Zusammenhänge auf der Welt, die – wenn man daran glauben will – Teil des Göttlichen Ratschlusses (weil anders nicht erklärbar) sein müssen: urbane Eltern und Latte Macchiato, Eiscreme mit Knoblauch-Leberwurst-Geschmack oder eben der Zusammenhang von Büchern und Katzen.

Nichts gegen die Hundemenschen unter den Lesenden, aber nichts schmiegt sich so perfekt, warm und weich zwischen einen Menschen und sein Buch wie eine schnurrende Katze.
Wie muss man sich das also vorstellen, als Gott mit sich selbst über dem Masterplan seiner neusten Kreation, der Erde, brütete?

„Mal schauen.“, sagte Göttin zu sich selbst und legte das Buch zur Seite.
Gott betrachtete den Zeitstrahl: „Himmel, Erde? Check. Licht, Dunkel? Check. Wasser, Land und jetzt noch ein paar Pflanzen? Check. Die brauchen die Sonne und einen Mond. Fische und Vögel? Check.“
Göttin kicherte.
„Und Dinosaurier! Das wird ein Spaß, wenn sie irgendwann die Knochen finden.“
Gott nickte.
„Und jetzt die Pelztierchen, große und ganz kleine und oh, was ist denn das? Du bist mir ja gut gelungen.“
Die Katze sah Göttin mit großen, wissenden Augen an. Dann blinzelte sie, streifte an Gottes Beinen entlang und rollte sich zufrieden schnurrend auf dem Buch ein.
„Eigentlich könnten wir es so lassen, oder?
„Sieh auf den Projektplan!“, ermahnte sich Göttin selbst.
„Schön, also Menschen, zu meinem Bilde als Frau und Mann.“
„Und was ist damit?“, fragte Gott und zeigte auf Buch und Katze.
„Die gehören zusammen, aber das kommt etwas später.“
Göttin lächelte zufrieden und sah ihr Werk an. Es war alles sehr gut.

Bild © booknerds.de/Verwendung der Buchseite (ISBN 978-3-442-371259) für die Häuser mit freundlicher Genehmigung des blanvalet Verlags

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Über den Autor

Henri Vogel

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Kleinstadtkind mit Hang zur Großstadt; Wahlberliner; glücklicher Partner des besten Ehemanns von allen und bescheidener Mitbewohner einer Katze; Überzeugungsliterat und Freizeitcineast; Whiskytrinker und Freundesfreund.

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von Henri Vogel Artikel-Lesezeit: ca. 2 min
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