Ilona Andrews – Stadt der Finsternis: Ein neuer Morgen (Buch)

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Ilona Andrews - Stadt der Finsternis: Ein neuer Morgen (Cover © Bastei Lübbe)Und wieder ist ein Jahr vergangen, seitdem der letzte Band von Ilona Andrews‘ „Stadt der Finsternis“-Reihe erschienen ist. Und es ist wie üblich: Man fiebert dem Erscheinungsdatum des neusten Teils entgegen. Man kann es kaum erwarten. Und dann? Ist es so weit. Es ist Juli, und „Ein neuer Morgen“ erscheint. Kaum hält man das Buch in den Händen, sagt man Freunden und Familien, dass man nicht gestört werden möchte und fängt an zu lesen. Nur um dann viele Stunden später mit einem erleichterten Seufzen den Roman zuzuklappen. »Was für eine Geschichte!« denkt man bei sich. Und für den Rezensenten ist das das endgültige Signal, den brandneusten Teil der Reihe zu analysieren.

Da ist zunächst einmal die Story: Es sind wenige Monate vergangen, seitdem Kate Daniels und Curran Lennart das Rudel verlassen haben. Allerdings haben sie immer noch Freunde bei den Gestaltwandlern. Und eines Tages kommt die Werbärin George vorbei und hat ein Anliegen an die beiden. Sie mögen bitte den Werbüffel Eduardo suchen, der seit Tagen verschwunden ist.

Der Alpha des Rudels, Jim, kann sich nicht um diesen Fall kümmern, wegen des komplexen Machtgefüges, auf das er Rücksicht nehmen muss. Doch Kate und Curran können dies tun. Und stoßen schon bald auf einen alten Feind, der seit Jahrtausenden auf Rache sinnt!

Es war immer ein Markenzeichen der „Stadt der Finsternis“-Reihe, dass hier mit diversen Mythologien gespielt wurde. Man hatte es im Verlauf der Romanserie schon mit jüdischen, nordischen oder gar persischen Mythen zu tun. In „Ein neuer Morgen“ widmet sich das Autorenpaar mehr der arabischen Sagenwelt, wenn auch natürlich auf seine eigene Art und Weise.

Der Feind, so viel sei jetzt verraten, ist ein Ifrit. Und er und seine Krieger zeigen, und das muss leider erwähnt werden, gegenüber den Machtwörtern von Kate als immun. Das ist insofern eine vielversprechende Entwicklung, da diese ein wichtiges Instrument im Kampfstil der Heldin waren.

Dass diese Wörter bei diesem Gegner nicht mehr funktionieren, ist eine interessante Enthüllung. Und wird von dem Autorenduo auch gleich dazu genutzt, um Kate in eine große Krise zu stürzen, die sogar lebensbedrohlich für sie ist. Raus kommt sie dort nur, wenn sie sich auf die Ereignisse des letzten Romans besinnt, als sie eine bestimmte Tat durchführte. Jetzt akzeptiert sie die Konsequenzen von dieser, was für den Charakter eine enorme Weiterentwicklung darstellt.

Ilona Andrews konzentriert sich allerdings nicht nur auf die Schilderung des Kampfes von Kate gegen ihren Feind. Im Laufe des Buches schildert sie auch, wie sich die Trennung vom Rudel auf das Leben ihrer Heldin auswirkt. Und es ist ein großer Unterschied vorhanden, wobei natürlich die Gestaltwandler nicht vollständig von der Bildfläche verschwunden sind. Die Freunde und Bekannten von Kate und Curran kommen immer noch im Roman vor, wobei die Art und Weise, wie sie ihre Auftritte erhalten, humorvoll und gelungen sind.

Allgemein ist der Humor in diesem Roman stark vertreten und wird teilweise kräftig mit brutalen Szenen vermengt. Etwa, wenn Curran und einige Gestaltwandler einen Widersacher ausschalten und dem keine Chance lassen, weil der ehemalige Herr der Bestien über die Taten seiner Geliebten sehr erzürnt ist und seinen Aggressionen irgendwie freien Lauf lassen muss. Oder, wenn man liest, wie die Vampire einen Riesen, der einen der ihren entführt hat, kaltstellen und Kate und ihr Mündel Julie sie dabei unterstützen.

Überhaupt: Julie. Dies ist ein Roman, von dem sie enorm profitiert. Denn die üblichen Helfer von Kate, Curran, Derek oder Andrea, tauchen zwar auf, doch längst nicht so oft, wie noch in den früheren Werken. So ist es vor allem das Mündel von Kate Daniels, das man öfters mit dem Hauptcharakter agieren sieht. Was unter anderem zu solch prägnanten Szenen führt wie der Beweis ihrer Fahrkünste.

Auch Roland findet in der Handlung statt, und erneut zeigt sich, dass er nicht zu unterschätzen ist. Wie er agiert, wirkt befremdlich. Doch wiederholt erweist es sich, dass er weiß, wie er Leute manipulieren kann und es dabei trotzdem schafft, sich an die Regeln zu halten.

Das große Thema des Romans sind Beziehungen. Zwischen Familienmitgliedern, zwischen Freunden und zwischen Geliebten. Und so ist das Ende des Romans nur konsequent, da es die Beziehung zwischen Kate und Curran auf eine neue, auf die nächste Ebene stellen wird.

Leider deutet die letzte Seite auch auf ein baldiges Ende der Reihe hin. Wann das kommen wird? Das ist ungewiss. Mindestens zwei Bücher kommen noch. Erst vor kurzen ist in den USA „Magic Binds“ erschienen. Und ein noch unbekannter Band ist für das nächste Jahr vorangekündigt worden. Darüber hinaus? Wird man es sehen.

Das Buch ist spannend und grandios geschrieben. Doch was ihm die Top-Wertung vermasselt, ist ein Flüchtigkeitsfehler. So schildert George, dass Eduardo einen Hund hat, um den er sich gut kümmert. Später besuchen Kate und Curran das Apartment des Werbüffels, und von dem Haustier fehlt jede Spur. Es wird nicht erwähnt. Man kann davon ausgehen, dass Ilona Andrews einfach vergessen hat, dass sie das niedergeschrieben hat! Aber das ist auch das einzige Manko, das man in diesem fantastischen Roman entdecken kann.

Cover © Lyx/Bastei Lübbe

  • Autor: Ilona Andrews
  • Titel: Stadt der Finsternis: Ein neuer Morgen
  • Band/Teil der Reihe: Teil 9 der „Stadt der Finsternis“-Reihe
  • Originaltitel: Magic Shifts
  • Übersetzer: Bernhard Kempfen
  • Verlag: Lyx
  • Erschienen: 07/2016
  • Einband: Paperback
  • Seiten: 448
  • ISBN: 978-3-7363-0167-2
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 14/15 dpt

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Über den Autor

Götz Piesbergen

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Ich darf mich vorstellen? Wunderbärchen! :D

Mein Name ist Götz Piesbergen, wobei ich in den Weiten des World Wide Web auch noch ein paar andere Pseudonyme verwende. Ich bin ein Vielschreiber und Vielleser, der quasi alles verschlingt, was Buchstaben hat (hmm, lecker! :D). Und da ich zu den Leuten gehöre, die ihre Meinung im Netz gerne kundtun, bespreche ich auch die Sachen, die ich lese oder zocke oder sehe.

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von Götz Piesbergen Artikel-Lesezeit: ca. 4 min
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