Die Mumie (Spielfilm, Kino)

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Die Mumie Cover © Universal Pictures International Germany GmbHSonntagnachmittag im Cubix am Alexanderplatz: „Die Mumie“, ein unnötiges Remake, aber nicht so schlecht wie erwartet

Zuvor die Trailer:

„Lucky Logan“ – Der Trailer ist knappe drei Minuten allerreinster Schwachsinn: Autos, doll viele Muskeln, lustig lustig, und – oh mein Gott – warum gibt sich Daniel Craig für so einen Film her? Ende.
Filmstart: 24. August 2017

„Valerian“ – Der neue Luc Besson sieht aus wie eine Mischung aus 3-D-Jump-and-Run und „Avatar“ anno 2017, aber nach „Lucy“ kann es nur besser werden.
Filmstart: 20. Juli 2017

Trotz sommerlicher Hitze ist es im Saal kühl und dunkel. Es beginnt: „Die Mumie“.

Ein Feuer wird entfacht. Funken schlagen, Flammen lohen auf. Gregorianische Gesänge. Wir schreiben das Jahr 1127, da ein namenloser Tempelritter in England in einem Sarkophag seine letzte Ruhestätte findet, auf der Brust einen roten Stein. Die Grabkammer wird verschlossen – und wieder geöffnet: Im London der Gegenwart, wo Dr. Henry Jekyll (Russell Crowe) dem versammelten Auditorium die Geschichte der ägyptischen Prinzessin Ahmanet (Sofia Boutella) erzählt.

Es gibt einige, scheinbar unsterbliche Horrortraditionen: Vampire, Frankensteins Monster, Zombies und die Mumie. Mit schöner Regelmäßigkeit beglücken diese Gruselgestalten die Zuschauer*innen mit ihrem Erscheinen auf der großen Leinwand. Nachdem das Vampirthema dank der „Twilight“-Tetralogie seine (vorerst) letzte Blüte erlebte, folgten die Zombies. Die Mumie ist eine spezielle Mischform aus beiden, untot nach altägyptischer Tradition. Dazu gehören ein Sarkophag (mit möglichst schrecklichem Exterieur, damit niemand verpasst, dass das ultimativ Böse darin schlummert), eine reichlich trockene Optik (ein reversibler Zustand, wenn man nur genügend Menschen aussaugt), Macht über niedere Lebensformen (Käfer, Spinnen, Ratten) und ein Hang zur sexuellen Interaktion. Kulturwissenschaftlich ein äußert interessantes Feld, aber darum soll es hier nicht gehen.

Die letzte Mumie geisterte ab 1999 durch die Kinos, Zeit also für eine Wiederbelebung, zumal sie sich als Auftakt des „Dark Universe“ von Universal (eine verknüpfte Neuauflage der Horrofilmklassiker der 1920er- bis 50er-Jahre) ganz hervorragend in den aktuellen Trend zu Multiversum, Fortsetzung und Remake einfügt: Die Prinzessin Ahmanet machte sich des schlimmsten aller denkbaren Frevel schuldig: Sie ermordete ihren Vater, dessen Frau und seinen neugeborenen Sohn, um ihren Anspruch auf den Thron Ägyptens zu behalten. Zur Strafe wird sie – richtig – bei lebendigem Leib eingesargt und in Quecksilber eingelegt, auf dass nachfolgende Generationen noch etwas von ihr haben. Die tauchen in Gestalt der Plünderer Nick (Tom Cruise) und Chris (Jack Johnson) sowie der Archäologin Jenny (Annabelle Wallis) auf, und das Chaos nimmt seinen Lauf: Feuergefechte, Spinnen, Flugzeugabstürze, Ratten, Verfolgungsjagden, Untote, ein halb-wahnsinniger Wissenschaftler und jede Menge Logiklücken.

Begreift man das als genreimmanent, ist „Die Mumie“ ein leidlich unterhaltsamer Actionfilm, der sich ganz seinem Hauptdarsteller (nein, nicht die Mumie, sondern Tom Cruise) verschreibt. Das digitaltechnische Handwerk bewegt sich auf hohem Niveau und erlaubt sich die eine oder andere Reminiszenz an die klassischen Vorbilder. Besonders schön: Die „durchfotografierte“ Optik der Mumie, die langsam wieder menschliche Züge annimmt, und die ihrer untoten Helfershelfer.
Cruise darf einmal mehr den jungenhaften Charmebolzen spielen, der leichtsinnig in der Welt herumrennt und -ballert, dabei aber – natürlich – einen zutiefst guten Wesenskern hat. Zum Charakterdarsteller taugt er damit nicht, aber immerhin zu einem guten Actionschauspieler, der etwas mit Mimik und Körpersprache anfangen kann.
Wie bei derartigen Produktionen leider üblich, lässt das permanente Abfeuern von Effekt- und Actionfeuerwerken schauspielerische Leistungen kaum zu. Dagegen kommt nicht einmal Russell Crowe an, dem in der synchronisierten Fassung zur körperlichen Präsenz leider die entsprechende Stimme fehlt, die in manchen Szenen sicherlich hörenswert wäre. Einzig Jack Johnson kann als beizeiten nur noch als Geistererscheinung auftretender Sidekick Chris ein bisschen spielen, obwohl ihm die digitale Verwischung seiner Gestalt wenig Raum lässt.

Am meisten leidet das selbstgesteckte Ziel von Universal, mit dem düsteren Ansatz des Films die Atmosphäre der Horrorklassiker wiederzubeleben. Bei aller Spannung, die stellenweise aufkommt und die für eine FSK 12 auch nicht ohne ist, einen Horrorfilm kann sich „Die Mumie“ nicht nennen.
Wahrhaft erschreckend ist einzig die unverfroren abgekupferte Musik: Von Howard Shores Elbenmotiv aus „Der Herr der Ringe“ bis zu Hans Zimmers „Sakrileg“ ist sie ein einziges Sammelsurium, bei dem Brian Tyler froh sein kann, dass Urheberrechtsklagen in diesem Bereich offenbar unüblich sind.

Fazit: Gute Tricks und ein guter Erzählrhythmus zwischen schnellen und langsamen Passagen lassen keine Langeweile aufkommen. Alles in allem darf man „Die Mumie“ wohl als gelungenes Actionkino bezeichnen.

Cover © Universal Pictures International Germany GmbH

  • Titel: Die Mumie
  • Originaltitel: The Mummy
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2017
  • Genre: Actionfilm
  • Erschienen: 08.06.2017
  • Label: Universal Pictures
  • Spielzeit: 111 Minuten
  • Darsteller:
    Tom Cruise
    Sofia Boutella

    Annabelle Wallis
    Jack Johnson
    Russell Crowe
  • Regie: Alex Kurtzman
  • Drehbuch:
    John Spaihts

    Christopher McQuarrie
  • Kamera: Ben Seresin
  • Schnitt:
    Gina Hirsch

    Paul Hirsch
  • Musik: Brian Tyler
  • FSK: 12
  • Sonstige Informationen:
    Seite zum Film

Wertung: 11/15 abgewickelte Klopapierrollen

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Über den Autor

Henri Vogel

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Kleinstadtkind mit Hang zur Großstadt; Wahlberliner; glücklicher Partner des besten Ehemanns von allen und bescheidener Mitbewohner einer Katze; Überzeugungsliterat und Freizeitcineast; Whiskytrinker und Freundesfreund.

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Die Mumie (Spielfilm, Kino)

von Henri Vogel Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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