Tom Hillenbrand – Gefährliche Empfehlungen. Ein kulinarischer Krimi (Buch)

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Tom Hillenbrand - Gefährliche Empfehlungen Cover © Kiepenheuer & WitschHanebüchene Handlung, aber dennoch lesenswerte Geschichte

Tom Hillenbrand gehört nach Meinung des Rezensenten zu den interessanteren Krimiautoren Deutschlands. Ihm ist es gelungen, mit seinen Büchern um den luxemburgischen Koch Xavier Kieffer nicht nur spannende Krimis zu schreiben, sondern vor allem seinem Zweitthema, dem Kochen und allem, was dazugehört, eine prominente Rolle zuzuweisen.

Man mag sogar sagen, dass die Geschichten, die Hillenbrand über das Olivenöl, den Thunfisch oder exotische Superfrüchte ausbreitet, spannender als die eigentliche Handlung sind. Bislang ist Hillenbrand diesem Spagat sehr treu geblieben und nicht in die Falle getappt, der andere Autoren von Regional- oder Special-Interests-Krimis nicht ausweichen konnten. Wo sich bei Martin Walker phasenweise ein Dorfpolizist um die Rettung der Welt verdient machte und dabei so unglaubwürdig agierte, dass man fast Mitleid mit dem Protagonisten haben und sich für den Autor fast schämen musste, da gibt Hillenbrand seinem Helden weiter einen zweiten starken Protagonisten an die Seite. Und das ist auch bei seinem sechsten Band der Reihe ‚Gefährliche Empfehlungen‘ der Fall.

Dabei haben wir es nicht unbedingt mit einer kulinarischen Zauberzutat im eigentlichen Sinne zu tun, sondern mit der Rolle des Guide Gabin, dem fiktiven Restaurant- und Genussführer Frankreichs. Die Leser der Reihe wissen längst, um welchen realen Restaurantführer es sich handelt – und dass Kieffer mit der Chefredakteurin der kulinarischen Bibel liiert ist.

Die Handlung beginnt mit den Feierlichkeiten zur Einweihung des Museums Maison Gabin. Eingeladen ist alles, was in Frankreich und in der Sterne-Gastronomie Rang und Namen hat – und Xavier Kieffer natürlich. Während der französische Staatspräsident, den Kieffer aus einem vorhergehenden Fall schon persönlich kennt, sein Grußwort an die versammelten Gäste richtet, kommt es zu einem Stromausfall samt spontan einsetzendmn Chaos – und einem geklautem Exemplar des Guide Gabin aus dem Jahre 1939.
Xavier Kieffer setzt sich nolens volens auf die Spur des Verbrechers und gerät, wie man es aus dieser Reihe gewohnt ist, immer tiefer in die Verwicklungen, die keine Ende zu finden scheinen. Am Ende sollen es gar dunkle Mächte und Geheimdienst sein, die in den Fall involviert sind – und an eine produktive oder gar konstruktive Zusammenarbeit mit der Polizei denkt Kieffer, wenn überhaupt, nur ansatzweise nach. Und so kommt es, wie es in solchen immer kommt: zu einem gewaltigen Showdown, aus dem, soviel darf verraten werden, Kieffer nicht als Verlierer hervorgeht.

Die klassische Kriminalhandlung ist extrem konstruiert – manchmal sogar bis ans Ende des gerade noch Lesbaren. Und doch gelingt es Hillenbrand mit seinen Ausführungen zur militär- und kulturgeschichtlichen Historie des ‚Guide Gabin‘, die man so auch ganz sicher auf das reale Vorbild projizieren kann, eine spannende Parallelhandlung, die im besetzten Frankreich zur Zeit des Zweiten Weltkriegs spielt.
Wer ‚Gefährliche Empfehlungen‘ rein als Krimi lesen möchte, der dürfte schnell enttäuscht werden. Die Wendungen sind als solche schnell vorhersehbar – das Ende sowieso. Wer allerdings den Krimi als Form für eine kleine humorvolle, durchaus auch subtil, historisch und kulturgeschichtliche kleine aber feine Story akzeptiert, der findet in diesem Roman einen kurzweiligen, durchaus auch amüsanten Zeitvertreib. Geschickt eingesetztes Lokalkolorit, eine extra-große Portion Expertise ins Sachen Kulinarik und eine Messerspitze Humor – diese Ingredienzien lassen über die kriminalistische Ungereimtheit hinwegtrösten – und heben sich angenehm originell von den unzähligen konkurrierenden Krimiserien ab. Dass Tom Hillenbrand es besser kann, zeigt sein historischer Roman ‚Der Kaffeedieb‘ (Rezension), in dem er auf eine offensichtliche Krimihandlung verzichtet und sich ganz und gar auf sein Ursprungsthema konzentriert. Doch entgegen aller Vorbehalten diesem Roman gegenüber freut sich der Rezensent auf weiter Xavier-Kieffer-Romane.

Cover © Kiepenheuer & Witsch

  • Autor: Tom Hillenbrand
  • Titel: Gefährliche Empfehlungen. Ein kulinarischer Krimi
  • Teil/Band der Reihe: 5
  • Verlag: Kiepenheuer & Witsch
  • Erschienen: 01/2017
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 320
  • ISBN: 978-3-462-04922-0
  • Sonstige Informationen:
    Autorenseite bei KiWi
    Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 9/15 dpt


Über den Autor

Dominik Nuese-Lorenz


Dominiks Nerd-Schreibtisch

Als gebürtiger Freiburger und aufgewachsener Rheinländer bin ich inzwischen seit doch einigen Jahren im Dreieck Bamberg-Bayreuth-Nürnberg gelandet. Nach fast zehn Jahren als Pressepsprecher eines Kinder- und Jugendbuchverlages kam 2012 die Zeit, in der ich meine angedache Doktorarbeit endlich realisieren wollte und beschäftige mich daher gerade mit – grob gesagt – Postnationalen Entwürfen der deutschen Gegenwartsliteratur.

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Tom Hillenbrand – Gefährliche Empfehlunge…

von Dominik Nuese-Lorenz Artikel-Lesezeit: ca. 3 min
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