Resident Evil – The Final Chapter (Spielfilm, DVD/Blu-ray)

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Fünfzehn Jahre nach der ersten filmischen Inkarnation der gleichnamigen Videospielreihe – von der sich die Umsetzungen ziemlich weit entfernten – erscheint mit „Resident Evil – The Final Chapter“ der sechste und, wenn man dem Titel trauen darf, letzte Teil des Action-Horror-Franchises. Wieder mit Milla Jovovich in der Hauptrolle der unverwüstlichen Alice. Die sich diesmal, erst allein, dann mit einer Truppe Verbündeter und einem Verräter, von Washington nach Raccoon City durchschlagen muss. Zurück in den Hive, wo alles begann. Denn in der unterirdischen Bunkeranlage, geschaffen von der ehemals allmächtigen Umbrella-Corporation, um zu forschen und von dort aus die Menschheit zu vernichten, lagert ein Antidot, das angeblich dem zombifizierenden T-Virus per Luftübertragung den Garaus macht.

Eigentlich eine nette Idee, doch leider ist Alice ebenfalls Wirtin des Virus, und die Freisetzung könnte ihren Tod bedeuten. Doch was tut eine Alice im Zombieland nicht alles, um die übriggebliebenen rund 4000 nicht infizierten Menschen zu retten.

Kleiner, kaum spoilernder Einschub: Irgendwie glauben die Macher nicht, dass man die vorangegangenen Teile gesehen hat. Denn dann weiß man, dass die Tragödie bestenfalls auf dem Heuboden stattfindet, da Alice erprobterweise auch ohne den T-Virus super klar kommt.

Alice wird auf dem Laufenden gehalten von der „Red Queen“, jenem Computerprogramm in Gestalt eines kleinen Mädchens, das eigentlich entworfen wurde, Umbrella zu schützen. Doch angesichts des entfesselten Grauens entwickelt anscheinend selbst Software ein Gewissen. Da sie aufgrund der unter anderem aus „Robocop“ bekannten Direktive nicht aktiv gegen die Firma und ihre Angestellten vorgehen darf, macht die Red Queen Alice zu ihrem Schlagarm.

Und so prügelt, schießt und metzelt sich Alice bis nach Raccoon City, begegnet unterwegs ihrem alten und totgeglaubten Widersacher Dr. Isaacs wieder, gewinnt ein paar Mitstreiter in der Stadt, die sie in den Hive begleiten. Kein behaglicher Trip, schließt er doch Begegnungen mit den wohlbekannten, verwesenden Dobermännern, unfreundlichen Mutanten, Zombies, großen Ventilatoren und den aus Teil Eins bekannten Fallen ein. „No one here gets out alive!“ würde als passender Schlachtruf taugen, wenn da nicht Alice und die unterwegs wiedergefundene Claire Redfield wären, die sich erfolgreich dem vielfachen Ruf des Todes widersetzen.

Am Ende stehen eine bekannte Sequenz und das Schlupfloch für eine Fortsetzung, respektive Spin-Off, falls das Finale nicht gar so final ausfallen sollte. Wimbledon endet schließlich ebenfalls jedes Jahr aufs Neue mit einem Endspiel. Und obwohl nicht ganz Top Of The Pops spielte die sechsteilige Reihe bei 288 Millionen Dollar Produktionskosten gut 1,2 Milliarden Dollar ein. Diese Zombiekuh kann also vorm Schlachten eigentlich nochmal aufs Eis. Warten wir es gelassen ab.

Als Prämisse gilt: Ein gegenstandsloser Krawallfilm mit Milla Jovovich ist besser als ein Krawallfilm ohne Milla Jovovich.
Sie turnt und kämpft sich mit Anfang Vierzig wieder cool und behände durch die kaputte CGI-Szenerie, dass es eine Wonne ist. Damit hat sich der Hauptaugenmerk von „Resident Evil- The Final Chapter“ fast schon erledigt. Okay, Ali Larter darf ab der Hälfte neben Frau Jovovich in der gewohnten Claire Redfield-Rolle desgleichen eine gute Figur abgeben, und der wiederauferstandene Iain Glen sorgt als mehrfacher Dr. Isaacs für die ein oder andere Portion absurdes Theater. An die weiteren Gesichter und angedeuteten Geschichten braucht man sich nicht zu gewöhnen, die verschwinden so schnell wie sie aufgekreuzt sind. Mehr Kanonenfutter liefern noch die Untoten, die in Massen herumirren, um abgefackelt zu werden. Ein krasser Zombie- oder gar nervenzerrender Horrorfilm wird deshalb aus „Resident Evil“ keineswegs. Milla Jovovich hat alles im Griff, wenn auch am Ende nur noch so halb, aber hey, wir lesen die Prämisse und wissen sofort: Das ist gut so.

Die Actionszenen bewegen sich zwischen anerkennenswert sportlich und dem üblichen Stakkato-Brimborium, in dem selbst die ausgefalleneren Monster-Kreationen wie hingewischt, seltsam farblos und vor allem wenig furchteinflößend wirken. Hauptsache, es setzt Hauen, Stechen und ansehnliche Stunts, der Rest ist Schweigen.

Der Plot, von einer Geschichte zu sprechen erübrigt sich von selbst, ist purer Selbstzweck. Fünf Folgen nach dem Beginn der Zombieapokalypse taucht aus heiterem Himmel ein Heilmittel auf, das zudem relativ simpel eingesetzt werden kann? Darüber wusste vorher nicht einmal die gut informierte und vernetzte Alice Bescheid? Der Deus ex machina kommt halt verlässlich, wenn man ihn braucht. Genauso gefällig nehmen wir hin, dass fast jeder, der einmal tot war, erneut wiederkehren kann, weil es ja genügend Klone gibt.

Sind wir voll mit einverstanden, wenn es einen oder mehrere Arbeitsplätze für Iain Glen bedeutet. Oder Milla Jovovich. Glen bleibt für seine Verhältnisse allerdings recht blass, Paul W.S. Anderson ist ein Regisseur für grobmotorische Effektsequenzen, nicht für Schauspieler. „Event Horizon“ und seine Gattin ausgenommen. Wobei Frau Jovovich wunderbar alleine klarkommt.

Trotz aller Mankos, von denen es gerammelt viele gibt, macht der einstweilige Abschluss der Reihe – wie die meisten Vorgänger – Spaß. Es geht rund, auf und ab, im Kreis, mit Musik und ohne. Leider fällt die Fahrt rückwärts diesmal aus. Die zehnminütige Backflip-Session des Vorgängers „Retribution“ bleibt unerreichtes Maß. Die andauernde Action ist launig, wenn man mal genug davon hat, geht man ein Bier holen oder auf die Toilette, ohne groß was zu verpassen. Dialoge schon gar nicht. Alice ist gewohnt maulfaul, sodass sie am Ende den gleichen Gag vom Anfang noch einmal bringt, weil ihr Wortschatz ein sorgsam gehüteter ist.

Wer die Serie vorher nicht mochte, wird dito mit dem „Final Chapter“ nicht warm werden. Gilt ebenso für Menschen, die sich nach einer Annäherung an das zugrundeliegende Videospiel sehnen. Die Affinitäten bleiben marginal. Wer allerdings rhythmische Sportgymnastik mit Milla Jovovich in apokalyptischem Ambiente für eine anheimelnde Freizeitgestaltung hält, wird auch diesmal wieder auf seine Kosten kommen.

Die BluRay wartet mit zahlreichen Extras auf, die so unterhaltsam wie sehr, sehr euphemistisch sind. Dem geneigten Rezensenten hat am besten das Portrait des japanischen Pop-, Model- und TV-Sternchens Rola gefallen, die über ihre Rolle namens Cobalt ins Schwärmen gerät. Eine starke Frau, wehrhaft und kämpferisch agil, mit einer komplexen Beziehung zum aufbrausenden Christian (der Alice in den Hive begleitet. Kurzzeitig). Dies und mehr erzählt Rola jedenfalls im Feature. Während des Films darf man nicht die runtergefallene Fernbedienung aufheben. Sonst hat man Cobalts Auftritt verpasst. Eine kleine, charmante Lektion in kognitiver Dissonanz.

Run, Alice, run!

Fotos © Constantin Film

  • Titel: Resident Evil – The Final Chapter (Evil Comes Home)
  • Originaltitel: Resident Evil – The Final Chapter
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2016
  • Genre:
    Action, Action, Horror
  • Erschienen: 06.07.2017
  • Label: Constantin Film
  • Spielzeit:
    103 Minuten auf 1 DVD
    107
    Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller:
    Milla Jovovich
    Ali Larter
    Ruby Rose
    Iain Glen
    Shawn Roberts
    William Levy
    Eoin Macken
    Lee Joon Gi
  • Regie: Paul W.S. Anderson
  • Drehbuch: Paul W.S. Anderson
  • Kamera: Glen MacPherson
  • Musik: Paul Haslinger
  • Extras:
    2D Blu-ray Extras:
    Making-of (ca. 5 Min.)
    Interviews (ca. 28 Min.)
    Stunts und Waffenarsenal (ca. 9 Min.)
    Den Hive erkunden (ca. 4 Min.)
    Die Dreifaltigkeit der Bösewichte und die Frauen aus Resident Evil (ca. 6 Min.)
    Regieführung bei „The Final Chapter“ (ca. 5 Min.)
    Rola als Cobalt (ca. 3 Min.)
    Von Heiligen zu Sündern (ca. 8 Min.)
    Vom Drehbuch auf die Leinwand (ca. 10 Min.)
    2 Trailer „Deutsch“ (je ca. 2 Min.)
    2 Trailer „Englisch“ (je ca. 2 Min.)
    3D Blu-ray Extras:
    Alle 2D Blu-ray Extras plus:
    Trailer 2 „Deutsch“ in 3D (ca. 2 Min.)
    Trailer 2 „Englisch“ in 3D (ca. 2 Min.)
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    2.40:1, 16×9
    Sprachen/Ton
    :
    D, E, D für Hörgeschädigte, Dolby Digital 5.1 / Dolby Digital 2.0 
    Untertitel:
    D
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    2.40:1, 16×9
    Sprachen/Ton
    :
    D, E, D für Hörgeschädigte, DTS-HD High-Resolution 7.1 / Dolby Digital 2.0
    Untertitel: D
  • FSK: 16
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbungsmöglichkeit

Wertung: 9/15 T-Viren

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Über den Autor

Jochen König

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Jochens Nerd-Schreibtisch

Stationen: Aufgewachsen in Siegen, weitergezogen nach Münster, dann nach Berlin und wieder zurück nach Idyllistan, sprich Münster. Meinen ersten Roman „Mitternachtsblues“ (sowie diverse Sachbücher mit Beiträgen von mir) gibt es tatsächlich noch zu kaufen; ob man die Hörspiele aus meiner Berliner Zeit noch empfangen kann, ist eher zweifelhaft. Ansonsten bin ich Sachbearbeiter, Teilzeit-Buchhändler und war sieben Jahre für die, sogar mit dem Grimme-Online-Award ausgezeichnete, Krimi-Couch tätig.

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von Jochen König Artikel-Lesezeit: ca. 5 min
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