The Americans (Staffel 1, VoD)

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Poster The Americans © Twentieth Century Fox and Bluebrush Productions, All rights reserved „Bitte nicht noch eine Serie über Spionage und auch noch bei den Amis!“ möchte man rufen. Doch Einhalt sei geboten, denn diese Serie ist mehr, als bloß die Summe ihrer Spionagefälle. Es wird viel mehr verhandelt, als der Kalte Krieg vorzugeben vermag. Diese Serie hat es in sich und die erste Staffel bildet da nur den Auftakt. Sind die ersten Folgen noch reines Herumspionieren und Taktieren in fremden Reihen, so entwickelt sich allein in der zweiten Hälfte der ersten Staffel ein spannendes Grundszenario, welches auf der Grundlage fußt, dass die Wölfe im Schafspelz nicht enttarnt werden. Wer sich nur oberflächlich mit der Serie auseinandersetzt, indem die grobe Inhaltsangabe gelesen wird, der versteht nicht einmal im Ansatz das, was sie im Endeffekt ausmacht. Das soll diese Besprechung ein wenig ändern.

Szenenbild The Americans © Twentieth Century Fox and Bluebrush Productions, All rights reserved Poster The Americans © Twentieth Century Fox and Bluebrush Productions, All rights reserved Elisabeth und Philip Jenning leben ein scheinbar friedliches, ruhiges, amerikanisches Vorstadtleben, mit der Idylle aus Häuschen und Vorgarten, die schon Tausendmal in Filmen gezeigt wurde. Doch der Schein der beiden, die zusammen zwei Kinder namens Paige und Henry haben, trügt, denn sie sind Schläfer, die von den Russen zu Spionagezwecken in die USA geschickt wurden. Sie tarnen sich als perfekte amerikanische Familie mit allem, was dazu gehört und wurden extra für diesen Zweck ausgesucht, jahrelang trainiert und kurz vor der Reise ins Unbekannte zusammengeführt. Der Zuschauer lernt die Familie Jenning kennen, als sie schon jahrelang in Amerika leben und versuchen ihre kommunistischen Ideale zu bewahren – im Großen, aber auch für sich selbst im Kleinen. Sie stehen beide immer auf Abruf bereit, sobald aus der Kommandantur ein Befehl kommt, den es auszuführen gilt. Zum Beispiel, um Deserteure zu beseitigen oder um essentielle Fakten bei den Amerikanern durch Spionage abzugreifen. Ihnen ist jedes Mittel erlaubt, um ihre Ziele zu erreichen.

Zum Zeitpunkt, als der Zuschauer in die Serie einsteigt, sollen Elisabeth und Philip einen Mann aus ihren eigenen Reihen suchen, gefangen nehmen und an ihre Behörden übergeben, da die Gefahr besteht, dass er mit den Amerikanern reden will und damit ihre aufgebaute Identität gefährdet. Gleichzeitig zieht in ihre Nachbarschaft ein FBI- Agent ein, der vorher jahrelang Undercover bei amerikanischen Neonazis ermittelte und nun im Kampf gegen den Kommunismus und die Unterwanderung der amerikanischen Gesellschaft kämpft und dort seine Erfahrungen einbringen soll. Anfangs von Zweifeln geplagt, ob Stan Beeman ihretwegen in die Nachbarschaft gezogen ist, bietet sich den Jennings durch ihn die Gelegenheit, Informationen aus nächster Nähe abzugreifen. Natürlich immer unter der Gefahr, dass sie doch noch aufgedeckt werden.

Szenenbild The Americans © Twentieth Century Fox and Bluebrush Productions, All rights reserved Poster The Americans © Twentieth Century Fox and Bluebrush Productions, All rights reserved Beeman arbeitet beim FBI für die Spionageabwehr und ist dabei direkt an Ermittlungen zu Vorfällen beteiligt, die mit Elisabeths und Philips Taten in Verbindung stehen. Er wirbt eine Mitarbeiterin der russischen Kommandantur an – Nina Krilova – um für ihn in den inneren Zirkeln wichtige Informationen zu sammeln. Allen Seiten ist gemein, dass sie ihr jeweiliges Vaterland verteidigen wollen und zwar mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen. Es wird aber auch schnell deutlich, dass niemand einen Dritten Weltkrieg möchte, der zu diesem Zeitpunkt, als die Serie einsetzt, so wahrscheinlich scheint, wie nie zuvor.

Der Anfang von „The Americans“ ist auch gleichzeitig der Beginn der Reagan-Ära, die geprägt ist durch einen harten Kurs gegenüber der Sowjetunion, welcher in einem Wettrüsten gipfelte. Diese interessante Ausgangslage wird immer wieder genutzt, um reale Ereignisse, wie zum Beispiel das Attentat auf Reagan, gleich zu Beginn seiner ersten Amtszeit, in die Serie einzubinden, was die ganze Geschichte authentischer und glaubhafter wirken lässt. Das lässt erst einmal vermuten, dass durch die Agenten die Weltgeschichte beeinflusst wird, woran man sich auch leicht verheben kann. Zum Glück wird der Fokus nach der Einführung der grundlegenden Parameter mehr und mehr auf das Kleine gelenkt: auf die Familie, den Zusammenhalt, die inneren Konflikte und das Hochhalten der amerikanischen/sowjetischen Ideologien. Diese Serie erweist sich als Glückstreffer, da hier nicht in Gut und Böse eingeteilt wird, sondern alle verschiedene Facetten zeigen. Dabei werden sowohl amerikanische als auch sowjetische Werte behandelt. Keine Seite wird dabei beschönigt oder absichtlich düsterer gestaltet, um zum Beispiel den Patriotismus der Amerikaner, der sonst mit Vorliebe in Serien/Filmen zur Schau gestellt wird, hier ebenfalls mit dem Holzhammer auf den Zuschauer zu übertragen. Ganz im Gegenteil kommen in „The Americans“ beide Seiten zum Zug und auch die sowjetische kommt dabei nicht zu kurz. Es werden positive wie negative Dinge aufgezeigt, die beiden Ideologien zu eigen sind. Das hebt diese Serie wohltuend von vielen anderen Spionagegeschichten ab und lässt den Zuschauer für beide Seiten mitfiebern, denn sowohl die Jennings, stellvertretend für die Sowjetunion, als auch Stan für die Amerikaner haben etwas zu verlieren.

Wie bereits angesprochen treten aber diese großen Themen mehr und mehr in den Hintergrund, um den Familienidealen mehr Raum zu geben. Wie in jeder normalen Familie wird gestritten, sich versöhnt und zusammengerauft. Nur dass sich bei den Jennings die Familie und die Spionage, eigentlich Dinge, die getrennt gehalten werden, zunehmend überlagern, was immer weitere Konflikte heraufbeschwört. Diese erste Staffel kratzt diese Konflikte erst an und es bleibt spannend, inwieweit sie weiterentwickelt und wie die anderen Konfliktherde ausgebaut werden. Das Potential für eine sehr gute Serie, die ihren Plot stringent weiterentwickelt und dabei alle ihre Figuren stets im Blick behält, ist in jedem Fall vorhanden.

Szenenbild The Americans © Twentieth Century Fox and Bluebrush Productions, All rights reserved Poster The Americans © Twentieth Century Fox and Bluebrush Productions, All rights reserved Schauspielerisch wird dies von allen Beteiligten großartig und spannend umgesetzt. Sie spielen ihre Figuren glaubwürdig und zeigen die Zerrissenheit und die Anspannung, unter der sie stehen, in einer Art und Weise, die man ihnen voll und ganz abnimmt. Vor allem Noag Emmerich als Stan Beeman ist besonders hervorzuheben. Wie er die Rolle des FBI-Manns spielt, seine Pflicht, dem Land zu dienen, mit allen möglichen Mitteln, seine innere Zerrissenheit, als er merkt, dass seine Frau ihm dadurch immer mehr entgleitet und vor allem seine unerschütterliche Treue gegenüber den Kollegen, die über allem steht, ist großes Kino. Aber auch Keri Russell als Elizabeth und Matthew Rhys als Philip stehen dem in nichts nach. Ihre Entschlossenheit und Vaterlandstreue sind in jeder Sekunde zu spüren, die sie auf dem Bildschirm zu sehen sind. Gerade diese Glaubwürdigkeit ist es, was die Serie so überragend macht.

Dabei geht es in der ersten Staffel nicht richtig actionreich zu. Vielmehr ist die Handlung sehr dialoglastig und lebt vom Spiel der Figuren untereinander, von ihrer Interaktion, ihrer Mimik und Gestik. Mancher Action-Moment ist zwar auch enthalten, bleibt aber insgesamt in der Minderheit. Neben den sehr guten schauspielerischen Leistungen lebt diese Serie auch von der Anspannung, ob, wie und durch wen die Jennings letztendlich enttarnt werden. Und was mit ihnen passieren wird, falls dies geschehen sollte. Es bleibt interessant, ob das die einzige Prämisse der Serie bleibt oder ob sich die Autoren noch etwas mehr einfallen lassen, um dem Ganzen noch mehr Spannung zu verleihen, als ohnehin schon vorhanden ist. Die erste Staffel macht neugierig auf die zweite – nicht zuletzt wegen einiger Cliffhanger. Wie diese in die Fortsetzung integriert und schließlich aufgeklärt werden, erhöht die Spannung zusätzlich.

Die erste Staffel legt jedenfalls geschickt erste Duftmarken aus und es bleibt nur zu sagen: Seht euch diese erste Staffel „The Americancs“ an, ihr werdet es nicht bereuen. 

All Pictures © Twentieth Century Fox and Bluebrush Productions, All rights reserved

Wertung: 13/15 Nasen von Ronald Reagan

  • Titel: The Americans – Staffel 1
  • Originaltitel: The Americans – Season 1
  • Produktionsland und -jahr: USA, 2013
  • Genre:
    Thriller
  • Label: Twentieth Century Fox
  • Darsteller:
    Noah Emmerich
    Keri Russel
    Matthew Rhys
    Holly Taylor
    Maximiliano Hernández
    Susan Misner
    Annet Mahendru
  • Regie: Gavin O’Connor
    Adam Arkin
    Holly Dale
    Bill Johnson
    John Dahl u.a.
  • Drehbuch: Joe Weisberg
    Joel Fields
    Joshua Brand
    Melisa James Gibson u.a.

  • Musik: Nathan Barr
  • FSK: 16
  • Erwerbsmöglichkeiten
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Über den Autor

Marc Richter

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„Der Mann in Schwarz floh durch die Wüste und der Revolvermann folgte ihm.“ (Stephen King „Der Mann in Schwarz“) – wenn ich sage, dass ich von Kindesbeinen an lese, dann ist das sicher verklärt durch Erzählungen der Eltern/Großeltern oder auch das schwache Langzeitgedächtnis. Vielmehr war ich ein Lesemuffel, nicht anders lässt sich erklären, warum ich lieber Lustige Taschenbücher statt richtige Bücher gelesen habe.
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von Marc Richter Artikel-Lesezeit: ca. 5 min
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