Ach je, die Wiederkehr der Religionen. Wie lang wird das nun schon wieder postuliert? Ja, vielleicht ist dem so, aber halt auch nur, wenn wir Spaghetti, dem Bauch und dem Ich ebenfalls eine religiöse Dimension zuordnen wollen. Da Religion aber immer auch etwas Verbindliches hat, mag Michael Kühnlein, Herausgeber des Handbuchs “Religionsphilosophie und Religionskritik“, den triumphalen Frohlockungen einiger Geistlicher abwartend gegenüberstehen.

Gleichwohl war die Frage nach der Bedeutung des Religiösen und der Semantik religiöser Erzählungen für die Gegenwart und Zukunft Auslöser für dieses Buch, das über 80 kanonische und moderne Theologen, Philosophen, Soziologen mitsamt ihrer zentralen religionsphilosophischen Werke porträtiert. Abgedeckt werden insgesamt über 2 500 Jahre Geistesgeschichte, wobei durchaus Schriften der Gegenwart eine prominente Stellung eingeräumt wird. So finden sich neben den üblichen Verdächtigen Platon, Aristoteles und Augustinus auch Hans Blumenberg, Jean-Luc Nancy oder Daniel Dennett mit ihren Ideen in diesem Handbuch.

Handbuch ist dann auch das passend gewählte Attribut. Alle Denker und ihre Schriften werden nach einem einheitlichen Gliederungsmuster vorgestellt: Biographische Kurznotiz, Kontexte, Werk, Rezeption und Kritik, Zusammenfassung. Das klingt eintönig, kommt dem Nachschlagecharakter aber sehr zugute. Innerhalb der einzelnen Einträge gibt es bei 52 AutorInnen zum kleinen Teil starke Unterschiede, wie es ihnen jeweils gelingt, die zentralen Punkte dar- und ihre Relevanz und Resonanz herauszustellen.

Jedoch muss dem Herausgeber hier Respekt gezollt werden. Für all jene, die sich mit den Fragen der Religionsphilosophie beschäftigen, ist dies ein sicherlich ein neues Standardwerk. Doch bei allem Lob bleiben auch einige Fragen offen. Natürlich muss ein solches Werk immer auswählen und selektieren, meistens stärker, als es Herausgeber und Autoren wollen. Und immer wird es Leser geben, die genau diesen einen Autor vermissen, der doch so unbedingt in eine solche Anthologie hineingehört. Geschenkt.

Dennoch wäre es sicher spannend gewesen, in diesem Handbuch auch die ein oder andere nicht-westliche Perspektive einzuflechten.  Es ist ja nicht so, dass nicht auch im arabischen oder fernöstlichen Raum über letzte Dinge, Religionen nachgedacht würde. Hier indirekt Unterschiede und Gemeinsamkeiten aufzuzeigen, hätte dem Buch, das sich ja im Titel noch alle Optionen offenhält, eine spannende zusätzliche Dimension verschafft.

  • Herausgeber: Michael Kühnlein
  • Titel: Religionsphilosophie und Religionskritik. Ein Handbuch
  • Verlag: Suhrkamp (stw)
  • Erschienen: 09/2018
  • Einband: Paperback
  • Seiten: 946 Seiten
  • ISBN: 978-3-518-29740-7
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite beim Verlag
  • Erwerbsmöglichkeiten

Wertung: 12/15 dpt


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