Demonic (Film)

Neill Blomkamps beißende Science Fiction-Dystopie “District 9” war ein furioses Kinodebüt, dem mit “Elysium” und “Chappie” zwei weitere, akzeptable Werke folgten, die Gesellschaftskritik mit Action und Satire verbanden. “Elysium” hatte Schauspielgrößen wie Matt Damon und Jodie Foster aufzuweisen, “Chappie” immerhin Hugh Jackman als Bösewicht und das südafrikanische Avantgarde-Pop-Duo DIE ANTWOORD als Unruhestifter. Großes bahnte sich an, als Blomkamp die “Alien”-Reihe fortsetzen sollte. Seine kreativen Vorstellungen ernteten zahlreiche Vorschusslorbeeren. Nur Ridley Scott zeigte sich wenig beeindruckt, übernahm wieder das Zepter und fuhr das Franchise mit dem Flop “ALIEN: Covenant” an die Wand.

Neill Blomkamp drehte nach “Chappie” diverse Kurzfilme, bevor er mit “Demonic” wieder zur Spielfilmlänge fand. Geprägt von Dreharbeiten während der Corona-Pandemie, einem überschaubaren Budget und ohne Starpower hätte “Demonic” eine innovative, Independent-Horrorfilm-Perle werden können. Herausgekommen ist jedoch belangloser Budenzauber, mäßig gespielt und fahrig in Szene gesetzt.

Eine junge Frau namens Carly wird von ominösen Wissenschaftlern in eine hochtechnisierte Einrichtung bestellt, in der ihre Mutter Angela komatös in Sicherfheitsverwahrung gehalten wird. Nachdem ihre Mutter zur Brandstifterin wurde und mehr als zwanzig Menschen tötete, brach Carly jeglichen Kontakt ab. Nun soll sie mittels moderner Technologie ins Bewusstsein Angelas eindringen, um ihre Erinnerungen zu wecken, und sie aus dem Koma zu holen. Seltsamerweise lässt Carly sich darauf ein, obwohl ihr Ex-Gatte Martin dringend davon abrät.

Sie spricht zwar in einer kruden virtuellen Realität mit ihrer Mutter, doch scheint sich in dem Traumareal auch ein dämonisches Wesen zu befinden, das einen Weg nach draußen sucht. Zunächst widerwillig, später als die unheimlichen Begebnisse sich mehren, offensiv, begeben sich Carly und Martin auf die Jagd nach dem Dämon im überdimensionierten Rabenkostüm.

Spätestens als sich die angeblichen Wissenschaftler als mobile Eingreiftruppe des Vatikans entpuppen, und Carly durch dunkle Korridore stolpert, entwickelt sich “Demonic” zu Hokuspokus der harmlosen und unerfreulichen Art.
Zuvor wird wenigstens ein bisschen Kreativität bewiesen, sind doch die Szenen in Angelas Bewusstsein animatronisch verfremdet. Wirken dabei aber wie eine Rotoshop-Resteverwertung aus Richard Linklaters wesentlich kompetenter und konsequenter gestalteten “A Scanner Darkly”. Dafür wird in “Demonic” die Tonspur mit viel Hall und Doppelungen malträtiert.

Ansonsten wirkt der Film wie ein Albert Pyun-Werk, das allerdings in Kanada und nicht in Kroatien und Bosnien-Herzegowina gefilmt wurde. Aber auch dort gibt es schaurige, marode Gebäude mit langen Gängen und viel Platz zum Umherirren. Der wird auch weidlich ausgenutzt, gerne im Halbdunkel, damit man nicht sieht, woran alles gespart werden musste. Auf Actionsequenzen, die Blomkamp in seinen vorigen Filmen virtuos zelebrierte, wird nahezu komplett verzichtet. Fast jeder Gewaltakt findet Off-Screen statt. Es gibt ein paar scheppernde Geräusche, ein wenig diffuses Geplänkel, Wände und Darsteller werden mit Kunstblut beschmiert. Irgendwie fehlt bloß noch, dass Christopher Lambert um die Ecke kommt.

Die Bewusstseinswanderung erinnert an “The Cell” sowie die kurzlebige Serie “The Sleepwalker Project” (aka “Sleepwalkers” – immerhin mit den verdienstvollen Bruce Greenwood und Naomi Watts in den Hauptrollen), kann aber deren, im Fall von “The Cell” selbst schon uneinheitliche, Qualitäten nicht ansatzweise erreichen.

Carly streift durch die virtuelle Realität wie durch ein Bild aus einem impressionistischen Malen-nach-Zahlen-Workshop. Die Spannungskurve ist mau, Erkenntnisse stellen sich kaum ein. Obwohl Carly von Anfang an mit dem Dämon konfrontiert wird, interessiert sie dessen Anwesenheit wenig, bis ihre Freundin Sam verschwindet. Erst dann begibt sie sich auf die Suche und erfährt, dass der Dämon ausgerechnet sie als neuen Wirtskörper auserkoren hat – warum auch immer, er verschmilzt anscheinend problemlos auch mit anderen Probanden. Es entwickelt sich ein bisschen Hin und Her im Keller eines pittoresken Sanatoriums. Viel zu sehen gibt es mangels Lichts nicht, und irgendwann ist der Film zu Ende.

Angesichts von “Demonic” könnte man glatt glauben, Neill Blomkamp wäre gegen einen unbegabteren Klon ausgetauscht worden. Nichts von den Trademarks seiner vorigen Filme ist bei “Demonic” zu finden. Keine Gesellschaftskritik, kein sarkastischer Humor und keine handfesten Actioneinlagen. Von visionären Kreativitätsschüben ganz zu schweigen. Doch selbst als schlichter Angsterzeuger versagt das kleine Gruselflickwerk. Der Vogeldämon darf sich zwar hakelig bewegen, sieht aber ansonsten wie ein Pestarzt auf dem Weg zur unerfreulichen Arbeit aus. Wenn überhaupt etwas zu erahnen ist.

Die Figurenzeichnung ist blass und das Schauspiel auf mäßigem TV-Niveau. Hauptdarstellerin Carly Pope versteht sich darauf, schlecht gelaunt und aufgeregt durch die Gegend zu laufen, viel mehr bekommt sich allerdings auch nicht zu tun. Der Rest der Darsteller fungiert als bloße Stichwortgeber. Mit der Ausnahme von Chris William Martin als Martin, der ein paar Sätze mehr sagen darf und das ganz ordentlich hinkriegt.

Sounddesign und Musik gehen in Ordnung, das “8mm Featurette” in den Boni ist das Sehenswerteste am gesamten “Demonic”-Komplex. Ein meditativer Clip, der musikalisch ansprechend untermalt, die Dreharbeiten bebildert. Der Rest der Extras ist zwar reichhaltig, aber noch öder als der Film, laufen sämtlich Clips doch ohne Kommentar und interne Dialoge ab. Man bekommt Menschen beim Filmen und Herumlaufen zwischen diversen Gerätschaften zu sehen. Mag sich jeder seinen Reim drauf machen. Oder auch nicht.

FAZIT: “Demonic” ist ein müdes Stück Horror, altbacken zwischen dem Denzel Washington-Vehikel “Fallen” (“Dämon – Trau keiner Seele”) und Tarsem Singhs “The Cell” angesiedelt. Die kreative Kraft des Films verliert sich in ein paar visuell verfremdeten Passagen, bietet weiter aber kaum mehr als eine ungelenke Hatz durch trostlose Sets.

Cover, Fotos © Koch-Media

  • Titel: Demonic
  • Originaltitel: Demonic
  • Produktionsland und -jahr: Kanada 2021
  • Genre: Horror, Science Fiction
  • Erschienen: 09.12.2021
  • Label: Koch Media
  • Spielzeit:
    100 Minuten auf 1 DVD
    104 Minuten auf 1 Blu-Ray
  • Darsteller:
    Carly Pope
    Chris William Martin
    Michael J. Rogers
    Nathalie Boltt
    Terry Chen
    Kandyse McClure
  • Regie: Neill Blomkamp
  • Drehbuch: Neill Blomkamp
  • Kamera: Byron Kopman
  • Schnitt: Austyn Daines
  • Musik: Ola Strandh
  • Extras:Teaser, Trailer, 8mm-Featurette, Behind The Scenes-Clips
  • Technische Details (DVD)
    Video:
    2.00:1 (16:9)
    Sprachen/Ton
    :
    Deutsch, Englisch, Dolby Digital 5.1
    Untertitel:
    Deutsch, Englisch
  • Technische Details (Blu-Ray)
    Video:
    2.00:1 (16:9)
    Sprachen/Ton
    Deutsch, Englisch, DTS-HD Master Audio 5.1
    Untertitel:
    Deutsch, Englisch
  • FSK: 16
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeit


    Wertung: 5/15 dpt


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