Irene Solà – Singe ich, tanzen die Berge (Buch)


Irene Solà – Singe ich, tanzen die Berge (Buch)

 © Trabanten Verlag

Irene Solà zeigt mit ihrem Roman „Singe ich, tanzen die Berge“ auf eindrucksvolle Art, wie sich Poesie in jeder einzelnen Form und selbst über das Leben und den Tod hinaus, finden lässt.

Der Roman beginnt furios mit einem Blitzschlag. Dieser trifft einen Bauern, der sich der Poesie verschrieben hat. Diese Szene wird aus Sicht der Wolken erzählt, die sich über dem unglücklichen in einem Gewitter ergießen. Um den Bauern, wie auch seine trauernde Familie und die Bewohner des kleinen Dorfes in den Pyrenäen entspinnt sich eine Geschichte, die mehr darstellt als eine Ansammlung der alltäglichen Befindlichkeiten, sowie Sorgen und Ängste der Einheimischen. Stimmungsvoll lässt die Autorin neben den Einwohnern des Dorfes auch Geister Verstorbener, die Tiere, sowie selbst die Naturgewalten zu Wort kommen. Die Sprachvielfalt reicht dabei von den zarten unversehrten Tönen eines jungen Rehs, das von dem Grün der Blätter und seinen ersten Gehversuchen kurz nach seiner Geburt berichtet, bis hin zum schroffen und erhabenen Klang der Berge als stille Beobachter, die im Buch obendrein bebildert ihre Entstehungsgeschichte wiedergeben. Selbst die Poesie bekommt durch einen jung Verstorbenen eine eigene Stimme, die mit einer stark romantisierten Melancholie einhergeht und welche bis zum Ende des Buches nachwirkt.

Die Poesie ist auch ein Spiel. Ein Dichter muss verspielt sein. Die Poesie ist eine ernste Sache, eine der ernstesten, die es gibt. Ernster als der Tod und das Leben und alles. Eine tiefgründige und lebenswichtige Angelegenheit. Und eben darum muss man imstande sein, zu spielen und zu lachen, und man sollte etwas von Ironie verstehen.

Fast vergisst man beim Lesen, dass dieser Roman, der gespickt ist mit einer so charakteristischen Beobachtungsgabe, nicht in einer fantastischen, sondern klar in der realen Welt verortet ist. Auch hier weiß Solà die Lesenden stets abzuholen. Neben ihrem präzisen Blick auf die Natur, macht sie auch auf das politische Geschehen aufmerksam, wie etwa den spanischen Bürgerkrieg, der die Bewohner in der Vergangenheit prägt und mit deren Traumata sich auch die Nachfahren noch stark auseinandersetzen müssen. Bemerkenswert ist auch hier, dass Solà die Auswirkungen des Krieges nicht nur anhand des Erlebens der Menschen beschreibt, sondern auch auf die Natur und Geister verweist, wenn der Boden unter den Granatsplittern zittert und protestiert und Geister der im Krieg Gefallenen sich mit denen anfreunden, die bereits länger in den Wäldern wandeln.

Er fällt wie alles Schlimme, das auf der Welt geschieht, und solange es einem nicht selbst geschieht, ist es, als wäre es nicht geschehen.

Durch die Aufteilung des Buches in vier größere Abschnitte, die sich wiederum in kleinere Kapitel unterteilen geht beim Lesen die Struktur nicht verloren und man wird bedächtig durch die Vielzahl der unterschiedlichen Sichtweisen geführt, ohne dass das Gefühl entsteht den Überblick zu verlieren.

Solá entführt ihre Leserschaft mit ,,Singe ich, tanzen die Berge“ auf eine mystische Reise in die Pyrenäen. Ähnlich wie die Platten des Faltengebirges wirken die Geschichten der einzelnen Charaktere aufeinander ein und ergeben auf ihre ganz eigene Weise ein stimmiges Gesamtbild, das sich durch helle und dunkle Schattierungen einer ganz eigenen poetischen Sprache auszuzeichnen weiß.

  • Autor: Irene Solà
  • Titel: Singe ich, tanzen die Berge
  • Originaltitel: Canto jo i la muntanya balla
  • Übersetzerin: Petra Zickmann
  • Verlag: Trabanten Verlag
  • Erschienen: März 2022
  • Einband: Hardcover mit Leseband
  • Seiten: 208
  • ISBN:978-3-98697-000-0
  • Erwerbsmöglichkeiten


Wertung: 15/15 dpt


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