Tom Voss – Hundstage für Beck (Buch)

Ein Ermittler am Abgrund

Hundstage für Beck
© Fischer

Vor einem Jahr leitete Nick Beck noch die Einsatztruppe, welche den sogenannten Elbripper, den schlimmsten Serienmörder Hamburgs, jagte. Fast hätten er und seine Partnerin Betty Duschkow den Mann gestellt, doch dann ging alles schief und Betty stürzte in den Tod. Jetzt, zwölf Monate später, ist Beck selbst am Ende. Auf eigenen Wunsch in ein kleines Kaff namens Nordbek, irgendwo zwischen Hamburgs Norden und Schleswig-Holstein gelegen, versetzt, spielt er dort als Bezirksbeamter den Dorfsheriff. Vom einstigen Star des Hamburger LKA ist nichts mehr übrig, seine besten Freunde sind Jack Daniels und Jim Bean, dazu reichlich Tequila und Bier.

Eines Abends schaut Nick in einer Kneipe entlang einer Bundesstraße einmal mehr zu tief ins Glas, will aber die wenigen Kilometer bis zu seiner Wohnung noch fahren. Auf einer Nebenstraße kommt es zur Katastrophe, denn er überfährt eine junge Frau, die nur mit einem BH bekleidet ist. Doch was macht eine Frau mitten in der Nacht mehr oder weniger nackt auf einer einsamen Landstraße? Und wie kommt Nick aus dieser Nummer raus? Die Polizei anrufen dürfte aufgrund seines Alkoholpegels neben einer Suspendierung vom Dienst zu einer Gefängnisstrafe führen, gleiches gilt für die zweite Möglichkeit einfach weiterzufahren, denn an der Leiche werden sich Spuren seines Wagens, einem seltenen Mercedes 280 SE Coupé, nachweisen lassen. Bleibt nur Variante drei, die Leiche muss verschwinden.

Aber was war, wenn er wirklich nur das Bein überrollt hatte? Ziemlich unwahrscheinlich, dass sie daran gestorben war. Außerdem musste sie dann bereits auf der Straße gelegen haben. Doch wie war das geschehen? Weil sie auf der Flucht vor jemandem hingefallen war – nur mit einem BH bekleidet? Vor wem oder was wäre sie in diesem Fall geflohen, und warum? Oder hatte sie vielleicht schon länger auf der Straße gelegen? Bewusstlos? Oder … tot?

Nick gelingt es, die Leiche zu verstecken, doch dann erhält er Besuch von Cleo Torner, die nach einem Einsatz auf der Jagd nach einem Drogendealer innerhalb des LKA versetzt wurde und nun für Vermisstenanzeigen zuständig ist. Fanny, die vierundzwanzigjährige Nichte des Fleischfabrikanten Klaas Monecke, für den die meisten Einwohner von Nordbek arbeiten, ist verschwunden. Nachdem Monecke von einer Geschäftsreise zurückkam, fand er nur noch die Überreste einer ausschweifenden Party vor. So geraten zwei mit Fanny befreunde Paare ins Visier der Polizei dank der Videoüberwachung vor Ort. Als Nick klar wird, dass Fanny nicht von ihm getötet wurde, lässt er die Leiche wieder auftauchen und drängt sich an der Seite von Cleo in die Ermittlungen. Schließlich muss er rechtzeitig eingreifen, sollten Spuren in seine Richtung deuten.

Ungewöhnlicher und pointenreicher Plot vom Bestsellerautor

Neue Serie, neues Pseudonym. Pierre Lagrange und dessen Provence-Krimis mit Commissaire Leclerc mag man kennen, den Namen Sven Koch und seine „Dünen…“-Krimis vermutlich noch mehr. Und ja, hinter den Pseudonymen Tom Voss und Pierre Lagrange verbirgt sich Vielschreiber und Bestsellerautor Sven Koch. Nun also eine neue Reihe mit einem höchst gewöhnungsbedürftigen Polizisten. Nick Beck ist, legt man seinen Alkoholkonsum als Maßstab an, eigentlich dienstunfähig und sein Verhalten alles andere als professionell. Allerdings gelingt es ihm, immer wieder bei bedrohlichen Situationen seinen Kopf zu retten. Dies gilt für die Ermittlungen im Fall der getöteten Fanny wie auch bei seiner Privatfehde mit dem örtlichen Rockerkönig, dem er einst den Führerschein abnahm. Auch in seiner Unterkunft, einer Wohnung in einem äußerlich eher baufälligen Haus, droht ihm Ärger, da der Vermieter ein keineswegs korrektes Verhältnis zu seiner Verlobten hat, die wahlweise seine Tochter oder Enkelin sein könnte.

Ein stückweit kann man den Roman als Roadmovie lesen, denn wer einen schicken Mercedes 280 SE Coupé, Baujahr 1971, besitzt, muss diesen natürlich ausfahren; was allerdings nicht unbemerkt bleibt. Die beiden bekannten Paare von Fanny belasten sich derweil mit ihren Aussagen, denn die beiden Jungs – Morten und Rasmus – waren in Fanny verliebt oder fühlten sich zumindest stark zu ihr hingezogen, was zu großem Unmut ihrer beiden Begleiterinnen – Marie und Fee – führte. Alle vier hatten somit ein Motiv, was Nick natürlich nur recht sein kann. Hauptsache er steht nicht selber unter Verdacht. Der Tod von Fanny lässt Nick jedoch nicht kalt, seine alten Instinkte sind geweckt und das Zusammenspiel mit Cleo ist ein spannendes, denn diese erkennt schnell, dass Nick nicht nur ein veritables Alkoholproblem hat. Am Ende vermischen sich dann alle kriminellen Ermittlungsstränge, allein vom Elbripper fehlt weiter jede Spur. Aber „Hundstage für Beck“ ist ja schließlich erst der Auftakt der Beck-Torner-Reihe.

  • Autor: Tom Voss
  • Titel: Hundstage für Beck
  • Verlag: Fischer
  • Umfang: 378 Seiten
  • Einband: Taschenbuch
  • Erschienen: Juli 2021
  • ISBN: 978-3-596-00065-4
  • Produktinformation


Wertung: 11/15 dpt

 


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