Chimamanda Ngozi Adichie – Liebe Ijeawele…

Wie unsere Töchter selbstbestimmte Frauen werden

© Lakin Ogunbanwo

Das Büchlein entstand aus einem Brief, den die Autorin ihrer Freundin Ijeawele schrieb. Diese hatte sie nach der Geburt ihrer Tochter darum gebeten zu erklären, wie eine feministische Erziehung aussehen könnte.
Wie kann ich meine Tochter zu einer selbstbestimmten Frau erziehen? Und dazu gehört auch die Frage: wie kann ich eine gleichberechtigte Partnerschaft führen?
Diese Fragen beantwortet die Autorin in fünfzehn kurzen und prägnanten Vorschlägen. Darunter fallen Vorschläge wie: „Erkläre ihr1, dass Geschlechterrollen Blödsinn sind“ oder „Sprich nie von Ehe als Errungenschaft“ oder „Sprich mit ihr über Sex und fang früh damit an.“

Bringe ihr bei, dass man ein Problem nicht mit X, sondern mit Frauen hat, wenn man X bei Frauen, aber nicht bei Männern kritisiert. Für X kann man unter anderem einsetzen: Zorn, Lautstärke, Sturheit, Kälte, Ruchlosigkeit. (Aus dem Vorschlag: „Sprich mit ihr über Sprache“, S.38)

Das Büchlein ist trotz der Kürze vollgepackt mit Informationen, großartigen und wichtigen Gedankengängen und der Möglichkeit, gesellschaftliche Bilder von Weiblichkeit (und somit auch Männlichkeit) zu hinterfragen.

Der Schreibstil ist einfach, freundschaftlich und liebevoll. Wie man es bei einem Brief an eine Freundin erwarten kann. Gleichzeitig nimmt Adichie sich aber nicht zurück, sondern formuliert ihre Sätze klar und deutlich, ohne blumige oder ausufernde Sprache.
Die Vorschläge sind voneinander unabhängig zu lesen. Das bedeutet, alle paar Seiten lässt sich eine Pause machen um über das Gelesene nachzudenken oder nach Gutdünken im Werk zu blättern.

„Einmal sagte er: „Eigentlich ist mein Vater der Herr im Haus, aber hinter den Kulissen hat meine Mutter die Hosen an.“ Warum „hinter den Kulissen?“ Wenn eine Frau Macht hat, warum müssen wir verheimlichen, dass sie Macht hat?“ (Aus dem Vorschlag: „Sei auf der Hut vor der Gefahr, was ich Feminismus Light nenne“, S.33)

Dazu sei gesagt, dass dieses Buch nicht nur für Eltern von Töchtern zu empfehlen ist, sondern für jeden Menschen. Auch für Eltern von Söhnen (auch Jungen müssen feministisch erzogen werden!) oder Erwachsene, die niemanden erziehen müssen. Auch für sich selbst lassen sich kostbare Erkenntnisse gewinnen, wie man als Frau oder Mann sozialisiert und erzogen wurde – und wie man eventuell umdenken kann.

Wer sich für das Thema Erziehung und gleichberechtige Elternschaft interessiert und ein Buch mit mehr nackten Zahlen und Statistiken lesen möchte, ist Alexandra Zykunovs Bestseller Wir sind doch längst alle gleichberechtigt! zu empfehlen.


Wertung: 14/15 dpt

  • Autorin: Chimamanda Ngozi Adichie
  • Titel: Liebe Ijeawele…
  • Originaltitel: Dear Ijeawele, or a Feminist Manifesto in Fifteen Sugesstions
  • Übersetzerin: Anette Grube
  • Verlag: Fischer Taschenbuch
  • Erschienen: 03/2017
  • Einband: Taschenbuch
  • Seiten: 80
  • ISBN: 978-3-596-29968-3
  • Sonstige Informationen:
    Produktseite
    Erwerbsmöglichkeiten

Verwendete Fußnoten im Text:
  1. wichtig: auch auf Söhne übertragen!()
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